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merkzettel

Tierschutz in Deutschland "Tierquälerei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat"

BildHunde im Zwinger
Hunde laufen im Zwinger

Hunde in einem Zwinger im Tierheim

(Quelle: dpa)

VideoWarum Haustiere gut tun
Zwei Kälber auf der Weide

Tun uns Haustiere wirklich so gut, wie viele meinen? Das will Reporterin Iris Toussaint herausfinden und besucht unter anderem eine Familie mit vier Hunden und spricht mit Expertin Heike Grotegut.

(19.08.2012)

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Mensch und Hund in der Chauvet-Höhle

Die erste Folge des Zweiteilers erzählt die Kulturgeschichte des Hundes nach und wie aus einer Kooperation tiefe Freundschaft zwischen Mensch und Tier wurde.

(02.08.2015)

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Screenshot

Den geliebten Haustieren der Deutschen geht es weitgehend gut. Jedenfalls im Vergleich zum Mastvieh. 28 Millionen Schweine und 1,9 Millionen Rinder, die in Deutschland gegessen werden, sprechen...

(31.07.2014)

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Tiermisshandlungen gestiegen. Ob dieser Trend auf ganz Deutschland zutrifft und was man gegen Tierquälerei tun kann, erklärt ein Experte vom Deutschen Tierschutzbund. 

heute.de: In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Tiermisshandlungen und falscher Haltungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Trifft dieser Trend auch auf den Rest Deutschlands zu?

Marius Tünte: Den Trend aus Sachsen-Anhalt können wir nicht bestätigen. In bundesweiten Statistiken werden nur allgemein "Straftaten gegen das Tierschutzgesetz“ geführt. Dazu zählen nicht nur Tiermisshandlungen, da könnte zum Beispiel auch illegaler Welpenhandel dabei sein. Die Steigerung von 2013 zu 2014 betrug nur zwei Prozent, so dass man nicht von einem signifikanten Anstieg sprechen kann.

Marius Tünte ...
Marius Tünte

... ist Pressesprecher vom Deutschen Tierschutzbund e.V. in Bonn. Der Verein möchte dem Missbrauch von Tieren entgegentreten. Ihm sind 16 Landesverbände und mehr als 800.000 Mitglieder aus ganz Deutschland angeschlossen.

heute.de: Woran liegt es, dass gerade in Sachsen-Anhalt ein so hoher Anstieg verzeichnet werden konnte?

Tünte: Uns sind keine spezifischen Gründe für Sachsen-Anhalt bekannt. Ganz im Gegenteil: Wie in ganz Deutschland gibt es dort viele Tierfreunde.

heute.de: Trotzdem gibt es auch Menschen, die Tiere vernachlässigen oder misshandeln. Wie sollte man sich verhalten, wenn man Zeuge einer solchen Tierquälerei wird?

Tünte: Wichtig ist, sich schlau zu machen, was es für Gesetze gibt und wie das Tierschutzgesetz aussieht. Da gibt es viele Möglichkeiten sich im Netz zu informieren. Dann ist es wichtig sofort aktiv zu werden: Dass man Behörden, also Polizei, Veterinäramt und Tierschutzvereine vor Ort, alarmiert. Außerdem sollte man noch ein paar persönliche Tipps beachten.

heute.de: Welche meinen Sie?

Tünte: Dass die eigene Sicherheit vorgeht und man selbst keine Straftat begeht. Auch wenn es dem Tier offenbar schlecht geht, darf man es nur bei akuter Lebensgefahr irgendwo rausholen oder retten. Ohne weiteres ein fremdes Grundstück zu betreten, ist verboten. Außerdem sollte man sich Notizen mit den berühmten W-Fragen – wer, wann wo, wie, warum – machen und schnell handeln.

heute.de: Was sind die häufigsten Fälle von Tierquälerei, die bei Ihnen gemeldet werden?

Mehr Tierquälerei in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Tiermisshandlungen und falscher Haltungen gestiegen. Wurden 2009 noch 314 derartige Fälle registriert, waren es 2014 bereits 427, berichtet die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung". Die Zeitung berief sich bei ihren Angaben auf Sachsen-Anhalts Kriminalstatistik der vergangenen Jahre.

"Die Zahl der Misshandlungen hat stark zugenommen", erklärte die Leiterin des Bitterfelder Tierheims, Grit Koeckeritz. Ein bis drei Hinweise auf gequälte oder falsch gehaltene Tiere bekämen Tierschützer pro Woche. Vor allem Schläge und Tritte seien an der Tagesordnung. Zudem sei die Zahl ausgesetzter oder in Gartenanlagen sowie Wohnungen zurückgelassener Tiere angestiegen.

(Quelle: epd)

Tünte: Gerade im Haustierbereich sind es Fälle, bei denen Leute mit der Tierhaltung überfordert sind, es den Tieren schlecht geht, zu viele Tiere auf engem Raum gehalten werden oder dass sie nicht vernünftig gepflegt werden. Der Klassiker ist aber tatsächlich immer noch die Lebensgefahr, wenn Menschen ihr Tier im Sommer im Auto lassen. Da darf man übrigens, wenn akute Lebensgefahr herrscht, das Tier befreien. Dann gibt es auch Tierschutzwidrigkeiten, wie Stachelhalsbänder, die bei Hunden genutzt werden. Das sind Fälle, die immer wieder vorkommen. Zugenommen hat in den vergangenen Jahren auch das " Animal Hoarding“ …

heute.de: … wenn Menschen Tiere bei sich horten?

Tünte: Genau. Das ist ein Fall, bei dem jemand aus verschiedensten Gründen mit seiner Tierhaltung überfordert ist. Derjenige hat vielleicht mit ein paar Tieren angefangen und es wurden immer mehr. Dann fehlen Zeit, Geld oder soziale Kontakte, um die Tiere zu pflegen und so kommt es zu Fällen, bei denen jemand auf einmal 100 Hunde oder 200 Meerschweinchen hält. In Berlin hatten wir mal 1.000 Vögel in einer normalen Drei- oder Vierzimmerwohnung.

heute.de: Was sollten Interessenten vor dem Kauf eines Tiers beachten, um solchen Fällen vorzubeugen?

Tünte: Das Wichtigste ist, sich ausführlich damit zu beschäftigen. Egal ob alleine, als Pärchen oder Familie, man muss immer mit einkalkulieren, dass die Tiere eine vernünftige Betreuung brauchen, dass sie Ansprüche haben, die erfüllt werden müssen. Ich bin gesetzlich dazu verpflichtet, die Tiere vernünftig unterzubringen, zu pflegen und zu füttern. Das kostet Zeit, Platz und natürlich auch Geld. Nicht nur die Anschaffung und die Unterbringung können teuer werden, auch Futter und Tierarztkosten müssen bei Hunden für fünfzehn bis zwanzig Jahre einkalkuliert werden. Auch die Urlaubsplanung muss berücksichtigt werden: Wenn ich viel im Ausland unterwegs bin, muss ich mir überlegen, ob ein Tier richtig ist. Außerdem sollte man ins Tierheim gehen und sich dort informieren und kann dort zum Beispiel als Gassi-Gänger helfen, um zu schauen, ob wirklich eine Bindung zu den Tieren existiert. Erst dann sollte man sich ganz bewusst für ein Tier entscheiden.

Weitere Links zum Thema
heute.de: Was sollte noch getan werden, um die Tierquälerei weiter einzuschränken?

Tünte: Ich denke, dass wir in Deutschland, gerade im Heimtierbereich, eine sehr tierliebe Nation sind. Hunde und Katzen sind immer noch die populärsten Tiere und da merkt man, dass es vielen Tieren auch richtig gut geht. Es gibt in den letzten Jahren auch immer wieder Aufklärungen, welche Tiere gut zu halten sind und welche nicht. Früher war der Hamster sehr populär und da hat man mit Aufklärungsarbeit dafür gesorgt, dass man mit einem stärkeren Bewusstsein erkennt, dass solche Tiere andere Aktivitätszeiten als der Mensch haben und dass sie als Spielzeug für Kinder nicht geeignet sind. Man muss sicherlich auch immer wieder aufklären, was für Bedürfnisse Tiere haben. Wir haben Tierschutzgesetze in Deutschland, aber es muss natürlich auch nachverfolgt werden. Wichtig ist, dass solche Straftaten, schon alleine aus Abschreckungsgründen, geahndet werden. Klar ist, dass Tierquälerei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat ist, die verfolgt werden muss.

Das Interview führte Johannes Link

05.01.2016
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