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Pariser bemühen sich um Normalität "Die Polizei hat super reagiert"

VideoSchüsse auf Champs-Élysées
Schießerei in Paris

Kurz vor der Präsidentschaftswahl fielen gestern Abend auf den Pariser Champs-Élysées Schüsse. Ein Polizist starb und drei weitere Personen wurden verletzt, bevor der Angreifer selbst erschossen wurde. Man geht von einem terroristischen Hintergrund aus.

(21.04.2017)

VideoParis: Der Tag danach
Theo Koll in Paris

Wie reagiert Frankreich auf den erneuten Terror in Paris? ZDF-Korrespondentin Christel Haas über die Auswirkungen kurz vor der Präsidentschaftswahl.

(21.04.2017)

VideoTerrorverdacht nach Schießerei
Polizisten sichern am Abend des 20. April 2017 die Champs-Élysées in Paris.

In Paris kam es am Abend zu einer Schießerei auf der Prachtstraße Champs-Elysees. Ein Polizist wurde getötet, zwei weitere schwer verletzt. Auch ein Täter sei tot. Die Staatsanwaltschaft leitete Terrorermittlungen ein.

(20.04.2017)

Video"Man geht von Terroranschlag aus"
Theo Koll in Paris

Bei einem Angriff auf Polizisten auf den Champs-Élysées wurde ein Beamter getötet, ein weiterer verletzt. ZDF-Korrespondent Theo Koll fasst die bestätigten Informationen im Gespräch mit Marietta Slomka zusammen.

(20.04.2017)

von Miriam Steimer, Paris

Die Champs Elysées sind wieder voller Menschen. Während die Polizei am Tag nach dem Anschlag versucht, die Hintergründe aufzuklären, bemühen sich die Pariser, zum Alltag zurückzukehren. 

"Ich habe einen Schuss neben mir gehört, dann bin ich in diesen Hauseingang gelaufen und habe mich auf den Boden geworfen." Soren Ellegaard hat die Schießerei auf den Champs Elysées gestern hautnah miterlebt. Er steht in einem Hauseingang an der Pariser Prachtstraße. An der Glasscheibe hinter ihm sieht man drei Einschusslöcher vom Vorabend.

Schüsse während Wahlkampf-Marathons

Am Donnerstagabend verteidigten die elf Kandidaten der französischen Präsidentschaftswahl in einem Interview-Marathon im Fernsehen ihre Programme. Währenddessen stieg gegen 21 Uhr ein Mann an der breiten Pariser Einkaufsstraße aus einem Auto und feuerte mit einer automatischen Waffe auf einen Polizisten.

Die Champs-Élysées

Die 70 Meter breite Avenue des Champs-Élysées ist die Prachtstraße von Paris. Sie ist 1.910 Meter lang und verläuft vom Luxor-Obelisken auf der Place de la Concorde schnurgerade und leicht ansteigend zum Arc de Triomphe auf dem Charles-de-Gaulle-Platz.

Im unteren Abschnitt sind die Champs-Élysées - wie die Straße kurz genannt wird - eine parkähnliche Promenade, im oberen Teil reihen sich Lokale, Kinos, Luxusboutiquen und Geschäftshäuser aneinander. Für Großereignisse wie die Militärparade zum Nationalfeiertag oder das Finale der Tour de France wird sie für den Verkehr gesperrt.

"Die Polizei hat super reagiert, sehr mutig", lobt Ellegaard das Verhalten der Polizisten. "Zwei sind in Richtung der Schüsse gelaufen, einer hat hier vor der Tür versucht, mich zu schützen." Der Angreifer zielte auf weitere Polizeibeamte und wurde erschossen. Ein Polizist starb, zwei weitere wurden verletzt.

Le Pen fühlt sich bestätigt

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert sehr schnell die Tat für sich. Die Regierung geht von einem Terroranschlag aus – und das drei Tage vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl. Marine Le Pen, die Kandidatin des rechtsextremen Front National, versucht das für sich zu nutzen. Sie hatte im TV-Interview am Abend - noch vor dem Anschlag – wieder kritisiert, dass Terror und Sicherheit als Themen im Wahlkampf vernachlässigt würden.

Jetzt fühlt sie sich bestätigt: "Ich rufe zum Erwachen der tausendjährigen Seele unseres Volkes auf, die in der Lage ist, der blutigen Barbarei eine Entschlossenheit entgegenzustellen, die durch nichts eingeschüchtert wird", sagt sie am Freitagmorgen. Sie wiederholte ihre Forderungen, von den Geheimdiensten überwachte Ausländer sofort auszuweisen und Grenzkontrollen einzuführen.

Le Pen liefert sich im Wahlkampf-Endspurt ein Kopf an Kopf-Rennen mit drei weiteren Kandidaten: Der linksliberale Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron forderte die Wähler auf, einen kühlen Kopf zu bewahren: "Was unsere Angreifer wollen, ist Tod, Symbolismus, Panik säen, einen demokratischen Prozess, die Präsidentschaftswahl, stören."

Weitere Links zum Thema
Für den konservativen Kandidaten François Fillon muss der Kampf gegen "islamischen Totalitarismus" die Priorität des nächsten Präsidenten sein. Der Bewerber der Linken, Jean-Luc Mélenchon, sagte, man dürfe sich der Gewalt nicht beugen oder in Panik verfallen.

"Das Beste daraus machen"

Bei dem Anschlag auf den Champs Elysées am Donnerstagabend wurde nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch eine Deutsche verletzt. Ellegaard hatte Glück, ihm ist nichts passiert. Ob er keine Angst hat, heute schon wieder an diesem Ort zu stehen? "Überhaupt nicht. Das ist zwar kein schönes Gefühl, aber es gehört zum Leben hier in Frankreich dazu."

Und er ist sich sicher: "Die Chance, dass so etwas zweimal hintereinander am gleichen Ort passiert, ist doch sehr gering. Wir müssen weitermachen und das Beste daraus machen."

Folgen Sie der Autorin auf Twitter: @miriamsteimer

Anschlag auf Pariser Polizisten

Was wir wissen

Karte: Schießerei auf dem Champs-Élysées
  • Am Donnerstagabend gegen 21.00 Uhr schoss ein Mann auf dem Pariser Boulevard Champs-Élysées mit einer automatischen Waffe auf einen geparkten Mannschaftswagen der Polizei.
  • Bei der Attacke wurde ein Polizist getötet und zwei weitere Beamte wurden schwer verletzt. Auch eine deutsche Touristin wurde verletzt, der Angreifer wurde erschossen.
  • Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert über ihr Sprachrohr, die Nachrichtenagentur Amaq, die Tat für sich.
  • Die Polizei durchsuchte noch am Abend ein Haus im Osten von Paris, wo der Täter gewohnt haben soll.
  • Frankreich mobilisiert seine Sicherheitskräfte vollständig, darunter alle Eliteeinheiten. Dadurch solle die Sicherheit der Bevölkerung bei der anstehenden Wahl gewährleistet werden, sagt Ministerpräsident Bernard Cazeneuve am Freitag nach einem Treffen mit Vertretern der Sicherheitskräfte.

Was noch unklar ist

  • Das Bekenntnis des IS zu dem Angriff ist mit Vorsicht zu genießen. Die Terrormiliz hat sich immer wieder zu Anschlägen bekannt, bei denen eine Verbindung zum IS nicht zweifelsfrei belegt werden konnte.
  • Die Nachrichtenagentur AP zitiert aus Polizeiunterlagen, dass der Angreifer identifiziert worden sei. Es handele sich um den 39-Jährigen Karim C. aus der im Osten der Hauptstadt gelegenen Stadt Chelles.
  • Der Tatverdächtige soll bereits in der Vergangenheit wegen einer Attacke auf Polizisten verurteilt worden sein. Der 39-Jährige hatte im Jahr 2005 eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen versuchten Totschlags erhalten, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Er hatte demnach in Seine-et-Marne bei Paris versucht, einen Polizisten, einen Polizeischüler und dessen Bruder zu töten. Es war auch unklar, einen wie großen Teil dieser Strafe der Verdächtige verbüßt hatte.

21.04.2017
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