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Nach Anschlag Istanbul-Besucher zwischen Angst und Verunsicherung

VideoNach Anschlag in Istanbul
Kondolenzbekundung am Theodosius Obelisk in Istanbul am 13.01.2016

Der Sultanahmet-Platz ist fast menschenleer. Im Herzen Istanbuls hatte ein Selbstmordattentäter mindestens zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Terror gegen Touristen - die Verunsicherung ist groß.

(13.01.2016)

VideoTote Deutsche bei Anschlag in Istanbul
Nach einer Explosion im Zentrum von Istanbul kamen mindestens zehn Menschen ums Leben.

Ein Selbstmordattentäter hat sich in Istanbul in die Luft gesprengt. Unter den Opfern sind mindestens acht Deutsche. Die türkische Regierung spricht von einer Tat der Terrormiliz IS.

(12.01.2016)

VideoTürkei: Wenn Sorgen mitreisen
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier sind nach dem Anschlag in Istanbul entschlossen, gegen den Terror vorzugehen. Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, erklärte die Kanzlerin.

(12.01.2016)

VideoZDFspezial: Anschlag auf Touristen
ZDFspezial vom 12.01.2016

Bei einem Selbstmordanschlag des sog. Islamischen Staats auf eine Touristengruppe in Istanbul sind heute mindestens zehn Menschen getötet worden, darunter neun Deutsche.

(12.01.2016)

Manche Urlauber bleiben vor Angst in ihren Hotels, andere reisen panisch ab. Von denjenigen Ausländern, die sich am Tag nach dem Anschlag nach draußen trauen, sind viele zutiefst verunsichert. 

Normalerweise herrscht an dem Platz vor der Blauen Moschee in Istanbul Trubel. Menschen aus der ganzen Welt bestaunen das weltberühmte Bauwerk, lachende Urlauber machen Selfies. Am Tag nach dem verheerenden Selbstmordanschlag in der türkischen Metropole herrscht dagegen gespenstische Leere. Reinigungskräfte beseitigen die letzten Spuren, ein Mann spritzt mit weißem Reinigungsschaum Parkbänke, den Boden, sogar die Straßenlaterne ab. Man möchte gar nicht wissen, was er da wegspült.

Aus Angst Hotel nicht verlassen

Eine Frau will der Opfer gedenken und Nelken niederlegen - und wird sofort von Journalisten bestürmt. Hier hat sich am Dienstag ein Selbstmordattentäter inmitten einer Gruppe von Touristen in die Luft gesprengt und zehn Deutsche mit in den Tod gerissen. Ganz in der Nähe ist der Eingang zur Hagia Sophia, hier stehen Besucher normalerweise lange an. Die Absperrungen, die sonst dazu dienen, den Ansturm auf das Museum zu regulieren, bleiben am Mittwoch nutzlos. Eine Warteschlange gibt es nicht.

Einreisverbote und Festnahmen

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind nach türkischen Angaben 3.318 Personen wegen des Verdachts der Unterstützung einer Terrororganisation festgenommen worden. Außerdem seien 9.000 Einreiseverbote für Menschen aus 124 Ländern ausgesprochen worden. Hintergrund der hohen Zahl ist vor allem, dass viele IS-Sympathisanten über die Türkei nach Syrien einreisen. In 387 Fällen seien Einreiseverbote gegen deutsche Bürger ausgesprochen worden. Zudem seien 94 Deutsche aus der Türkei abgeschoben worden.

Die Urlauber meiden die berühmtesten Sehenswürdigkeiten Istanbuls. Catherine Lang aus New York hat die Explosion am Dienstag gehört. Vor lauter Furcht habe sie das Hotel den ganzen Tag nicht verlassen, sagt 25-jährige Künstlerin. Am Mittwoch traut Lang sich dann doch heraus, um Fotos von der Blauen Moschee zu machen. Von einem unbekümmerten Urlaub ist aber nichts mehr übrig. "Ich habe Angst vor einer zweiten Bombe", sagt sie.

Sehenswürdigkeiten gemieden

Die 55-jährige Ramona, die mit einer Freundin aus Washington angereist ist und gerade in einem kleinen Laden Postkarten kauft, meidet dagegen Sehenswürdigkeiten. "Es ist sehr tragisch und grauenvoll", sagt die Frau, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte. "Wäre das vor unserer Abreise passiert, hätten wir den Urlaub storniert." Viele Touristen sind verunsichert. Einige hätten ihren Urlaub sogar abgebrochen, sagt Volkan Özkan, der ein kleines Hostel in der Nähe der blauen Moschee betreibt. Alleine am Abend nach dem Anschlag seien 10 seiner 15 Gäste fluchtartig abgereist, darunter zwei Deutsche.

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Die Sicherheitslage ist angespannt, die Stimmung gedrückt. Dennoch sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der am Mittwoch Istanbul den Anschlagsort besucht und dort Blumen niederlegt, man dürfe sich von den Terroristen nicht einschüchtern lassen. "Ich sehe keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen. Wir wollen unser Verhalten, unser Leben nicht verändern." Oliver Pielen, ein deutscher Politikstudent aus Wien, ist ähnlicher Meinung. "Man darf sich nicht beeindrucken lassen. Die Terroristen wollen ja erreichen, dass die Menschen Panik haben", sagt der 28-Jährige. Er sei mit der Wiener Singakademie auf Konzertreise in Istanbul, erzählt Pielen. Er meide nun große Gruppen und öffentliche Verkehrsmittel. "Aber ich habe nicht das Gefühl, dass an der Ecke ein Attentäter wartet." Andere sind zögerlicher.

Gerd Habersatter, der ebenfalls in dem Wiener Chor singt, sagt, 12 der ursprünglich 80 Teilnehmer an der Reise hätten abgesagt. Auch er selbst habe kurz überlegt, ob er überhaupt in die Türkei fahren solle. Hostel-Besitzer Özkan macht sich nach dem Anschlag Sorgen - nicht nur um seine Zukunft, sondern auch um das Image seines Landes. "Es leidet immer zuerst der Tourismus", sagt er. "Wir wollen nicht, dass die Türkei als Terror-Land abgestempelt wird wie Afghanistan."

"Wir trauern" - "Im Herzen bei Euch"

Türkische Medien zeigen Anteilnahme

Screenshot vom Twitter-Account der türkischen Tageszeitung Meydan vom 13.012016

Nach dem Anschlag in Istanbul sind einige türkische Zeitungen mit deutschen Schlagzeilen erschienen. "Wir trauern" heißt die Schlagzeile der Zeitung "Meydan". "Im Herzen bei Euch" titelt "Habertürk".

13.01.2016, Quelle: von Mirjam Schmitt, dpa
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