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merkzettel

Ankara macht PKK verantwortlich Anschlag in der Türkei: Fünf Tote, Dutzende Verletzte

BildAnschlag in Cinar
Von einem Bombenanschlag zerstörte Polizeistation in Cinar, Türkei, am 14.01.2016

(Quelle: reuters)

VideoTerror in der Türkei: Hintergründe
Bewaffnete Polizei in der Türkei

Im Südosten der Türkei herrscht Bürgerkrieg. Ankara fährt Panzer auf und die Kurden setzen sich ähnlich brutal zur Wehr. Trägt die türkische Politik zu den aktuellen Ereignissen bei?

(12.01.2016)

Bei einem Bombenanschlag im Südosten der Türkei sind mindestens fünf Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden. Der Anschlag sei von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verübt worden, teilten die Behörden mit. PKK und türkische Armee kämpfen seit Wochen in der Region. 

Zwei Menschen kamen den Angaben zufolge direkt durch den Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache in Cinar in der Provinz Diyarbakir ums Leben. Drei weitere Menschen starben, als ein angrenzendes Gebäude infolge der Schäden einstürzte.

Polizeiwache schwer beschädigt

Die Polizeiwache wurde schwer beschädigt, wie in türkischen Medien veröffentlichte Fotos zeigte. Nach Behördenangaben wurden durch die Autobombe und den Einsturz des angrenzenden Gebäudes mindestens 39 Menschen verletzt, darunter waren auch Polizisten.

Weitere Links zum Thema

Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete, auch naheliegende Polizeiunterkünfte seien angegriffen worden, wodurch Frauen und Kinder von Polizisten verletzt worden seien. Demnach kam es nach dem Bombenanschlag auch zu Raketen- und Schusswaffen-Angriffen.

Konflikt zwischen Ankara und PKK eskaliert

Kurdische Aufständische hatten im Jahr 1984 im Südosten der Türkei einen Kampf um größere Autonomierechte begonnen. Der jahrzehntelange Konflikt der Regierung in Ankara mit der PKK war im Sommer wieder eskaliert, der vor drei Jahren eingeleitete Friedensprozess kam zum Erliegen.

Die Armee geht in den Kurdengebieten im Südosten des Landes seit Dezember mit aller Härte gegen Aktivisten vor. In mehreren Städten herrschen kriegsähnliche Zustände. In dem Konflik

t wurden in den vergangenen 30 Jahren etwa 45.000 Menschen getötet.

Karte: Türkei

Anschlag in der Stadt Cinar, Provinz Diyarbakir

Türkei-Konflikt: Erdogan gegen PKK

Anfänge und Entwicklung

Kurden mit Fahne der PKK

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bisher rund 40.000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen Kurdenstaat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. Inzwischen ist die PKK von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt.

PKK-Führer Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali in Haft. Die Türkei, die Europäische Union und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein. Der syrische Ableger der PKK - die PYD - steht allerdings weder in der EU noch in den USA auf den Listen der Terrororganisationen, was die Türkei kritisiert. Die USA unterstützen die PYD sogar mit Waffen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühten sich um einen Friedensprozess, der vom heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan initiiert wurde. Die PKK rief im März 2013 eine Waffenruhe aus, die Ende Juli jedoch scheiterte.

Der Konflikt eskaliert

Seitdem die Waffenruhe gescheitert ist, eskaliert der Konflikt zwischen PKK und türkischer Regierung. Die Armee fliegt regelmäßig Luftangriffe; die PKK verübt Anschläge auf Sicherheitskräfte und es kommt zu Gefechten. Einen zeitweisen Angriffsverzicht beendete die PKK kurz nach dem Wahlsieg der AKP bei den Neuwahlen am 1. November.

In den vergangenen Wochen ging die Regierung verstärkt in den Städten des Südostens gegen die PKK vor. Sicherheitskräfte und PKK-Kämpfer lieferten sich zuletzt schwere Gefechte. Die Behörden rufen immer wieder Ausgangssperren in den Provinzen Diyarbakir, Mardin und Sirnak aus. Vor allem die Zivilbevölkerung leidet darunter. Die Menschen bleiben oft tagelang ohne Wasser und Strom und klagen über Lebensmittelknappheit.

Die AKP-Regierung hat den Kurden schrittweise mehr Rechte zugestanden. Allerdings wird beispielsweise weiterhin kein Unterricht auf Kurdisch in staatlichen Schulen angeboten.

Etwa 24 Millionen Kurden leben über die Länder Türkei, Irak, Iran und Syrien verteilt. Sie bezeichnen sich als größtes Volk ohne eigenen Staat. In der Türkei machen die Kurden etwa 18 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

(Quelle: dpa)

14.01.2016, Quelle: afp, reuters
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