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Wahl in Frankreich TV-Debatte: Macron punktet - Kritik an Le Pen

VideoTV-Duell zur Wahl in Frankreich
praesidentschaftswahlen in frankreich

In Frankreich traten einen Monat vor der Präsidentenwahl im der ersten TV-Duell die Favoriten Le Pen und Macron gegeneinander an. Dabei ist es zu einem heftigen Schlagabtausch gekommen. Strittig waren vor allem der Islam und religiöse Symbole im öffentlichen Raum.

(21.03.2017)

Video"Alle haben auf Macron geguckt"
Der französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon, Emmanuel Macron, Jean-Luc Mélenchon, Marine Le Pen und Benoît Hamon (von links).

"Die Kandidaten sind sich bewusst, dass die Debatte entscheidend sein kann. Deshalb versuchen alle zu punkten", kommentiert Paris-Korrespondentin Christel Haas das TV-Duell zwischen den Präsidentschaftskandidaten in Frankreich.

(20.03.2017)

VideoMacron im Interview
Emmanuel Macron

Im französischen Wahlkampf um das Präsidentenamt beginnt die heiße Phase.

(14.03.2017)

VideoErmittlungen gegen Fillon
france election

Gegen den französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Fillon ist ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Dem konservativen Politiker wird unter anderem eine Veruntreuung von Staatsgeldern vorgeworfen.

(14.03.2017)

Bislang bestimmten eher Skandale und Justiz-Verwicklungen den Wahlkampf in Frankreich. Beim ersten TV-Duell ist es nun inhaltlich geworden. Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron untermauerte seinen Favoritenstatus, die Rechtspopulistin Marine Le Pen wurde scharf angegangen. 

Einen Monat vor der ersten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich hat der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron seinen Favoritenstatus untermauert. 29 Prozent der Zuschauer fanden den früheren Wirtschaftsminister in der ersten von drei TV-Debatten am überzeugendsten. Das ergab eine Online-Umfrage des Instituts Elabe. Dahinter kam der Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon mit 20 Prozent. Rang drei teilten sich die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der konservative Kandidat François Fillon. Letzter der fünf Kandidaten war der Sozialist Benoit Hamon.

Zu den umstrittensten Themen gehörten die Zuwanderung und Europa. Le Pen unterstrich in der Marathondebatte über fast dreieinhalb Stunden ihre EU-Skepsis. "Ich will die Präsidentin Frankreichs sein und nicht eine unbestimmte Region der Europäischen Union beaufsichtigen", sagte sie. "Ich will nicht die Vizekanzlerin von Angela Merkel sein." Le Pen hatte versprochen, den Euro in Frankreich abzuschaffen und eine Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft anzusetzen.

"Sie sind dabei, das Land in ein regelrechtes wirtschaftliches und soziales Chaos zu ziehen", erwiderte dagegen Le Pens konservativer Widersacher Fillon. "Man verlässt nicht die europäische Währung (...) und den Schutz der Europäischen Zentralbank."

Kritik an Merkel

Die Flüchtlingspolitik Merkels bezeichnete Fillon indes als falsch. "Die Art, wie mit der Krise umgegangen wurde, hat enorme Probleme in Europa geschaffen." Die Kanzlerin werde dafür inzwischen in den eigenen Reihen kritisiert. Fillon gehört derselben konservativen Parteienfamilie an wie die CDU-Vorsitzende Merkel. Diese hatte vergangene Woche Macron in Berlin getroffen.

Während Le Pen Macron einen Mangel an verbindlichen Positionen vorwarf, betonte dieser seine Unabhängigkeit. "Die herkömmlichen Parteien, die jahrzehntelang die Probleme von gestern nicht lösen konnten, werden dies auch morgen nicht können", sagte er.
Macron war früher Investmentbanker und diente unter dem aktuellen Präsidenten Francois Hollande von den Sozialisten als Wirtschaftsminister.

In der Sicherheitsdebatte bezeichnete der Fillon Le Pens Plan, 40.000 zusätzliche Gefängnisplätze zu schaffen, als unrealistisch. "Ich schlage 16.000 Gefängnisplätze vor, das wäre schon mal nicht schlecht", sagte Fillon, der Frankreich vor allem mit einem Sparprogramm wieder auf die Beine helfen will. Der Sozialist Hamon warf Le Pen vor, sie "berausche" sich an den "Vermischtes"-Seiten in den Zeitungen.

Streit über Burkinis

Ein hitziger Wortwechsel entstand beim Thema Burkini, das in Frankreich im vergangenen Sommer für heftige Debatten gesorgt hatte. Während Le Pen argumentierte, der Ganzkörperbadeanzug für muslimische Frauen sei ein Zeichen für "die Zunahme des radikalen Islam in unserem Land", warf Macron der Rechtspopulistin vor, die Gesellschaft spalten zu wollen.

Weitere Links zum Thema
Nach dem islamistischen Anschlag von Nizza mit 86 Toten am 14. Juli 2016 hatten zahlreiche französische Badeorte die Burkinis verboten. Nach einer Grundsatzentscheidung von Frankreichs Oberstem Verwaltungsgericht waren die meisten Burkini-Verbote aber gekippt worden.

Viele Wähler noch unentschieden

Mit der Fernsehdebatte, die es in dieser Form in Frankreich vor einer Präsidentschaftswahl noch nie gegeben hat, beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs. Bis zur ersten Wahlrunde am 23. April sind noch zwei weitere TV-Debatten geplant.

Le Pen und Macron haben Umfragen zufolge die besten Chancen, nach dem ersten Wahlgang am 23. April in die Stichwahl am 7. Mai einzuziehen. Dieses direkte Duell dürfte demnach dann Macron klar für sich entscheiden. Allerdings sind fast 40 Prozent der Wähler noch unentschieden. Und Demoskopen weisen darauf hin, dass viele Befragten nicht offen sagen wollen, für wen sie in der zweiten Runde stimmen würden.

Der lange als Favorit gehandelte konservative Ex-Premierminister Fillon ist wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau und zwei seiner Kinder in Umfragen abgestürzt. Inzwischen liegt er nur noch auf dem dritten Platz und würde damit den Einzug in die Stichwahl verfehlen. Der Sozialist Benoît Hamon liegt mit deutlichem Abstand auf dem vierten Platz, dicht gefolgt vom Linksaußen Mélenchon. In manchen Umfragen ist Mélenchon sogar mit Hamon gleichgezogen. Amtsinhaber Hollande tritt nicht erneut an.

Bewerber: Präsidentenwahl in Frankreich

Emmanuel Macron

Emmanuel Macron am 23.01.17 in Beirut

Der unabhängige Bewerber gewinnt immer mehr Sympathiepunkte und liegt in Umfragen inzwischen bei über 20 Prozent. Er könnte demnach ins End-Duell gegen Le Pen gelangen - und die Konkurrentin auch schlagen. Der 39-Jährige positioniert sich weder links noch rechts. Konservative werfen ihm vor, das Programm für den glücklosen Präsidenten François Hollande gemacht zu haben, der nicht mehr antritt.

Marine Le Pen

Marine Le Pen am 16.11.2016

Die Kandidatin der rechtsextremem Front National (FN) vertritt radikale Positionen im Hinblick auf Europa und Ausländer. In Umfragen für die erste Wahlrunde im April liegt die 48-Jährige mit mindestens 25 Prozent regelmäßig vorne.

François Fillon

François Fillon am 10.1.2017

Der Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten galt vor der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau als Favorit der Wahl. Nach einer neuen Umfrage könnte der 62-Jährige jedoch - entgegen bisheriger Annahmen - nicht in die entscheidende zweite Runde im Mai gelangen. Die französische Justiz prüft Vorwürfe, wonach Fillons Frau nur zum Schein im Parlament angestellt war. Fillon hatte die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen.

Benoît Hamon

Benoît Hamon bei TV-Debatte am 12.01.2017

Der 49 Jahre alte Ex-Bildungsminister wurde von rund zwei Millionen Wählern zum Spitzenkandidaten der angeschlagenen Sozialisten bestimmt. Er will mit der Hollande-Ära brechen und einen neuen Kurs einschlagen, bei dem grüne Themen eine wichtige Rolle spielen. Er gilt zur Zeit als "vierter Mann" bei der Wahl.

Jean-Luc Mélenchon

Der französische sozialistische Politiker und Europaabgeordnete Jean-Luc Mélenchon.

Mit 65 Jahren ist der Linkenführer der älteste unter den wichtigen Kandidaten. Der von der kommunistischen Partei (PCF) unterstützte Anwärter dürfte laut Umfragen bei der ersten Runde mindestens zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

(Quelle: dpa)

21.03.2017, Quelle: afp, reuters, dpa
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