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merkzettel

Übergriffe in der Silvesternacht Köln: Polizei sucht weiter nach den Tätern

VideoZahl der Strafanzeigen steigt
Polizisten am Kölner Hauptbahnhof.

Nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln wird die Lage immer brisanter. Die Zahl der Strafanzeigen stieg auf 121, laut Polizeiangaben wurden bislang 16 Verdächtige ausgemacht.

(07.01.2016)

VideoRealität trifft auf Rechtsstaat
Menschenmenge hinter Grafik

Politiker fordern nach den massiven Übergriffen in Köln mit aller Härte gegen die Täter vorzugehen. Doch das ist rechtlich gar nicht so einfach und von Fall zu Fall verschieden.

(06.01.2016)

Video16 Tatverdächtige
Sebastian Fiedler - Bund Deutscher Kriminalbeamter

Nach den Übergriffen in Köln in der Silvesternacht steigt die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen auf 16. Könnten organisierte Banden hinter den Übergriffen stehen?

(07.01.2016)

VideoKölner Polizei stockt Ermittler auf
Polizisten in Kölner Innnenstadt

Die Kölner Polizei vergrößert ihr Ermittlerteam, um die Vorfälle in der Silvesternacht aufzuklären. Der Innenminister gibt der Polizei die Schuld, die verweist auf zu wenig Personal.

(07.01.2016)

Die Kölner Polizei tappt immer noch im Dunkeln: Bislang ist kein Verdächtiger verhaftet worden, der in der Silvesternacht an den Übergriffen auf Frauen beteiligt gewesen ist. 16 Tatverdächtige seien inzwischen ermittelt, die Zahl der Strafanzeigen stieg auf 120. 

Auf der Suche nach Schuldigen für die Übergriffe kommt die Polizei nur langsam voran: Es seien inzwischen 16 Verdächtige ausfindig gemacht worden. "Wir prüfen nun, ob sie tatsächlich in Zusammenhang mit den Taten stehen", sagte ein Sprecher. Bis zum Mittag wurden 120 Strafanzeigen gestellt. Bei 80 der angezeigten Taten hätten die Opfer angegeben, sexuell bedrängt worden zu sein. In 50 dieser Fälle seien die Frauen zudem bestohlen worden. Bislang wurden zwei Vergewaltigungen angezeigt. Die Polizei sucht indes weiter Zeugen. Möglicherweise geschädigte Frauen seien gebeten, sich zu melden.

Neun Anzeigen in Stuttgart

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In Stuttgart gab es laut der dort zuständigen Polizei in der Silvesternacht ähnliche Übergriffe wie in Köln. Es gebe derzeit neun Anzeigen von 16 Geschädigten. Ein Stuttgarter Club-Besitzer berichtete dem ZDF, dass im Umfeld des Clubs mehrere Mädchen angegriffen worden wären. Er spricht von 50 bis 100 männlichen Angreifern arabischer Herkunft.

Sie hätten Gassen gebildet und Mädchen darin eingeschlossen. Die Mädchen hätten laut gerufen und geschrien. Türsteher des Clubs und er seien daraufhin dazwischen gegangen. Zu den aktuellen Zahlen der Polizei sagte der Besitzer des Clubs: Er sei sicher, dass es noch mehr Geschädigte gebe. Das schließt er aus Berichten von Besucherinnen seines Clubs.

Auch Übergriffe in Österreich und der Schweiz

Ähnliche Vorfälle wie in Köln und Stuttgart scheinen auch in Österreich passiert zu sein. Wie der Österreichische Rundfunk berichtet, gingen auch Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft in Salzburg ein. Mehrere Frauen berichten von sexuellen Übergriffen. Sie waren demnach von einer Gruppe Männern bedrängt, unsittlich berührt und bestohlen worden. Drei verdächtige Syrer und Afghanen seien ausgeforscht worden. Die Ermittlungen dauern aber noch an.

Auch in der Schweiz hat es am Silvesterabend sexuelle Übergriffe auf Frauen ähnlich den Vorfällen in Köln gegeben. Ein halbes Dutzend Frauen habe angegeben, im Anschluss an ein Feuerwerk in Zürich bestohlen und dabei gleichzeitig sexuell belästigt worden zu sein, teilte die Polizei mit. Die Frauen seien "in der Menschenmenge von mehreren Männern mit dunklerer Hautfarbe angegangen worden". Die Polizei suche weitere mögliche Betroffen und Zeugen.

Köln: Was wir wissen - und was nicht

Anzahl der Täter

Am Silvesterabend versammelte sich eine große Menschenmenge vor dem Kölner Bahnhof, darunter eine große Zahl gewalttätiger Männer. Viele waren betrunken und enthemmt. Sie feuerten Raketen und Böller in die Menge.

Gegen 23 Uhr hatte sich die Gruppe auf dem Bahnhofsvorplatz und der Treppe zum Dom auf etwa 1.000 bis 1.500 Personen vergrößert, heißt es im Bericht des NRW-Innenministeriums. Die Stimmung war aggressiv, deswegen räumte die Polizei den Platz.

Sexuelle Gewalt und Diebstahl

Aus der Menschenmenge bildeten sich kleinere Gruppen von Männern. Sie umzingelten Frauen und begrapschten oder beraubten ihre Opfer. Auch Vergewaltigungen wurden bei der Polizei angezeigt.

Bislang liegen der Polizei mehr als 500 Anzeigen vor. In mehr als 230 Fällen handelt es sich um Sexualstraftaten, teils zusammen mit Diebstahl. Bei den übrigen Anzeigen geht es um Diebstahl und Körperverletzung.

Identität der Täter

Die Bundespolizei, die für die Sicherheit an Bahnhöfen zuständig ist, hat etwas mehr als 30 Verdächtige identifiziert - größtenteils Migranten aus Algerien, Marokko, auch einige aus Iran und Syrien. Viele der Verdächtigen sind Asylbewerber.

Vier der Tatverdächtigen sind dem Innenministerium zufolge bereits in Untersuchungshaft, ihnen wird Diebstahl und Raub in Zusammenhang mit den Ereignissen in der Silvesternacht vorgeworfen. Welche Delikte die anderen begangen haben sollen, geht aus dem Bericht nicht hervor. Die Beweisführung wird in jedem Falle problematisch. Das Getümmel und die Menge an Beteiligten erschweren den Nachweis konkreter Verbrechen Einzelner.

Organisierte Banden?

Die Polizei kann bislang nicht bestätigen, dass organisierte Banden für die Übergriffe verantwortlich sind. Es ist unklar, ob es zwischen den Taten in Köln und in anderen Städten zum Jahreswechsel einen Zusammenhang gibt.

Unter anderem in Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart häufen sich die Anzeigen von Frauen, die in der Silvesternacht sexuell belästigt und ausgeraubt wurden. In Hamburg gingen mehr als 100 Strafanzeigen ein.

Widersprüchliche Informationspolitik

Die Informationspolitik der Behörden folgte offenbar einer Salamitaktik: Die Erkenntnisse kamen in den Tagen nach den Übergriffen scheibchenweise. Teilweise widersprachen sich die Informationen der Polizei.

(Quelle: dpa)

Tauber: Mehr Videoüberwachung, mehr Licht

CDU-Generalsekretär Peter Tauber fordert nach den Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln mehr Videoüberwachung und mehr Licht auf öffentlichen Plätzen von Großstädten. "Man muss Räume schaffen, in denen so etwas nicht geschieht, einfach weil es nicht im Dunkeln geschehen kann", sagte Tauber. Videoüberwachung diene der Ermittlung der Fakten und sei vielleicht auch ein geeignetes Argument zur Prävention. Um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu vermeiden, brauche es zudem mehr Polizeipräsenz.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die Polizei muss sich die Frage stellen lassen, ob sie die Vorfälle wirklich schon in der Silvesternacht ernst genug genommen hat." Es solle aber keine vorschnellen Schuldzuweisungen geben.

Maas hält Ausweisung der Täter für denkbar

Angesichts von Zeugenaussagen, dass die aggressive Menge in Köln vor allem aus Männern nordafrikanischer Herkunft bestand, geht auch die Debatte über die Abschiebung straffälliger Ausländer weiter. Maas vertrat die Auffassung, falls Asylsuchende unter den Tätern gewesen sein sollten, so könnten sie ausgewiesen werden. Das erlaube das Gesetz bei Verurteilungen zu mehr als einem Jahr, die bei Sexualdelikten durchaus möglich seien.

Köln: Was wir nicht wissen

Täter

Nach eigenen Angaben hat die Kölner Polizei bislang mehrere Tatverdächtige ermittelt. Augenzeugenberichten zufolge soll es sich beim Großteil der Täter um junge Heranwachsende aus nordafrikanischen Herkunftsländern und dem Nahen Osten gehandelt haben. Die Beweisführung gestalte sich der Polizeisprecherin zufolge als sehr schwierig, was vor allem an der Gemengelage liege. Es war dunkel, die Täter konnten in der Menschenmasse untertauchen. Es werde nach den Worten der Sprecherin "verdammt schwierig", Täter dingfest zu machen.

Organisierte Verbrechen

Ob es sich um eine organisierte Bande handelt oder sich die Täter vorab verabredet haben - dazu hat die Polizei noch keine Erkenntnisse. "Es scheint allerdings seltsam, dass das alles zufällig passiert ist", sagte eine Sprecherin.

Neue Masche des Trickdiebstahls

Ebenfalls unklar ist, ob die Übergriffe einer neuen Masche des Trickdiebstahls folgten, ähnlich der "Antänzer"-Methode. Polizeipräsident Wolfgang Albers zufolge haben die Silvestervorfälle ein neues Ausmaß. Frühere Opfer der "Antänzer" seien in der Regel Männer gewesen, das habe sich nicht im sexuellen Bereich abgespielt.

Zusammenhänge zwischen den Städten

Ob es Zusammenhänge zu den Taten in Hamburg und weiteren Städten gibt, ist auch offen. Die Polizeisprecherin sagte lediglich, das sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", diese Möglichkeit müsse gegebenenfalls geprüft werden. Eine Erleichterung von Abschiebungen hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ins Gespräch gebracht.

Dazu meinte SPD-Vize Ralf Stegner allerdings in der "Welt": "Ständig Stimmungen nachzulaufen ist kein verantwortliches Regierungshandeln, sondern das beharrliche Umsetzen der getroffenen Vereinbarungen, wie die Aufstockung der Bundespolizei." Zu deren Zuständigkeit gehört - auch an Silvester in Köln - die Sicherheit auf den Bahnhöfen.

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07.01.2016, Quelle: dpa
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