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merkzettel

Grüne und Hendricks fordern "Autofasten" Einfach bis Ostern mal das Auto stehen lassen

BildDer Umwelt zuliebe mal wieder radeln
Fahrradfahrer auf Radweg in Berlin

(Quelle: dpa)

VideoStuttgart: Fahrverbote ab 2018
Feinstaub-Alarm in Stuttgart

Bei Feinstaubalarm dürfen ältere Diesel in Stuttgart ab kommendem Jahr nicht mehr fahren. Betroffen sind Fahrzeuge, die nicht die Abgasnorm 6 erfüllen. Grund ist die stark mit Schadstoff belastete Luft in der Stadt.

(21.02.2017)

VideoGesundheitsgefahren durch Abgase
Autoabgase

Stickoxide, Feinstaub, CO2 - in vielen Städten sind die Messwerte alamierend hoch.

(27.02.2017)

Wenn Aschermittwoch naht, sind auch die Vorschläge nicht weit, auf was man denn bis Ostern verzichten sollte. Die Grünen und Umweltministerin Hendricks raten den Bürgern zum "Autofasten" - der Umwelt zuliebe sollten sie lieber auf Bus, Bahn oder Rad zurückgreifen. Vielleicht sogar dauerhaft. 

Angesichts der hohen Luftverschmutzung appellieren das Umweltbundesamt und die Grünen an alle Autofahrer, während der Fastenzeit ihren Wagen bewusst stehen zu lassen. Freiwilliges "Autofasten" von Aschermittwoch bis Ostern könne dazu motivieren, auch dauerhaft auf Bus, Bahn oder das Rad umzusteigen - der Umwelt zuliebe. Während der 40 Fastentage sollten die Bahn und regionale Verkehrsträger allen "Autofastern" Sonderrabatte gewähren, um neue Kunden anzulocken, sagten Katrin Dziekan vom Umweltbundesamt und der Grünen-Verkehrsexperte im Bundestag, Stephan Kühn.

Auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) unterstützt die Aktion. Es gehe nicht darum, das Autofahren gänzlich zu verbieten. "Aber wir können unsere Perspektiven ändern, wenn wir ganz bewusst und zumindest in der Fastenzeit auf andere Verkehrsmittel umsteigen", erklärte sie.

Zu viel Stickoxid in deutschen Städten

Ende Januar hatte das Umweltbundesamt mitgeteilt, dass auch 2016 die Luft in deutschen Städten zu stark mit Stickstoffdioxid belastet war. Schuld sind vor allem alte Diesel-Autos. Für Ozon und Feinstaub werden weiter die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Werte deutlich überschritten. Angestoßen haben das "Autofasten" vor 20 Jahren die Kirchen. "In der Fastenzeit sind wir Christen aufgefordert, unsere Lebensgewohnheiten zu überdenken und zu überprüfen", sagte der Umweltbeauftragte des Bistums Mainz, Franz Hock.Auch der Verkehrsclub ADAC hat keine grundsätzlichen Einwände.

Der freiwillige Autoverzicht müsse auch nicht auf die Fastenzeit beschränkt bleiben, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Vor allem kurze Strecken ließen sich auch gut zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen. Für längere Distanzen brauche es aber konkurrenzfähige Alternativen. Er verwies auf eine ADAC-Umfrage, wonach viele Menschen bereit wären, auf Bus und Bahn umzusteigen - wenn die Fahrpreise niedriger wären, die Verbindungen schneller und zuverlässiger und das Tarifsortiment verständlicher.

Germanwatch: Bus und Bahn günstiger

Stefan Küper vom Umweltverband Germanwatch wendet ein, dass bei genauer Berechnung das Auto der eigentliche Kostentreiber sei. "Gerade bei Einbezug der Fixkosten wie Wertverlust des Wagens, Steuern, Versicherung, TÜV und so weiter fährt es sich mit Bus und Bahn in der Regel deutlich günstiger", sagte er der dpa. Zudem gebe es vielerorts gute Carsharing-Angebote. Auch er räumt aber ein: "Natürlich gibt es aber insbesondere auf dem Land Wohnlagen, in denen es ganz ohne Auto nur schwer geht."

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Ähnlich sieht es der CDU-Verkehrsexperte Ulrich Lange. Beim Thema Autoverzicht komme es auf Realismus an. "Ich komme aus einem richtigen Flächenwahlkreis. In der Praxis stößt der Verzicht auf das Auto und der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr für unsere Bürger und auch für mich dort auch an seine Grenzen."

Städtetag: Wohl mehr Fahrverbote nötig

Aufregung hatte zuletzt die Landesregierung in Baden-Württemberg mit ihrer Entscheidung ausgelöst, in Stuttgart ab 2018 an Tagen mit hoher Schadstoffbelastung zentrale Straßen im Talkessel für viele Diesel-Fahrzeuge zu sperren. Der Städtetag erklärte, auch andernorts werde man an Fahrverboten wohl nicht vorbeikommen.

Das Umweltbundesamt erklärte, die vielen Staus könnten ein Indiz dafür sein, dass es zu viele Autos hierzulande gibt - ebenso wie die Umweltbelastungen durch Luftschadstoffe und Lärm. Blockiert würden auch wertvolle Flächen - durch Straßen und Parkplätze. "Weniger Autos würden daher unsere Städte lebenswerter machen. Hier würde es helfen, sich Autos zu teilen", erklärte UBA-Umweltexpertin Dziekan. Gerade bei den Jüngeren hätten Pkw-Besitz und Pkw-Nutzung in den vergangenen Jahren abgenommen. Das heiße nicht, dass sie weniger mobil sind, sondern sie seien anders mobil. "Es bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung anhält", sagte sie.

Feinstaubbelastung in Deutschland

Festgelegte Grenzwerte

Abgase strömen aus dem Auspuff eines Autos am 14.11.2016

Dieselruß, Reifenabrieb oder Abgase von Industrie-, Kraftwerks- oder Heizungsanlagen können den schädlichen Feinstaub verursachen. Für Teilchen mit einem maximalen Durchmesser von 10 Mikrometer (PM10) liegt der Tagesgrenzwert bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, er darf nicht öfter als 35 Mal im Jahr übertreten werden.

Blaue Plakette

Die Fahrerlaubnis gilt nur für Diesel mit Euro 6 und Benziner mit mindestens Euro 3. Laut einem Wirkungsgutachten, das das von Land Baden-Würtemberg und die Stadt Stuttgart in Auftrag gegeben haben. Die blaue Plakette schlägt laut Gutachten alle anderen mögichen Maßnahmen wie ein LKW-Durchfahrtsverbot oder ein Tempolimit um Längen. Die Stickoxidwerte ließen sich um 95 Prozent senken, hieß es. Beim Feinstaub sind es 14 Prozent.

Bundesweite Maßnahmen

Es gibt in Deutschland 54 Umweltzonen, in 53 davon dürfen nur Autos mit "Grüner Plakette" hineinfahren. Die Abgas-Normen für Autos in der EU werden strenger - aber nur auf dem Papier, klagen Umweltschützer, denn im Fahrbetrieb ist das Abgas oft sehr viel schmutziger als auf dem Prüfstand. Deswegen gibt es jetzt auch neue Tests für Autos auf der Straße. Außerdem setzen Städte zum Beispiel auf Tempolimits oder Durchfahrtverbote für Lastwagen.

Häufigste Überschreitungen 2016

  • Stuttgart, Messstation Am Neckartor: 63 Überschreitungstage
  • Halle (Sachsen-Anhalt), Paracelsusstraße: 26 Tage
  • Gelsenkirchen, Kurt-Schumacher-Straße: 26 Tage
  • Esslingen (Baden-Württemberg), Grabbrunnenstraße: 26 Tage
  • Leipzig, Lützner Straße: 21 Tage
  • Tübingen (Baden-Württemberg), Mühlstraße: 21 Tage
  • Reutlingen (Baden-Württemberg), Lederstraße Ost: 20 Tage
  • Stuttgart, Arnulf-Klett-Platz: 20 Tage
  • Markgröningen (Baden-Württemberg), Grabenstraße: 19 Tage
  • Berlin-Neukölln, Karl-Marx-Straße: 18 Tage
 

28.02.2017, Quelle: dpa
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