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merkzettel

Karadžić-Urteil vor UN-Tribunal Karadžić zu 40 Jahren Haft verurteilt

VideoUrteil gegen Karadzic
Der ehemalige Serbenführer Karadzic.

Der Ex-Serbenführer wurde zu 40 Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen Völkermordes während des Bosnienkrieges. Alleine bei dem Massaker von Srebrenica starben 8000 Jungen und Männer.

(24.03.2016)

Völkermord, Deportationen, Terror - wegen Verbrechen während des Bosnien-Kriegs ist der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadžić zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die bosnischen Serben sind von seiner Unschld überzeugt. Die bosnischen Muslime empfinden die Strafe als zu mild (siehe Video). 

Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadžić ist des Völkermords in Srebrenica im Osten Bosniens schuldig gesprochen und insgesamt zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil verkündeten die Richter des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag.

Porträt

Karadžić als Hauptschuldiger

Der ehemalige Psychiater ist nach Ansicht des Gerichts einer der Hauptschuldigen des Massakers in der damaligen UN-Schutzzone. Serbische Einheiten hatten im Juli 1995 fast 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet.

Karadzic wurde auch für schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt, darunter Mord, Ausrottung, Deportationen, Terror, Vertreibung und Geiselnahme. Opfer waren bosnische Muslime und Kroaten.

13 Jahre auf der Flucht

Er wurde allerdings vom Anklagepunkt des Völkermordes in sieben bosnischen Kommunen freigesprochen. Die dort von serbischen Einheiten begangenen Verbrechen waren nach Ansicht der Richter kein Völkermord.

Karadžić wurde erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht festgenommen. Die acht Jahre im Gefängnis werden von seiner Strafe abgezogen. Das Massaker von Srebrenica gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt wurden 100.000 Menschen im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 getötet.

Srebrenica

Das Massaker

Ermittler legen ein Massengrab frei

Im bosnischen Srebrenica ermorden bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 rund 8.000 Männer und Jungen. Blauhelm-Soldaten aus den Niederlanden überlassenhaben den Angreifern unter General Ratko Mladić die UN-Schutzzone kampflos überlassen. Innerhalb von acht Tagen werden bosnische Muslime, die in die Enklave geflohen sind, ermordet. Es ist das schlimmste als Völkermord eingestufte Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Das Europaparlament erklärt 2009 den 11. Juli zum Gedenktag für die Opfer - auch um die Staaten daran zu erinnern, dass sie das Massaker nicht verhindert hatten.

Wer wurde verurteilt und wer nicht?

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag hat bislang Anklage gegen 20 Männer für die Verbrechen in Srebrenica erhoben.

  • Bisher wurden 14 Angeklagte für schuldig befunden. Es gab einen Freispruch. Ein Angeklagter starb während des Prozesses, vier Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Mehr als 1.000 Zeugen sagten in den Verfahren aus. Darunter waren elf Männer, die die Massaker überlebt hatten.
  • Drei Männer wurden bislang zu lebenslanger Haft verurteilt. Darunter ist Vujadin Popović, Ex-Sicherheitschef des berüchtigten Drina-Korps der bosnisch-serbischen Armee. Elf ehemalige hohe bosnisch-serbische Offiziere wurden wegen Beihilfe zum Genozid zu Haftstrafen von fünf bis 35 Jahren verurteilt.
  • Die Prozesse gegen die beiden mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für den Völkermord sind noch nicht abgeschlossen. Am 24. März sollte das Urteil gegen den ehemaligen Serbenführer Radovan Karadžić gesprochen werden.
  • Der ehemalige bosnisch-serbische General Ratko Mladić (72) hatte das militärische Oberkommando des Überfalls auf die Enklave am 11. Juli. Mladic war erst 2011 festgenommen worden. Der Prozess gegen Mladic in Den Haag wird in diesem Jahr enden. Das Urteil wird im nächsten Jahr folgen. Auch ihm droht lebenslange Haft.
  • Der frühere rest-jugoslawische und serbische Präsident Slobodan Milošević starb vor Abschluss des Prozesses 2006 in seiner Zelle in Den Haag.
  • Im Prozess gegen den ehemaligen serbischen General Radislav Krstić qualifizierten die UN-Richter erstmals die Massenmorde von Srebrenica als Völkermord. Der Kommandant des Drina-Korps wurde 2004 wegen Beihilfe zum Genozid zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt.
  • Nur wenige Angeklagte gaben ihre Schuld zu. Dazu gehörte Dražen Erdemović, der an Erschießungen beteiligt war und später gegen andere Offiziere aussagte. Er wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
  • Momčilo Perišić, Ex-Offizier in der jugoslawischen Armee, ist bislang als einziger freigesprochen worden. In erster Instanz lautete das Urteil noch 27 Jahre Haft. Die Berufungskammer sprach ihn jedoch aus Mangel an Beweisen frei.

(Quelle: dpa)

Jugoslawiens blutiges Ende

Serben gegen Kroaten

Zerstörte Häuser im Dorf Kraijna in Kroatien

Zu Beginn des Krieges in Kroatien (1991-1995) zählt die serbische Minderheit im Land rund 580.000 Menschen. Um diese zu "befreien", startet die serbische Armee Angriffe auf Kroatien. Im August 1995 löst die kroatische Armee die Serbenrepublik Krajina mit der Militäraktion "Sturm" auf. 220.000 bis 350.000 Serben flüchten oder werden vertrieben, mindestens 2.000 sterben. An vielen Orten kommt es zu flächendeckenden Plünderungen.

Den Führern der serbischen Minderheit wird die Ermordung von mehreren Hundert Kroaten und die Vertreibung, Verhaftung und Misshandlung Zehntausender angelastet. Dazu gehört das Massaker serbischer Verbände im kroatischen Vukovar im November 1991 mit 264 Toten.

Serben gegen Bosnier

Im Krieg um Bosnien-Herzegowina (1992-1995) verlieren 1,8 Millionen Menschen ihre Heimat. Nach Berichten über Gräueltaten in serbischen Gefangenenlagern und Massenvergewaltigungen muslimischer Frauen beschließt die UNO die Untersuchung von Kriegsverbrechen.

Die seit Juni 1992 von serbischen Truppen eingekesselte Hauptstadt Sarajevo wird jahrelang durch eine internationale Luftbrücke versorgt. Insgesamt werden etwa 11.500 Menschen im Granatenbeschuss oder durch Heckenschützen getötet. Im Februar 1994 sterben 68 Menschen, als eine Granate auf dem Wochenmarkt einschlägt.

Auch in anderen Städten gibt es Massaker. Am 11. Juli 1995 erobern bosnisch-serbische Truppen unter General Ratko Mladić Srebrenica. In der UN-Schutzzone werden daraufhin bei dem schlimmsten Völkermord in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg 8.000 Muslime erschossen.

Serben gegen Kosovaren

Im Februar 1998 endet die Offensive gegen die albanische Miliz im Kosovo mit Vertreibungen. Es folgen Berichte über Massaker, Vergewaltigungen und andere schwere Menschenrechtsverletzungen durch serbische Polizeitruppen. Die NATO beginnt im März ohne UN-Mandat mit Luftangriffen, um die Vertreibung Hunderttausender ethnischer Albaner zu stoppen. Im Juni ziehen sich die Serben zurück. Die NATO-geführte Friedenstruppe KFOR beginnt ihren Einsatz, kann aber weitere ethnische Gewaltausbrüche nicht verhindern.

(Quelle: dpa)

24.03.2016, Quelle: dpa
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