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merkzettel

Ökonomen uneins Warum die Debatte über Ungleichheit Konjunktur hat

BildArm und Reich
Eine Frau mit Sonnenbrille läuft an einem Bettler in der Brienner Straße in der Münchner Innenstadt vorbei

Ökonomen diskutieren zurzeit viel über Ungleichheit: Bremst sie das Wachstum oder befördert sie es?

(Quelle: dpa)

VideoArm und reich: Kluft wächst

Der Armutsbericht 2016 zeigt: Das Armutsrisiko in Deutschland bleibt weiterhin hoch. Gefährdet sind vor allem Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner.

(23.02.2016)

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Symbolbild Reichtum

Sie sind reich und scheu. Deutschlands Superreiche wie die Oetkers oder die Aldi-Brüder prägen und prägten das Land aus dem Verborgenen.

(12.07.2015)

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Deutscher bei der Arbeit

Viele arbeiten Vollzeit, können aber trotzdem kaum ihren Unterhalt bestreiten. Jeder Fünfte in Deutschland ist von Armut bedroht. Asylbewerber bedeuten für sie weitere Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt.

(22.12.2015)

von Michael Braun

Vielleicht sind die sozialen Probleme der Zukunft andere: Demenz im Alter. Die Einsamkeit der Hundertjährigen. Ökonomen ahnen so was. Aber derzeit reden sie über Ungleichheit, bei Vermögen, Einkommen und Chancen. Das ist kein Zufall. 

Ungleichheit ist derzeit das Thema unter Ökonomen. Angestoßen haben die Debatte Studien der OECD und des Internationalen Währungsfonds. Sie enthielten eine wichtige Botschaft: Ungleichheit schwäche das Wachstum einer Volkswirtschaft. Stimmt so nicht, wehrte sich heute Michael Hüther, Direktor des gewöhnlich als arbeitgebernah klassifizierten Instituts der deutschen Wirtschaft. Es sei vielmehr "im wissenschaftlichen Diskurs nahezu unumstritten, dass ein gewisses Maß an Ungleichheit Anreize für wirtschaftlichen Fortschritt schafft."

Das darf man als Klatsche gegen Marcel Fratzscher werten: Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) als Berater entdeckt worden und hat gerade ein Buch geschrieben mit dem Titel: "Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird". Darin zeige er, so Fratzscher, dass die Ungleichheit in Deutschland ein Maß angenommen habe, "das gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Schaden anrichtet".

Die Ungleichheitsdebatte hat Konjunktur

Auch die Bundesbank beschäftigt das Thema. Im aktuellen Monatsbericht veröffentlichte sie heute eine Studie über Vermögen und Schulden der Haushalte in Deutschland. Das Fazit: "Die Vermögen sind weiterhin - gemessen an anderen Ländern im Euro-Raum - relativ ungleich verteilt." Und die staatliche Entwicklungsbank KfW ließ kürzlich wissen: "Die Einkommensunterschiede haben seit der Jahrtausendwende in Deutschland deutlich zugenommen."

Warum hat die Debatte Konjunktur? Vordergründig dürfte es mit der politischen Situation zu tun haben. Die Einwanderung von Flüchtlingen wird die Einkommens-, Vermögens- und Chancenungleichheiten weiter spreizen. Das ist zunächst ein mathematisches Faktum: Wandern in ein im Grunde reiches Land arme Menschen ein, wird der Unterschied größer. Das durchschnittliche Vermögen sinkt, auch wenn sich am Reichtum derer, die schon immer da waren, nichts ändert.

Studien zur Ungleichheit in Deutschland

IW: Gegen einfache Wahrheiten

Ungleichheit reduziert das Wirtschaftswachstum - diese Einschätzung von OECD und IWF ist dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zu einfach.

Es nimmt den "Effizienz-Befürwortern ihr Hauptargument gegenüber den Gleichheits-Liebhabern", sagt IW-Direktor Michael Hüther. Seine Haltung: Ungleichheit sorgt für Leistungsanreize und schafft Wachstum, während Umverteilung durch Steuern und Transfers diese Anreize mindert und dadurch wachstumsfeindlich wirkt.

Aber Hüther gesteht zu: Es kommt auf das Maß an Ungleichheit an. Seine Forscher haben herausgefunden: Erst bei einem Gini-Koeffizient für die Nettoeinkommen von mehr als 0,35, seien die Wachstumskräfte bedroht - bei Null herrscht vollständige Gleichverteilung, bei 1 vollständige Ungleichverteilung (siehe Kasten).  In Deutschland liegt der Wert bei 0,29 - also keine Gefahr für das Wachstum. In der OECD mit 0,32 auch nicht. "In den USA mit einem Gini-Koeffizienten von knapp 0,40 ist die Sorge um den Einfluss der Ungleichheit auf das Wachstum dagegen durchaus berechtigt“, so Hüther.

Bundesbank: Kursgewinne gehen an Haushalten vorbei

Die Bundesbank hat "Vermögen und Finanzen privater Haushalte" untersucht, zum zweiten Mal seit 2010. In dieser Zeit hätten vor allem Eigentümer von Immobilien und Wertpapieren Zugewinne erzielt, berichtet die Bundesbank im Monatsbericht für März.

Die niedrigen Zinsen und die steigenden Aktienkurse seit 2010 haben demnach das Anlageverhalten der privaten Haushalte nicht verändert. Das dürfte heißen: Der Kursaufschwung am Aktienmarkt ging an ihnen vorbei.

Die Zusammensetzung des Vermögens blieb nach den Recherchen der Bundesbank recht stabil. Nennenswertes Betriebsvermögen haben nur die reichsten zehn Prozent der privaten Haushalte. Immobilien- und Finanzvermögen kennen die unteren 40 Prozent der Haushalte praktisch nicht.

Das durchschnittliche Nettovermögen (also abzüglich der Schulden) ermittelte die Bundesbank (für 2014) bei 214.500 Euro je Haushalt. Bei fast drei Viertel aller Haushalte lag es aber unter diesem Durchschnitt. "Die Vermögen sind weiterhin – gemessen an anderen Ländern im Euro-Raum - relativ ungleich verteilt", heißt es im Monatsbericht.

DIW: Warum Deutschland immer ungleicher wird

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hält Deutschland für "eines der ungleichsten Länder in der industrialisierten Welt."

In Deutschland haben die Haushalte ein Vermögen von je rund 50.000 Euro. Das ist knapp halb so viel wie im übrigen Europa. Die Vermögen seien ungleich verteilt. Die ärmsten 40 Prozent der deutschen Haushalte verfügten "praktisch über keinerlei Nettovermögen". Den reichsten zehn Prozent der Deutschen gehörten dagegen 63,3 Prozent des gesamten Nettovermögens im Land. In Frankreich sind es 49,5, in Italien 44,3 Prozent.

Hohe Ungleichheit gebe es auch bei den Einkommen: Die durchschnittlichen nominalen Arbeitnehmerentgelte seien seit dem Jahr 2000 nur um gut sechs Prozent gestiegen, das Unternehmens- und Vermögenseinkommen aber um nahezu 30 Prozent.

Fratzscher analysiert vor allem geringe Aufstiegschancen in Deutschland. "Arm bleibt arm, reich bleibt reich", sagt er. Oder, etwas weniger plakativ: "Menschen ohne Vermögen schaffen es nur selten, Vermögen aufzubauen und in der Verteilung deutlich nach oben zu klettern."

SPD sorgt sich um "sozialen Zusammenhalt"

Doch es wachsen Sorgen, ob es so bleibt. Die Parteien kümmern sich darum. Derzeit etwa die SPD, um deren Machtposition im Parteiengefüge es auch schon mal besser stand und die sich um den "sozialen Zusammenhalt" in Deutschland sorgt. Also fordert sie staatliche Leistungen nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für andere Unterversorgte, etwa für die, die lange Rentenbeiträge gezahlt haben und dennoch keine auskömmliche Altersfinanzierung erwarten dürfen.

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Es fügt sich, dass der Koalitionspartner der SPD im Bund, die Union, anderer Meinung ist. Höhere Rente als Ausgleich für Flüchtlingshilfe hatte der CDU-Politiker Jens Spahn als "gaga" bezeichnet. Und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte den Kabinettskollegen Gabriel angepoltert: "Wenn wir Flüchtlingen - Menschen die wirklich in bitterer Not sind - nur noch helfen dürfen, wenn wir anderen, die nicht in so bitterer Not sind, das gleiche geben oder mehr, dann ist das erbarmungswürdig."

Das alles schärft die Unterschiede und dürfte mit Blick auf die nächsten Wahlen ein Grund sein, warum Ungleichheit in der öffentlichen Debatte zurzeit Konjunktur hat, gern gut begründet von Ökonomen.

Parallelen zu den 1960ern

Ein weiterer Grund für das Interesse an der Ungleichverteilung aber geht tiefer: Hartmut Kliemt, emeritierter Professor für Philosophie und Ökonomik an der Frankfurt School of Finance & Management, erinnert sich an die Mitte der 1960er Jahre. Damals gewann die politische Linke an Kontur und Einfluss, auch damals nach langem Wachstum aus relativem Wohlstand heraus: "Angesicht erster Krisen-Signale begann man, sich um Verteilung zu sorgen", sagt Kliemt: "Ähnlich jetzt."

Dass diese Sorge trotz wachsender Beschäftigung und steigender Reallöhne wächst, wundert ihn nicht. Denn wenn die Grundbedürfnisse der Menschen gesichert scheinen, "dann wird es wichtiger, sich um die relative Position Gedanken zu machen." Der Mensch habe ein Bedürfnis nach beidem, zunächst nach Grundversorgung. Aber ist er gesättigt, wolle er sich vergleichen, wolle er Antwort auf die Frage: "Wer bekommt was und haben die anderen mehr?" So gesehen wäre die Debatte über Ungleichheit ein Luxusproblem.

Umverteilung zu den Bessergestellten?

Gleichwohl wird über die weiteren Wege der Politik diskutiert. Der liberale Weg wäre eine Wirtschaftspolitik, die die Früchte des Wachstums allen zukommen lässt. Dabei aber womöglich Ungleichheiten beibehält, auch weil sie ein Leistungsanreiz sein können. Der andere wäre, die Ungleichheiten zu beseitigen.

Darum geht jetzt die Debatte der Ökonomen. Marcel Fratzscher vom DIW Berlin überrascht dabei mit der These: "Mehr Umverteilung ist keine Lösung." Sie müsse effizienter werden. Denn: "Viel zu viel wird heute von Bessergestellten zu den gleichen Bessergestellten umverteilt." Hört sich an wie ein staatlich organisiertes "Wer hat, dem wird gegeben."

Methoden und Tücken der Statistik

Der Gini-Koeffizient

Corrado Gini war ein italienischer Statistiker und - was kaum mehr erwähnt wird - Faschismustheoretiker. Er hat in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts den immer noch gern gebrauchten "Gini-Koeffizienten" entwickelt. Er stellt das "meistbenutzte Ungleichheitsmaß dar", schreibt das ifo Institut. Mit ihm kann man die Verteilung von Einkommen, Land oder Konsum messen.

Gehört einem in einer gegeben Gesellschaft alles, besteht völlige Ungleichheit. Besitzen alle gleich viel, herrscht völlige Gleichheit. Der Gini-Koeffizient kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Bei 0 herrscht vollständige Gleichverteilung, bei 1 vollständige Ungleichverteilung. Je höher also der Wert, desto stärker ausgeprägt ist die gemessene Ungleichheit.

Für jede Aussage den passenden Koeffizienten

Jeder findet für seine Sicht der Dinge den passenden Gini-Koeffizienten. In der Vermögensverteilung weist Deutschland einen recht hohen Wert von 0,76 auf. Die USA toppen das noch mit 0,87. In den Niederlanden sind es 0,65, in Griechenland 0,56. Der Durchschnitt in Euroland liegt bei 0,68. Bei der Vermögensverteilung ist die Ungleichheit in Deutschland also hoch.

Anders in der Einkommensverteilung. Da liegt der Gini-Koeffizient im europäischen (OECD) Durchschnitt bei 0,32. In den USA sind es knapp 0,40. In Deutschland aber nur 0,29. Bei der Einkommensverteilung ist die Ungleichheit in Deutschland also niedrig.

Annahmen und ihre Folgen

Statistiker können nicht alles messen. Gerade die Superreichen lassen sich nicht in die Vermögenslisten schauen. Umfragen, Annahmen und Hochrechnungen müssen dann fehlende Daten ersetzen. So kommt das Statistische Bundesamt zu dem Ergebnis, den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung gehörten knapp 52 Prozent des Gesamtvermögens in Deutschland. Andere Angaben lauten auf 63 oder gar 74 Prozent. Ungleichheit stellen also alle fest, aber in unterschiedlichem Umfang.

Ungenauigkeit, gar Ungerechtigkeit entsteht auch durch Definition, etwa bei der Rentenbewertung. Wer eine Rente von monatlich 1.000 Euro aus der deutschen staatlichen Rentenversicherung bezieht, hat statistisch kein Vermögen. Begründung: Die Rente wird nach dem Umlageverfahren finanziert, also aus den laufenden Beiträgen der Beschäftigten. Die kapitalgedeckte Rente eines Freiberuflers in gleicher Höhe erfordert ein Vermögen von etwa 250.000 Euro. Das zählt in der Statistik.

21.03.2016
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