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Welterfolg "Wer die Nachtigall stört" US-Autorin Harper Lee gestorben

BildUS-Autorin Harper Lee
Archiv - Autorin Harper Lee, aufgenommen am 20.08.2007

(Quelle: ap)

VideoNeuer Roman von Harper Lee
Die Autorin Harper Lee

Atticus Finch, der Held und für Gleichberechtigung kämpfende Anwalt aus "Wer die Nachtigall stört" wird Rassist. Die Bestseller-Autorin Harper Lee will schockieren und das gelingt ihr.

(17.07.2015)

VideoNeues von der Nachtigall ...
Screenshot

Harper Lees "Gehe hin, stelle einen Wächter": Mit "Wer die Nachtigall stört" landete sie 1960 einen Welterfolg. Nach mehr als 50 Jahren hat Pulitzer-Preisträgerin Harper Lee nun ihren zweiten ...

(17.07.2015)

Mit "Wer die Nachtigall stört" gelang Harper Lee ein mit dem Pulitzerpreis gekröntes Stück Weltliteratur. Danach zog sich die Autorin zurück. Im hohen Alter sorgte noch ein umstrittenes zweites Buch für Wirbel. Jetzt ist Lee im Alter von 89 Jahren gestorben. 

Während ihr Buch um die Welt ging, zog sich Harper Lee immer weiter zurück. Mitten in der Millionenmetropole New York hatte die Autorin ihren Weltbestseller "Wer die Nachtigall stört" geschrieben, aber als der immer erfolgreicher und schließlich mit dem Pulitzerpreis gekrönt und verfilmt wurde, war Lee schon wieder in ihrem Geburtsstädtchen Monroeville im US-Bundesstaat Alabama. Kirchen- und Gemeindearbeit habe sie dort geleistet, wollten US-Medien herausgefunden haben. Interviews und ein zweites Buch verweigerte die als extrem scheu und verschlossen geltende Schriftstellerin jahrzehntelang.

Neues Buch nach mehr als einem halben Jahrhundert

So war es eine literarische Sensation, als 2015 doch noch ein neues Buch von Lee herauskam. Bei "Gehe hin, stelle einen Wächter" handelte es sich allerdings um ein wiederentdecktes Manuskript. Im Alter von 89 Jahren ist Harper Lee nun gestorben, wie die Stadtverwaltung von Monroeville am Freitag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Rund 40 Millionen Mal hat sich ihr 1960 veröffentlichter Roman "Wer die Nachtigall stört" bislang verkauft. Bis heute ist das Buch über den weisen Rechtsanwalt Atticus, der einen zu Unrecht der Vergewaltigung beschuldigten Afro-Amerikaner verteidigt und dabei sowohl seinen Kindern Jem und Scout als auch einem ganzen Land eine Lektion in Toleranz, Nächstenliebe und Menschenrechten erteilt, in vielen Schulen Standardlektüre und gehört zu den meistgelesenen Büchern aller Zeiten. Mit Hollywoodstar Gregory Peck in der Hauptrolle wurde das Werk auch verfilmt und gewann drei Oscars.

Auch der "Wächter" eine Sensation

Warum sie danach jahrzehntelang zunächst kein neues Buch veröffentlichte, das hat die am 28. April 1926 in Monroeville als jüngste von vier Kindern eines Anwaltes und seiner gemütskranken Frau geborene Lee nie öffentlich erklärt. Sie habe es noch ein paarmal versucht, aber immer wieder aufgegeben, berichteten US-Medien.

Für um so mehr Wirbel sorgte deshalb Anfang 2015 die Ankündigung, dass es ein neues Buch von Lee geben werde. Bei "Gehe hin, stelle einen Wächter" handelte es sich allerdings nicht um ein neu geschriebenes Werk. Es war der erste Entwurf für "Wer die Nachtigall stört". Trotzdem war das Buch eine Sensation, verkaufte sich millionenfach - und schockte viele Fans, denn der weise Rechtsanwalt Atticus war auf einmal ein Rassist.

Harper Lee manipuliert?

Lee, die in ihrer Kindheit eng mit dem Autor Truman Capote befreundet war, war bei der Veröffentlichung schon fast 90 Jahre alt und lebte gesundheitlich stark angeschlagen in einem Altersheim in Monroeville. Unklar blieb die Frage, was sie selbst eigentlich von der späten Veröffentlichung hielt. Zuvor hatte die Autorin die Aussicht auf eine Fortsetzung von "Wer die Nachtigall stört" stets energisch zurückgewiesen, und gegen eine Biografie war sie 2011 mit Anwälten vorgegangen.

Zahlreiche Freunde und Bekannte der Autorin bezweifelten öffentlich, dass sie mit der Veröffentlichung einverstanden sei. Ihr Gesundheitszustand lasse so eine Entscheidung gar nicht mehr zu. Sogar der Bundesstaat Alabama schaltete sich ein und untersuchte nach einem anonymen Hinweis, ob Lee ausgenutzt und manipuliert wurde. Ein Vergehen konnte aber nicht festgestellt werden. Der Verlag stellte die Situation völlig anders dar. "Überrascht und erfreut" sei Lee nach der Wiederentdeckung gewesen und habe schlicht gesagt: "Wenn Ihr meint, dass es den Leuten gefallen würde, dann lasst es veröffentlichen."

19.02.2016, Quelle: Christina Horsten und Gisela Ostwald, dpa
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