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merkzettel

Demokraten bei US-Vorwahl in Iowa Clintons Albtraum könnte sich wiederholen

VideoTrump verliert in Iowa
Bei den Vorwahlen in Iowa hat Milliardär Donald Trump hinter dem erzkonservativen Texaner Ted Cruz abgeschnitten.

Bei den Vorwahlen in Iowa hat Milliardär Donald Trump hinter dem erzkonservativen Texaner Ted Cruz abgeschnitten. Im demokratischen Lager ist der Vorsprung von Hillary Clinton nur noch hauchdünn.

(02.02.2016)

Video"Sehr enges Rennen"
ZDF-Korrespondent Ulf Röller über die Vorwahlen in Iowa.

"Clinton galt lange als unschlagbar, jetzt ist sie plötzlich in ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem 74-jährigen Sozialisten Bernie Sanders verwickelt", sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller in Iowa. 

 

(02.02.2016)

Video"Sanders ähnlich wie Trump"
Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Ähnlich wie der Erfolg von Donald Trump sei auch derjenige des Sozialisten Bernie Sanders Ausdruck des Protests in den USA, sagt Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

(02.02.2016)

VideoUS-Wahlkampf in Iowa
Gäste eines Restaurants beobachten die republikanische Präsidentschafts-Debatte im Fernsehen in Des Moines, Iowa am 28.01.2016

Traditionell beginnen die Vorwahlen im US-Wahlkampf im ländlichen Iowa. Bei den Demokraten liefern sich Hillary Clinton und Bernie Sanders ein enges Rennen. Bei den Republikanern führt Donald Trump.

(01.02.2016)

Kurzmeldung

  • Clinton liegt bei Iowa-Vorwahl der Demokraten knapp vorn 09:36 Uhr 02.02.2016
    Hillary Clinton hat die Vorwahl im Bundesstaat Iowa bei den Demokraten so gut wie gewonnen. Nach 99 Prozent der Stimmen lag die Ex-US-Außenministerin der dortigen Parteizentrale zufolge bei 49,9 Prozent. Ihr Kontrahent Bernie Sanders, Senator in Vermont, kam auf 49,6 Prozent. Martin O'Malley, der umgehend seinen Ausstieg aus dem Kandidatenrennen verkündete, kam auf nur 0,6 Prozent. Kommentatoren werteten den Wahlausgang als ungünstig für Clinton. Sanders, der in Iowa vor allem junge Leute mobilisieren konnte, kam ihr gefährlich nahe.

von Ines Trams, Washington

Vor wenigen Monaten galt der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders vielen noch als unwählbar. Nach der Vorwahl in Iowa ist er für Hillary Clinton zum echten Konkurrenten im Kampf um das Weiße Haus geworden. Ihr Albtraum von 2008 könnte sich wiederholen. 

Über Stunden liefern sich die demokratischen Top-Kandidaten Hillary Clinton und Bernie Sanders ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide treten erst gegen Mitternacht (Ortszeit) auf die Podien, ohne sich selbst explizit als Sieger auszurufen. Sozialist Sanders, der von vielen im vergangenen Sommer noch als Witz belächelt wurde, als unwählbar galt, ist ein ernsthafter Konkurrent für Hillary geworden.

Wiederholt sich für Clinton der Albtraum von 2008?

 Ines Trams

Ines Trams
Quelle: ZDF

Für Hillary, die gesetzte Kandidatin, wiederholt sich mit dieser Iowa-Wahl fast der Albtraum von 2008. Damals verlor sie in Iowa gegen einen Kandidaten, den sie nicht auf dem Zettel hatte – Barack Obama. Nun hat sie erneut zu kämpfen. Ihre Fans aber trösten sich: Hillary ist am besten, wenn sie an der Wand steht. Doch ihr Auftritt kurz vor Mitternacht lässt nichts Gutes ahnen – verkrampft und mit böser Mimik spricht, nein, schreit sie ihren Anhängern zu. Es fehlt jede freundliche Emotion, jede Nähe.

Bemerkenswert weit ist Außenseiter Sanders mit seiner Graswurzel-Bewegung gekommen, mit Kleinstspenden, die sich inzwischen zu Millionen anhäufen. Fraglich allerdings, ob Sanders diesen Erfolg aufrechterhalten kann. Wie wird er in South Carolina abschneiden, dort, wo viele Afro-Amerikaner wählen – die traditionell Hillary unterstützen? Was, wenn viele, die in Hillary die einzig wählbare Kandidatin sehen, ihr am Montagabend nur einen Denkzettel verpassen wollten?

Manche Demokraten werfen eine Münze

Das zähe Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders im ersten Vorwahlstaat Iowa zwingt die Demokraten mancherorts zu ungewöhnlichen Methoden: In einigen Bezirken wurde per Münzwurf ermittelt, welchem der Kandidaten ein zusätzlicher Bezirksdelegierter zugeteilt werden sollte. Dabei unterlag in allen bekannten Fällen Sanders, der gegen den Einfluss des Geldes auf die Politik zu Felde zieht, wie die Zeitung "Des Moines Register" berichtete.


Das Prozedere ist selten, aber altbewährt. Die Parteiverantwortlichen greifen darauf zurück, wenn die Kandidaten bei der Wahlversammlung in der Gunst der Anhänger gleichauf liegen, die Zahl der zu vergebenden Delegierten aber ungerade ist. Der Sprecher der Demokraten in Iowa, Sam Lauf, betonte allerdings, dass mit dem Vorgehen die Bezirksdelegierten bestimmt werden, die nur einen Bruchteil der Staatsdelegierten ausmachen, die einem Kandidaten zufallen. (ap)

Erstmal wird sich dieses Kopf an Kopf- Rennen der Etablierten gegen den Außenseiter jedoch fortsetzen. Sanders, der bislang nicht auf 'negative campaigning‘ zurückgreifen wollte, muss seine Prinzipien schon bald über Bord werfen und Hillary härter angehen - wenn er denn wirklich Kandidat der Demokraten werden will.

Wähler ziehen erzkonservativen Cruz Trump vor

Und bei den Republikanern? Da kann sich das schadenfrohe Publikum ergötzen an einem Donald Trump, der sich am Abend als Zweiter geschlagen geben muss. 'The Donald‘ - der bislang für den Zweiten Platz nur ein müdes Lächeln übrig hatte.

Doch 63 Prozent der Republikaner-Wähler in Iowa bezeichnen sich selber als "Evengelikale“. Auch belegen Umfragen den Wunsch der Wähler, ihr Kandidat möge ihre Werte vertreten. Und diese Werte haben viele Menschen in Iowa nicht in Trump wiedergefunden, aber im erzkonservativen, religiösen Ted Cruz. Er entscheidet entsprechend auf der Seite der Republikaner diesen ersten Vorentscheid für sich.

Schwung aus Iowa nicht zu unterschätzen

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Klar ist: Cruz hat auf die religiösen Wähler in Iowa gesetzt - und gewonnen. Das wird im Verlauf der Vorwahlen in anderen Staaten nicht so bleiben. Doch der Schwung, den der Iowa-Sieg ihm mit auf den Weg gibt, ist nicht zu unterschätzen. Cruz wird nun mehr Spendengelder auf sich vereinen, auch mehr Minuten der Medienberichterstattung.

Überraschend gut schneidet Marco Rubio ab, der – angesichts des restlichen Bewerberfeldes – als moderat geltende Kandidat, mit dem auch die Parteiführung der Republikaner am ehesten leben könnte. Seine Rede, nachdem er als Dritter - fast gleichauf mit Trump - abgeschnitten hat, klingt bereits so selbstbewusst wie die eines Gewinners. Dies sei nicht nur eine Wahl, ruft er seinen Anhängern zu, sondern ein "Referendum über die amerikanische Identität“. Richtig ist, dass auch er im Zuge des bisherigen Wahlkampfs zusehends Thesen von Trump übernommen hat, beispielsweise den Ruf nach verschärften Einwanderungsgesetzen. 'Trumpism‘ könnte so oder so diese Kandidaten-Auswahl überdauern, auch wenn Trump selber sie nicht übersteht.

Etablierte Parteienpolitik in der Kritik

Cruz und Rubio müssen sich nun für die nächsten Tage auf Tiefschläge vom Mitbewerber Trump einstellen. Trump wollte Iowa gewinnen, hat das so auch immer wieder laut gesagt. Nun geht er als Zweiter ins erste Vorwahl-Ziel, gereizt wird er in der nächsten Woche unterwegs sein, bereit auszuteilen. Niederlagen, Kritik verträgt der Gewinnertyp Trump nicht.

Harte Zeiten auch für die Parteien. Republikaner und Demokraten gleichermaßen müssen nach Iowa sehen: Es gibt in beiden Organisationen eine starke Bewegung gegen das Establishment - die Wähler von Sanders als auch die Wähler von Trump und Cruz lehnen die Parteien wie sie sind energisch ab. Egal, wer Kandidat, egal, wer Präsident wird, beide Lager müssen erkennen: Reform tut Not, wenn sie künftig noch attraktiv sein wollen.

Erste Vorwahl in Iowa

Staat im Mittleren Westen

Anfang Februar hat der Bundesstaat im Mittleren Westen bei den Vorwahlen eine erste Entscheidung getroffen, wer in der Hauptstadt künftig als Präsident den Ton angeben soll. Iowa mit seinen 3,1 Millionen Einwohnern ist geprägt von Maisfeldern, Schweineställen und schier endlos flachem Land. Des Moines ist die Hauptstadt des Bundesstaates, der etwa doppelt so groß wie Bayern ist.

Warum Iowa so wichtig ist

Iowa stellt bei den Demokraten nur 52 der gut 4.700 Delegierten für den Nominierungsparteitag, bei den Republikanern kommen 30 von knapp 2.500 Delegierten aus dem Bundesstaat. Dennoch verbringen die Präsidentschaftsbewerber wegen der medialen Aufmerksamkeit für die erste Vorwahl viel Zeit in dem dünn besiedelten Staat im Herzen Amerikas. Die Zeitung "Des Moines Register" zählte seit Beginn des Wahlkampfes mindestens 1.200 Auftritte von demokratischen und republikanischen Präsidentschaftsanwärtern - zehn Mal so viel wie im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien.

Die Vorreiterrolle geht auf den Wahlkampf 1972 zurück, als die Demokraten ihren Nominierungsparteitag auf den Juli vorverlegten. Daraufhin organisierte die Partei in Iowa ihre Vorwahlen im Januar. Die Republikaner zogen vier Jahre später nach. Später schrieb das Parlament von Iowa gesetzlich fest, dass in dem Bundesstaat die erste Vorwahl für Präsidentschaftskandidaten stattfinden soll.

Kritiker bemängeln, dass Iowa seinen großen Einfluss auf die Kandidaten-Auslese nicht verdiene, weil es mit seinen 3,1 Millionen Einwohnern knapp ein Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht und die ganz überwiegend weiße Wählerschaft nicht die Vielfalt des Landes widerspiegelt. Auch die starke Prägung der Wirtschaft durch den Agrarsektor ist nicht repräsentativ.

Was passiert beim Caucus in Iowa?

Überall in dem Bundesstaat treffen sich Anhänger beider Parteien in Schulen, Kirchen oder Bibliotheken zu abendlichen Wahlversammlungen, um über die Bewerber und ihre politischen Programme zu diskutieren. Insgesamt halten Republikaner und Demokraten in knapp 1.700 Stimmbezirken einen Caucus ab. In Städten nehmen nicht selten mehrere hundert Menschen an einer Wahlversammlung teil, auf dem Land erscheinen oft nur zwei Dutzend Parteianhänger.

Der Ablauf der Wahlversammlungen unterscheidet sich je nach Partei. Bei den Republikanern hören die Caucus-Teilnehmer zunächst kurze Reden von Vertretern der Bewerber, ehe sie in geheimer Wahl für ihren Favoriten votieren. Die Resultate aus den einzelnen Stimmbezirken werden dann zu einem Gesamtergebnis zusammengerechnet, auf dessen Grundlage die Delegierten aus Iowa für den republikanischen Nominierungsparteitag proportional verteilt werden.

Deutlich unübersichtlicher ist es bei den Demokraten, wo buchstäblich mit den Füßen abgestimmt wird. Die Caucus-Teilnehmer werden gebeten, sich in jene Ecke des Saals zu begeben, die mit dem Namen ihres Lieblingskandidaten gekennzeichnet ist. Wahlgeheimnis gibt es also nicht, es wird Kopf für Kopf durchgezählt.

Gruppieren sich in einer Ecke weniger als 15 Prozent der Anwesenden, sind deren Stimmen nicht gültig. Entweder können sie sich dem Lager eines anderen Bewerbers anschließen oder die Wahlversammlung verlassen. Die Ergebnisse aus den Stimmbezirken fließen am Ende in einen komplizierten Schlüssel ein, mit dem die Demokraten in Iowa die Vergabe ihrer Delegierten - und damit den Gewinner der Vorwahl - bestimmen.

Wer stimmt in Iowa ab?

Zu den Versammlungen sind nur Parteimitglieder zugelassen, allerdings sind Beitritte und Parteiwechsel noch am Wahlabend erlaubt. Wegen des aufwändigen Verfahrens stimmt gewöhnlich lediglich eine Minderheit der rund 612.000 registrierten Republikaner und der rund 584.000 registrierten Demokraten in Iowa ab. Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung beim Caucus der Republikaner beispielsweise bei etwa 20 Prozent.

Vorwahlergebnis 2012

Die Vorwahl 2012 gewann bei den Republikanern Rick Santorum vor Mitt Romney. Das ergab damals die endgültige Auszählung, direkt nach der Vorwahl war noch Romney als Sieger genannt worden. Bei den Demokraten galt die Nominierung von Amtsinhaber Barack Obama bereits als sicher, in vielen Staaten trat er ohne Herausforderer an.

Als Faustregel gilt: Wer in Iowa gewinnt, hat die Kandidatur noch längst nicht in der Tasche. Wer aber schlecht abschneidet, dem droht die finanzielle Unterstützung wegzubröckeln.

Wie geht es weiter?

Infografik: Suche nach einem Obama-Nachfolger

Nach dem Caucus in Iowa finden nahezu wöchentlich Vorwahlen statt - besonders viele am "Super Tuesday" am 1. März.

Mit Material von afp, dpa

02.02.2016
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