23.07.2016
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merkzettel

Vorwahlen in Iowa Der Schweinestaat, der Präsidenten sucht

VideoUS-Wahlkampf in Iowa
Gäste eines Restaurants beobachten die republikanische Präsidentschafts-Debatte im Fernsehen in Des Moines, Iowa am 28.01.2016

Traditionell beginnen die Vorwahlen im US-Wahlkampf im ländlichen Iowa. Bei den Demokraten liefern sich Hillary Clinton und Bernie Sanders ein enges Rennen. Bei den Republikanern führt Donald Trump.

(01.02.2016)

VideoIowa: "Sehr eng, in beiden Lagern"
ZDF-Korrespondent Daniel Pontzen

"In Iowa leben nicht einmal 1% der US-Bevölkerung, aber psychologisch hat die Vorwahl dort eine große Bedeutung", sagt ZDF-Korrespondent Daniel Pontzen. Clinton und Trump hätten derzeit die Nase vorn.

(01.02.2016)

VideoUS-Vorwahl: Spannung in Iowa
Bernie Sanders auf der Bühne

Als erster US-Bundesstaat stimmt Iowa über die Präsidentschaftsbewerber von Demokraten und Republikanern ab. Dabei zeichnet sich zwischen den Kandidaten ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen ab.

(31.01.2016)

VideoWenn Trump gewinnen würde ...
Donald Trump

Er poltert oft laut, ist schrill und mit seinem Programm für viele das Horror-Szenario für die Nachfolge im Oval Office. Wir zeigen die Welt nach der US-Präsidenten-Wahl - mit dem Sieger Donald Trump.

(18.01.2016)

von Ulf Röller, Iowa

Was bei uns die fünfte Jahreszeit ist, sind in Amerika die Vorwahlen. Eine Zeit, in der sich jeder mal so richtig gehen lassen kann. Die Büttenredner kommen aus dem ganzen Land, versprechen, Amerika wieder groß und stark zu machen. Aufgeführt wird: Iowa - wie es schreit und kracht. 


Legionen von Journalisten quälen sich durch die Weiten Iowas, fahren die endlosen Korn- und Getreidefelder ab, befragen den "Durchschnitts-Iowaner", versuchen, die Stimmungslage der Nation zu erspüren.
Ulf Röller

Ulf Röller ist Leiter des ZDF-Studios in Washington.

Iowa ist nicht wirklich ein bedeutender US-Bundesstaat, kein Ort, wo es die Amerikaner hinzieht, wo das Leben pulsiert und Hollywood-Stars das Straßenbild bereichern wie in Los Angeles oder New York. Dafür gibt es hier frittierte Butter, eine lokale Spezialität mit 800 Kalorien.

Alle vier Jahre politisches Zentrum

In Iowa gibt es mehr Schweine als Menschen, viel mehr Weiße als Schwarze, mehr Klimawandelleugner, mehr Gottesfürchtige als im Rest des Landes. Iowa denkt anders als Amerika, konservativer. Aber alle vier Jahre mutiert dieser Bundesstaat in den Weiten des Mittleren Westens zum Zentrum der US-Politik. Die ersten Vorwahlen finden hier am 1. Februar statt. Seit Wochen reisen alle Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und Republikaner an.

Erste Vorwahl in Iowa

Staat im Mittleren Westen

Anfang Februar hat der Bundesstaat im Mittleren Westen bei den Vorwahlen eine erste Entscheidung getroffen, wer in der Hauptstadt künftig als Präsident den Ton angeben soll. Iowa mit seinen 3,1 Millionen Einwohnern ist geprägt von Maisfeldern, Schweineställen und schier endlos flachem Land. Des Moines ist die Hauptstadt des Bundesstaates, der etwa doppelt so groß wie Bayern ist.

Warum Iowa so wichtig ist

Iowa stellt bei den Demokraten nur 52 der gut 4.700 Delegierten für den Nominierungsparteitag, bei den Republikanern kommen 30 von knapp 2.500 Delegierten aus dem Bundesstaat. Dennoch verbringen die Präsidentschaftsbewerber wegen der medialen Aufmerksamkeit für die erste Vorwahl viel Zeit in dem dünn besiedelten Staat im Herzen Amerikas. Die Zeitung "Des Moines Register" zählte seit Beginn des Wahlkampfes mindestens 1.200 Auftritte von demokratischen und republikanischen Präsidentschaftsanwärtern - zehn Mal so viel wie im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien.

Die Vorreiterrolle geht auf den Wahlkampf 1972 zurück, als die Demokraten ihren Nominierungsparteitag auf den Juli vorverlegten. Daraufhin organisierte die Partei in Iowa ihre Vorwahlen im Januar. Die Republikaner zogen vier Jahre später nach. Später schrieb das Parlament von Iowa gesetzlich fest, dass in dem Bundesstaat die erste Vorwahl für Präsidentschaftskandidaten stattfinden soll.

Kritiker bemängeln, dass Iowa seinen großen Einfluss auf die Kandidaten-Auslese nicht verdiene, weil es mit seinen 3,1 Millionen Einwohnern knapp ein Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht und die ganz überwiegend weiße Wählerschaft nicht die Vielfalt des Landes widerspiegelt. Auch die starke Prägung der Wirtschaft durch den Agrarsektor ist nicht repräsentativ.

Was passiert beim Caucus in Iowa?

Überall in dem Bundesstaat treffen sich Anhänger beider Parteien in Schulen, Kirchen oder Bibliotheken zu abendlichen Wahlversammlungen, um über die Bewerber und ihre politischen Programme zu diskutieren. Insgesamt halten Republikaner und Demokraten in knapp 1.700 Stimmbezirken einen Caucus ab. In Städten nehmen nicht selten mehrere hundert Menschen an einer Wahlversammlung teil, auf dem Land erscheinen oft nur zwei Dutzend Parteianhänger.

Der Ablauf der Wahlversammlungen unterscheidet sich je nach Partei. Bei den Republikanern hören die Caucus-Teilnehmer zunächst kurze Reden von Vertretern der Bewerber, ehe sie in geheimer Wahl für ihren Favoriten votieren. Die Resultate aus den einzelnen Stimmbezirken werden dann zu einem Gesamtergebnis zusammengerechnet, auf dessen Grundlage die Delegierten aus Iowa für den republikanischen Nominierungsparteitag proportional verteilt werden.

Deutlich unübersichtlicher ist es bei den Demokraten, wo buchstäblich mit den Füßen abgestimmt wird. Die Caucus-Teilnehmer werden gebeten, sich in jene Ecke des Saals zu begeben, die mit dem Namen ihres Lieblingskandidaten gekennzeichnet ist. Wahlgeheimnis gibt es also nicht, es wird Kopf für Kopf durchgezählt.

Gruppieren sich in einer Ecke weniger als 15 Prozent der Anwesenden, sind deren Stimmen nicht gültig. Entweder können sie sich dem Lager eines anderen Bewerbers anschließen oder die Wahlversammlung verlassen. Die Ergebnisse aus den Stimmbezirken fließen am Ende in einen komplizierten Schlüssel ein, mit dem die Demokraten in Iowa die Vergabe ihrer Delegierten - und damit den Gewinner der Vorwahl - bestimmen.

Wer stimmt in Iowa ab?

Zu den Versammlungen sind nur Parteimitglieder zugelassen, allerdings sind Beitritte und Parteiwechsel noch am Wahlabend erlaubt. Wegen des aufwändigen Verfahrens stimmt gewöhnlich lediglich eine Minderheit der rund 612.000 registrierten Republikaner und der rund 584.000 registrierten Demokraten in Iowa ab. Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung beim Caucus der Republikaner beispielsweise bei etwa 20 Prozent.

Vorwahlergebnis 2012

Die Vorwahl 2012 gewann bei den Republikanern Rick Santorum vor Mitt Romney. Das ergab damals die endgültige Auszählung, direkt nach der Vorwahl war noch Romney als Sieger genannt worden. Bei den Demokraten galt die Nominierung von Amtsinhaber Barack Obama bereits als sicher, in vielen Staaten trat er ohne Herausforderer an.

Als Faustregel gilt: Wer in Iowa gewinnt, hat die Kandidatur noch längst nicht in der Tasche. Wer aber schlecht abschneidet, dem droht die finanzielle Unterstützung wegzubröckeln.

Wie geht es weiter?

Infografik: Suche nach einem Obama-Nachfolger

Nach dem Caucus in Iowa finden nahezu wöchentlich Vorwahlen statt - besonders viele am "Super Tuesday" am 1. März.

Mit Material von afp, dpa

Es sind so viele Retter unterwegs, dass der zu Rettende, der Bürger, droht, den Überblick zu verlieren. Da sind tragische Figuren wie Jeb Bush, auserkoren von der Familie, einen weiteren Präsidententitel zu erobern. Bruder und Vater waren es bereits. Jeb hat das meiste Geld gesammelt, die Parteielite liebt ihn, er ist ein gemäßigter Konservativer, der seine Politik von weniger Staat und weniger Steuern sogar mit Argumenten begründet. Wenn das normale politische Gesetz der Schwerkraft gelten würde, müsste er vorne liegen. Aber nichts ist normal in Amerikas Vorwahlen, Bush liegt weit abgeschlagen hinten. Denn die Verrückten regieren das Feld.

Frustrierte Mittelschicht

Wollen wir ihn rein lassen: Ja rufen sie. Donald Trump ist ihr Held. Er hat den Wahnsinn zur Methode erklärt. Eine Trumpsche Kostprobe: "Mexikaner sind Vergewaltiger" - Tuff-Täh, Tuff-Täh. "Alle in Washington Vollidioten" - Tuff-Täh, Tuff-Täh. "Ich mache alle reich" - Tuff-Täh. "Einreiseverbot für Muslime" - und so weiter. Argumente sind aus Sicht von Trump etwas für Verlierer.

Die Mittelschicht Amerikas ist in den letzten 20 Jahren ärmer geworden, egal ob ein Demokrat oder Republikaner im Weißen Haus gesessen hat. Viele Menschen sind so frustriert, dass sie verführbar sind. Trump verspricht, Amerika wieder groß zu machen. In der fünften Jahreszeit klingt dies wie ein Konzept. Gewinnt er die Vorwahlen in Iowa, dann muss man Trump ernst nehmen, weil er es ernst meint. Er liegt in den Umfragen vorne.

Clinton kommt nicht an

Gegen die Show der Republikaner hat der Kampf um die Kandidatur der Demokraten etwas von Streichelzoo. Hillary Clinton gegen Bernie Sanders. Normalerweise klingt das nach FC Bayern München gegen St. Pauli - klar, wer da gewinnt. Aber auch bei den Demokraten ist nichts normal. Hillary Clinton muss wirklich um ihren Titel fürchten, obwohl sie wirklich viel mit den Bayern gemeinsam hat. Das meiste Geld, die teuersten Berater - Titelfavorit, bevor die Saison beginnt. Dazu noch eine starke Bank, auf der Bill und Tochter Chelsea sitzen.

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Clinton gilt als kompetent, kann zu jedem Thema klug reden, hat die meiste politische Erfahrung. Sie ist eigentlich die perfekte Kandidatin, aber die Leute mögen sie nicht. Ihren Kampf für die Kleinen in der Gesellschaft nehmen ihr nicht viele ab, da sie von den großen der Wallstreet so viel Geld für ihren Wahlkampf genommen hat. Ihr sicher geglaubter Sieg in Iowa wackelt. Eine Niederlage wäre eine Sensation. 2008 hat sie in Iowa gegen einen jungen Senator schon mal verloren: Barack Obama.

Sanders aufstrebender Außenseiter

Revolutionen suchen sich ihre eigenen Helden. Und die sehen oft so anders aus. Bernie Sanders, der sich einen demokratischen Sozialisten nennt, geht immer ein wenig gebeugt, das graue Rest-Haar im Wind wehend. Man sieht ihm seine 74 Jahre an. Und doch ist er der Held einer College-Jugend, die Angst um ihre Zukunft hat und die die hohen Studiengebühren erdrücken. Sanders will diese Gebühren bei den staatlichen Unis abschaffen, jeder, ob arm oder reich, soll studieren können.

Sanders ist der Gegen-Trump. Er verbreitet keinen Hass, er verwendet Nebensätze und er verspricht eine soziale Revolution. Sein Lebensthema: die wachsenden Einkommensunterschiede stoppen und die Reichen stärker besteuern. Dafür kämpft er seit 30 Jahren, aber plötzlich hört Amerika einem selbsternannten Sozialisten zu. Sanders ist nach wie vor der Außenseiter, aber Hillary Clinton beginnt, ihn zu fürchten. Denn Außenseiter sind im Trend. Es gilt in Iowa also auf das politische Dreigestirn Clinton, Sanders, Trump zu achten. Die fünfte Jahreszeit hat in Amerika begonnen.

31.01.2016
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