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merkzettel

Verkauf an Peugeot-Citroën "GM wird seine E-Kompetenz nicht Opel überlassen"

BildAmpera-e
Opel Ampera-E

Opels Elektroauto Ampera-e soll eine Reichweite von rund 500 Kilometern haben.

(Quelle: dpa)

Video"Opel muss Opel bleiben"
Opel: Zypries in Paris

Rund um die geplante Opel-Übernahme gibt es einiges zu klären. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries ist deshalb in Paris, um ihren französischen Kollegen Michel Sapin zu treffen. Die gemeinsame Lösung lautet: "Opel muss Opel bleiben."

(23.02.2017)

VideoOpel: PSA-Chef garantiert Joberhalt
Opel

PSA-Vorstandsvorsitzender Tavares hat in einem Telefonat mit Angela Merkel garantiert, dass bei einer Übernahme von Opel durch PSA vorerst alle Arbeitsplätze an den Opel-Standorten in Deutschland erhalten bleiben.

(21.02.2017)

BilderserieOpel - Mant(r)a einer Region
Adam Opel

von Raphael Rauch

Opel ist stolz auf den Ampera-e: Endlich ein Elektro-Auto, das nicht ständig schlapp macht und sogar 500 Kilometer schaffen soll. Opels Elektro-Kompetenz werde aber überschätzt, warnen Automobil-Experten. Die liege nicht in Rüsselsheim, sondern bei General Motors in Detroit. 

Gegensätze ziehen sich an. Und so ist bei vielen Opelanern die Hoffnung groß, dass der Schatz der Rüsselsheimer bei den Übernahme-Verhandlungen zum Trumpf wird. Die Rede ist vom Ampera-e, dem jüngsten und kostbarsten Juwel in der Opel-Mitgift, die General Motors dem künftigen französischen Besitzer PSA mitgeben wird: ein Elektroauto mit einer Reichweite von etwa 500 Kilometern. Damit soll das E-Auto mehr werden als nur ein Stadtwagen für Rentner.

Prognose: 2030 nur noch 14 Prozent der Neuzulassungen Benziner

Christoph Stürmer, Auto-Analyst der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, geht davon aus, dass 2030 nur noch 14 Prozent aller Neuzulassungen Benziner und zehn Prozent Diesel-Autos ausmachen. Die Zukunft liege bei Elektro-Fahrzeugen (27 Prozent) und Hybrid-Autos (48 Prozent).

Klingt nach goldenen Zeiten für Opel. Doch was im Ampera-e-Narrativ oft verschwiegen wird: Es ist weder singulär noch wird es von Opel geschrieben. Gleichzeitig mit dem Ampera-e bringt General Motors den Chevrolet Bolt auf den Markt. Taktgeber ist also nicht Rüsselsheim, sondern Detroit.

"Know-how in Rüsselsheim wird überschätzt"

"Ich weiß nicht, wo bei Opel die Entwicklungskompetenz für E-Autos angesiedelt sein sollte. Die ist hundertprozentig amerikanisch bei General Motors", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft. "Zu den größten Opel-Mythen gehört die Mär: Die Amis sind zu blöd, Autos zu entwickeln. Das ist völliger Unsinn, das Know-how in Rüsselsheim wird überschätzt", urteilt Dudenhöffer. "Wenn man ehrlich ist und General Motors abzieht, dann stehen sowohl Opel als auch PSA in Sachen E-Mobilität nahezu blank da."

Dem pflichtet Stefan Bratzel bei, ebenfalls Professor für Automobilwirtschaft. "Opel muss sich das Thema E-Kompetenz neu erarbeiten. General Motors wird einen Teufel tun, seine Expertise Opel zu überlassen oder für einen geringen Obolus abzugeben." Patente spielten eine wichtige Rolle - die würden zum Zankapfel bei den Verhandlungen, prophezeit Bratzel. Detroit werde "alles versuchen, um die interessanten Patente bei sich zu behalten".

So sehr auch die E-Mobilität zum Schlüssel für Opels Zukunft stilisiert werde, so wenig werde die Kehrseite der Medaille gesehen, kritisiert Bratzel: der Verlust von Arbeitsplätzen. "Ein Elektromotor ist viel einfacher zu bauen als ein Verbrennungsmotor. Man braucht weniger Zeit, weniger Teile und weniger Kompetenz. Also auch weniger Menschen", sagt Bratzel. Die Rechnung, die französische Opel-Übernahme durch PSA würde ohne Arbeitsplatzverluste funktionieren, könne allein deshalb nicht aufgehen.

Marktanteil erhöhen, Kosten drücken

Wenn es bei dem PSA-Opel-Deal aber nicht um den Erwerb von Elektro-Kompetenz geht - worum geht es dann? "PSA kauft den Marktanteil von Opel. Momentan verkauft PSA 2,5 Millionen Autos. Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Mit Opel erhöht sich der Verkauf auf 3,5 Millionen Autos, damit rückt PSA in die Top Ten der globalen Auto-Konzerne vor", sagt Dudenhöffer. Durch Synergien könnten Kosten gedrückt, mehr verkauft und mehr eingenommen werden.

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Vor dem Hintergrund der Analystenzahlen, die die Zukunft bei Elektro und Hybrid sehen, drängt sich die Frage auf: Wie wichtig ist es für einen Konzern, ganz auf Hybrid- und Elektropferde zu setzen? Lohnt es sich gar, den Diesel- und Benzin-Ballast abzuschütteln und das Unternehmen zu einem "reinen Anbieter von Elektroautos umzuwandeln", was der amtierende Opel-Chef Karl-Thomas Neumann als Marschroute bis 2030 im "Manager Magazin" vorgegeben hat?

Opel muss sich von GM emanzipieren

Auto-Analyst Stürmer ist hier skeptisch: "Noch bevor das Volumen der klassischen Antriebe merklich zurückgeht, werden Margen und Gewinne massiv unter Druck kommen. Es ist also wichtig, dass die Ausrüster vorher schon Geschäftsmodelle aufgebaut haben, die Elektromobilität profitabel möglich machen - und entsprechende Produkte in ausreichenden Volumen auf dem Markt haben."

Die Botschaft an die Rüsselsheimer ist überdeutlich: sich schnell von der Elektro-Kompetenz in Detroit zu emanzipieren und eigenes Know-how aufbauen. Damit der Ampera-e auch ohne Detroit flügge wird - und möglichst viele Geschwister bekommt, und zwar französische.

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

Chronik: Opel und GM

1863

Adam Opel

Adam Opel zieht mit seiner Nähmaschinenwerkstatt in einen ehemaligen Kuhstall in Rüsselsheim. Später kommt die Produktion von Fahrrädern dazu.

1895

Opel-Werk im Jahr 1880

Opels Söhne übernehmen nach dem Tod ihres Vaters das Unternehmen und kaufen 1899 eine Autofabrik. Noch im selben Jahr wird der erste Wagen in Rüsselsheim gebaut.

1920er-Jahre

Opel steigt in die Fließbandproduktion ein

Mitte der 1920er-Jahre steigt Opel mit der Fließbandproduktion in den Massenmarkt ein. Mit einem Marktanteil von 37,5 Prozent ist Opel nach eigenen Angaben 1928 der größte deutsche Autobauer.

1929

GM-Logo

1929 übernimmt General Motors den deutschen Hersteller.

1930er-Jahre

Opelwerk Ende der 30er Jahre

Nach der Machtübernahme durch die Nazis trennen sich die Wege von Opel und GM  vorübergehend. Nachdem das Rüsselsheimer Stammwerk im Zweiten Weltkrieg zur Hälfte zerstört wird, nimmt Opel erst 1947 die Pkw-Produktion wieder auf. Nach der Währungsreform übernimmt General Motors erneut die Unternehmensführung.

1962

Luftaufnahme des Opel-Werks in Eisenach

1962 wird das Werk in Bochum eröffnet, es folgen weitere Werke in Kaiserslautern und nach der Wende in Eisenach.

1972

Opel Manta

1972 hat Opel noch einen Marktanteil von 20,4 Prozent in Deutschland.

1998

Werkszentrale von Opel in Rüsselsheim

1998 wird die neue Unternehmenszentrale in Rüsselsheim eingeweiht.

Jahrtausendwende

Opel Corsa im Werk Eisenach

Nach der Jahrtausendwende baut GM in Europa im Zuge einer Sanierung 12.000 Jobs ab - den Großteil davon in Deutschland. Der Marktanteil von Opel sinkt im Lauf der Jahre deutlich.

2008

Verrostete Haube eines Opel

Durch eine verfehlte Modellpolitik und die Auswirkungen der Finanzkrise droht der Mutter GM ein Liquiditätsengpass. Im November bittet Opel aufgrund der drohenden Insolvenz von GM bei der Bundesregierung um staatliche Unterstützung.

2009

Dunkle Wolken über einem Opel-Logo

GM fasst in der Krise eine teilweise Trennung von Opel ins Auge und ist bereit, "mit Dritten über Partnerschaften und Beteiligungen zu verhandeln". Interesse bekunden unter anderem der kanadische Zulieferer Magna, Fiat, der Finanzinvestor RHJ International und der chinesische Autobauer BAIC. Kurz vor der Anmeldung des Insolvenzverfahrens bei GM stimmt der Verwaltungsrat des US-Autobauers der Trennung von Opel zu. Das deutsche Unternehmen wird unter die Ägide einer Treuhand gestellt. Die Bundesregierung und GM einigen sich grundsätzlich auf den Autozulieferer Magna als Käufer. Bund und Länder übernehmen eine 1,5 Milliarden Euro schwere Bürgschaft. Der Verkauf an Magna kommt später aber nicht zustande, weil sich GM überraschend dazu entschließt, Opel zu behalten.

2011

Opel-Logo

Opel leitet nach jahrelanger Krise die Wende ein. Die Rüsselsheimer legen mit einem Sparprogramm die Grundlage für massive Investitionen der US-Mutter GM in neue Modelle der Europa-Tochter.

2012

General Motors und Peugeot vereinbaren eine breit angelegte Allianz. Sie wollen Fahrzeugarchitekturen künftig gemeinsam nutzen und beschließen einen gemeinsamen Einkauf. GM beteiligt sich mit sieben Prozent an dem französischen Partner.

April 2013

Karl-Thomas Neumann

Die Konzernmutter GM teilt mit, dass sie bis zum Jahr 2016 umgerechnet vier Milliarden Euro in die deutschen und europäische Standorte von Opel und Vauxhall investieren wolle. Das Geld soll für 23 neue Modelle sowie 13 neue Motoren verwendet werden. Neuer Opel-Chef wird der frühere VW-Manager Karl-Thomas Neumann.

Dezember 2013

Archiv: Firmenzentrale von General Motors in Detroit am 21.04.2009

GM steigt als Aktionär bei Peugeot aus und räumt damit das Feld für den chinesischen Staatskonzern Dongfeng.

Dezember 2014

Opel-Werk in Bochum

Opel schließt nach monatelangen Verhandlungen gegen den massiven Protest der Belegschaft sein Werk in Bochum mit mehr als 3.000 Beschäftigten.

März 2015

Opel beschließt wegen der Wirtschaftskrise in Russland den Rückzug aus dem dortigen Markt.

Juli 2016

Lenkrad und Armaturenbrett eines Opel-Fahrzeugs

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) gibt die Diesel-Motoren in einigen neuen Opel-Modellen frei. Die nach dem VW-Dieselskandal eingerichtete Untersuchungskommission hatte im Mai bei 30 Automodellen einen auffällig hohen Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) festgestellt. Opel hatte zuvor eingeräumt, dass die Abgasreinigung beim Modell Zafira unter bestimmten Bedingungen abgeschaltet wird; dies sei zum Schutz des Motors technisch notwendig und entspreche den rechtlichen Vorgaben.

August 2016

Opel-Werk in Eisenach

Opel kündigt nach dem Brexit-Votum Kurzarbeit für die Werke Rüsselsheim und Eisenach an. Für die Modelle Insignia und Corsa ist Großbritannien der größte Markt.

Februar 2017

Opel Astra Innovation

Opel stellt sich auf ein weiteres Jahr in den roten Zahlen ein. Die versprochene Rückkehr in die Gewinnzone verpasste das Unternehmen im Jahr 2016, vor allem wegen des Brexit-Votums. Das Ziel, erstmals seit 1999 wieder schwarze Zahlen zu schreiben, soll jetzt 2018 erreicht werden.

Der Peugeot-Konzern PSA an kündigt an, Opel kaufen zu wollen.

(Quelle: reuters)

27.02.2017
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