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merkzettel

Stickoxid-Ausstoß Umwelthilfe: Ein Diesel-Modell von Fiat über Grenzwert

BildFiat-Wagen bei einem Autohändler
Das Logo von Fiat am 27.01.2016 in Mailand

Inzwischen ist auch der Fiat SUV "500X 2.0 Diesel" betroffen.

(Quelle: ap)

VideoEU beschließt neue Abgastests
Abgastest bei einem Dieselfahrzeug.

Das EU-Parlament billigt mit einem neuen Gesetzesentwurf Abgastests unter realen Bedingungen. Das neue Prüfprinzip soll ab 2017 umgesetzt werden.

(04.02.2011)

VideoVW im Zwielicht
Screenshot

Vier Monate danach ist "Dieselgate" für Volkswagen immer noch toxisch. Das Vertrauen ist weg, die Häme groß, der Markenwert im Keller und die Weltspitze fern. Und das ist noch nicht das Schlimmste.

(29.01.2016)

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft nun auch Fiat erhöhte Stickoxid-Emissionen bei einem Diesel-Modell vor. Bei dem an der Fachhochschule Bern überprüften Fiat 500X 2.0 Diesel seien die Grenzwerte bei Tests mit betriebswarmem Motor um das Elf- bis 22-fache überschritten worden, teilte die DUH mit. 

Während mit kaltem Motor Werte nahe dem sogenannten Euro-6-Grenzwert von 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer gemessen wurden, kam der SUV im betriebswarmen Zustand auf einen Wert von 1.777 Milligramm und darüber. Das Unternehmen hatte kürzlich nach einer internen Untersuchung erklärt, seine Dieselautos hielten im vorgeschriebenen Testzyklus NEFZ die Grenzwerte ein. In diesem Zyklus wurden laut Umwelthilfe auch die Werte des Fiat 500X auf dem Rollenprüfstand der Berner Fachhochschule geprüft. "Wir standen erneut vor fassungslosen Prüfern", sagt Projektleiter Axel Friedrich. Zu den Vorwürfen werde sich Fiat demnächst äußern, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens.

Neben VW und Fiat auch andere Autobauer betroffen

Die DUH hatte in den vergangenen Monaten ähnliche Vorwürfe zu Modellen von Opel, Mercedes und Renault erhoben. Die Autobauer erklärten jeweils, die Grenzwerte einzuhalten. "Es ist nicht das Problem eines Einzelnen", sagt Umwelthilfe-Geschäftsführer Jürgen Resch unter Verweis auf den Abgasskandal bei Volkswagen. Außerdem würden die Automobilhersteller den Druck auf die Verbraucherschutzorganisation erhöhen. "Vor jeder weiteren Veröffentlichung von Prüfergebnissen von uns getesteten Diesel-Pkw wird uns gedroht und vor den Folgen gewarnt." Das Ganze habe Ausmaße angenommen, die er in seiner 29-jährigen Tätigkeit so noch nicht erlebt habe.

Weitere Links zum Thema

So habe Daimler eine Klageandrohung gegen die Umwelthilfe mittlerweile auch persönlich auf ihn ausgeweitet. Per einstweiliger Verfügung würden Resch sechs Monate Haft oder 250.000 Euro Strafe angedroht, sollte die DUH weiterhin den Schriftverkehr zwischen Daimler und der Umwelthilfe veröffentlichen. Auch mit Millionen-Strafen, die zur umgehenden Insolvenz der DUH führen würden, sei bereits von Herstellern gedroht worden, sagt Resch.

"Die verantwortlichen Vorstände der Unternehmen, die in vollem Wissen der extrem erhöhten Stickoxid-Emissionen unter normalen Fahrbedingungen derart schmutzige Diesel-Pkw verkaufen, machen sich tausendfacher vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge schuldig", meint Resch.

Resch: Bundesregierung beteilige sich nicht an der Aufklärung

Schwere Vorwürfe erhob der DUH-Bundesgeschäftsführer auch gegen das Bundesverkehrsministerium. Minister Alexander Dobrindt (CSU) habe offenbar kein Interesse an einer Aufklärung des Diesel-Abgasskandals, sagte Resch. Bitten der DUH um Gespräche würden abgelehnt, seit September erhalte die DUH nicht einmal Eingangsbestätigungen für übersandte Schreiben und übermittelte Abgasmessungen. Stattdessen fänden interne Gespräche zwischen Ministerium und Herstellern statt, die nicht veröffentlicht würden. "Wir brauchen eine Zerschlagung dieses industriell-politischen Komplexes", fordert Resch. Greenpeace warf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vor, den Abgasskandal aussitzen zu wollen und Daten von Nachmessungen unter Verschluss zu halten.

VW und die Rolle der Politik

Beitrag aus "Berlin direkt"

VW-Logo spiegelt sich in Pfütze

Von den manipulierten Abgaswerten bei VW wusste auch die Bundesregierung. So überrascht, wie sie tut, kann sie von dem Skandal nicht sein.

Bereits vor fünf Jahren, am 11. Februar 2011, habe die Deutsche Umwelthilfe das Ministerium bei einem Treffen über die stark erhöhten Stickoxid-Werte bei dem umstrittenen VW-Passat informiert. "Wäre damals staatlicherseits gehandelt worden, hätte der VW-Skandal so verhindert werden können", sagt Resch. Passiert sei stattdessen nichts. Nachfragen der Linken-Bundestagsfraktion hätten ergeben, dass von dem Treffen keine Gesprächsprotokolle in dem Ministerium existieren. "Dabei hatten wir damals mit allen relevanten Beamten gesprochen", sagt Resch.

09.02.2016, Quelle: epd, dpa, afp
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