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merkzettel

Vor EZB-Ratssitzung Wie viel legt EZB-Chef Draghi diesmal drauf?

BildHerr des Geldes: Mario Draghi
EZB - Mario Draghi am 15. Mai 2015

Die Spannung steigt: Wieviel wird Mario Draghi heute locker machen? Bisher haben seine Geldströme kaum Wirkung gezeigt. Mit Spannung warten Banken und Sparer auf die heutige EZB-Ratssitzung.

VideoDas EZB-Aufkaufprogramm
Richter im Bundesverfassungsgericht

2012 beschloss die Europäische Zentralbank, unbegrenzt Anleihen von kriselnden Staaten zu kaufen, damit diese zahlungsfähig bleiben. Dürfen sie das? Karlsruhe und Luxemburg urteilten verschieden.

(16.02.2016)

VideoEZB: Neuer 20-Euro-Schein
Der neue 20-Euro-Schein.

Ab morgen bekommen die Verbraucher in Europa einen neuen 20-Euro-Schein. Sicherheitsmerkmale wie das neue Hologramm-Fenster sollen das Risiko, gefälschte Noten in der Hand zu halten, weiter minimieren

(24.11.2015)

Wie viel wird er diesmal locker machen? Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, steht unter Druck - und hat einen "Währungsstimulus" versprochen. Experten rechnen daher bei der heutigen EZB-Sitzung unter anderem mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik und höheren Strafzinsen für geparktes Geld. 

EZB-Chef Mario Draghi hat für die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag einen währungspolitischen Stimulus für die 19 Staaten umfassende Eurozone versprochen. Jetzt ist die Frage, wie viel er bereitstellen wird - und vor allem welchen Effekt das haben wird.

Weiter ins Negative

Erwartet wird mindestens, dass die EZB den Zinssatz für Einlagen weiter ins Negative drücken wird, um die Banken zu zwingen, Geld zu verleihen. Außerdem könnte die EZB ihr Anleihen-Ankaufprogramm ausweiten, was neues Geld in die Wirtschaft pumpen würde.

Benötigt wird der Stimulus, um die gefährlich niedrige Inflation von zuletzt minus 0,2 Prozent anzuheben - nach Ansicht von Experten ein Zeichen für wirtschaftliche Schwäche, die künftiges Wachstum hindern könnte. Viel hängt also davon ab, wie die Bemühungen der EZB fruchten. Fünf Themen stehen bei der EZB-Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt am Main besonders im Fokus.

Thema Gelddruckmaschine

Analysten erwarten, dass die EZB ihre Anleihenkäufe von 60 Milliarden Euro pro Monat intensivieren oder über die bislang geplante Laufzeit bis März 2017 hinaus ausdehnen wird. Bei diesem Programm druckt die EZB neues Geld, um Anleihen von Regierungen und einigen privaten Unternehmen von Banken zu kaufen. Damit gelangt mehr Geld ins Bankensystem. Die Hoffnung dahinter ist, dass dieses Geld an Unternehmen und Verbraucher verliehen wird. Theoretisch soll das die Wirtschaft beleben und die Inflation anheben.

Thema Strafzinsen

Die Zentralbank könnte zudem den Einlagezinssatz für Geschäftsbanken von derzeit minus 0,3 auf minus 0,4 oder sogar minus 0,5 senken. Strafzinsen sind ein drastisches und experimentelles Mittel, das zeigt, wie weit die EZB von der angepeilten jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent entfernt ist. Ziel ist es, Banken zu bestrafen, wenn sie Geld bei der Zentralbank horten, statt es zu verleihen.

Aber dieses drastische Mittel kann schwere Nebenwirkungen haben. Negativzinsen können die Profite der Banken schmälern und die Aktienkurse dieser Unternehmen massiv ins Trudeln bringen. Aber vor allem gilt: Schwache Banken verleihen nichts.

Die EZB könnte also versuchen, diesen Effekt zu begrenzen, indem sie einen gestaffelten Satz einführt. Dann würden die Negativzinsen mit der Höhe der Einlagen steigen. Draghi könnte zudem anbieten, dass die EZB von den Banken keine höheren Eigenkapitalpuffer gegen Verluste verlangt, was ebenfalls Druck von den Geldhäusern nehmen würde.

Thema Prognosen

Entscheidend für die Aktionen der EZB wird sein, wie die neuen Inflationsprognosen ausfallen. Hauptmission der EZB ist es, für Preisstabilität zu sorgen, das ist auch im grundlegenden EU-Vertrag verankert. Bei der Sitzung wird die Bank ihre ersten Vorhersagen für 2018 erhalten. Wenn die Schätzungen weit unter der Zwei-Prozent-Marke bleiben, wäre das ein Argument für umfassende Aktionen.

Thema Stimulus-Gegner

Draghi wird seine Pläne vor dem Hintergrund deutlicher Meinungsverschiedenheiten in dem 25 Mitglieder starken Gremium ausführen. Bundesbank-Chef Jens Weidmann ist einer der Wortführer unter den Skeptikern, die vor den Risiken einer exzessiven Geldpolitik der Zentralbank warnen. Damit werde der Druck von den nationalen Regierungen genommen, ihren eigenen Anteil dazu beizutragen, dass die Wirtschaft in der Eurozone besser funktioniert. Dazu gehört der Abbau von Bürokratie und Regulierungen, um die Gründung und Expansion von Unternehmen zu erleichtern.

Weidmann wird wegen des rotierenden Stimmsystems diesmal zwar nicht abstimmen, er ist aber nicht der einzige Skeptiker in dem Gremium. Widerstand könnte dazu führen, dass die EZB nur ein deutlich kleineres Paket verabschiedet, als erwartet wird. Ohnehin warnte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, eine internationale Organisation mehrerer Zentralbanken, in einem am Sonntag veröffentlichten Bericht, dass es so aussehe, als würden die Maßnahmen der Zentralbanken immer mehr an ihre Grenzen stoßen.

Thema Euro-Abwärtsspirale

Die Märkte werden genau darauf achten, was Draghi zum Wechselkurs des Euro sagt. Auch wenn die EZB darauf beharrt, dass sie ihre Geldpolitik nicht dazu nutze, um den Wechselkurs zu beeinflussen, wäre ein schwacher Euro doch einer der Hauptvorteile der Strafzinsen, würde er doch die Exporte ankurbeln.

Weitere Links zum Thema

Der durchschnittliche Umrechnungskurs des Euro mit den Währungen der Haupthandelspartner ist in den vergangenen Tagen gefallen, liegt aber noch immer über dem Niveau beim letzten Treffen des EZB-Rats am 3. Dezember. Marco Valli, Chefökonom bei UniCredit Research, argumentiert, dass höhere und weitere Zinssenkungen immer weniger Auswirkungen auf den Euro hätten. Er plädiert deswegen dafür, die Zinsen nur um 0,1 Prozentpunkte zu senken statt um 0,2 Prozentpunkte.

Die EZB läuft laut Valli Gefahr, sich in einer Negativzinsschlacht mit anderen Zentralbanken wie denen von Japan, Schweden oder der Schweiz zu verfangen. Diese senken ebenfalls ihre Zinsen auf unter Null und werten ihre Währungen so ab. In der Regel bedeutet das Sinken einer Währung den Aufstieg einer anderen. Wenn jedoch alle versuchten, ihre Währungen abzuwerten, wäre es schwer, daraus Gewinn zu schlagen. 

Stichpunkte rund um die EZB-Ratssitzung

Der Strafzins der EZB

Europäische Zentralbank

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der Europäischen Zentralbank (EZB) Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Notenbank parken. Doch im Sommer 2012 senkten die Währungshüter den sogenannten Einlagezins zunächst auf null Prozent, im Juni 2014 gar auf minus 0,1 und drei Monate später auf minus 0,2 Prozent. Im Dezember 2015 verschärften die Währungshüter den Einlagenzins auf minus 0,3 Prozent. Kreditinstitute müssen nun Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB bunkern.

Die Notenbank will erreichen, dass Geschäftsbanken das viele billige Geld, das die EZB ihnen zur Verfügung stellt, an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen, damit es in Investitionen und Konsum fließt. Das soll die Konjunktur anschieben und den Preisauftrieb verstärken.

Was ist QE?

Die Abkürzung QE steht für "Quantitative Easing", zu Deutsch: "Quantitative Lockerung". Dieser Begriff kommt daher, dass bei einer solchen Maßnahme die Menge, also die Quantität, das Zentralbankgeldes zunimmt. Eine Notenbank druckt sich selbst Geld, um Wertpapiere zu kaufen. Meist sind das Anleihen von Staaten und Unternehmen. Mit dem Erwerb solcher Schuldscheine will die Zentralbank langfristige Zinsen drücken. Dann können etwa Staaten günstiger frisches Geld bei Investoren einwerben. Und im Idealfall kommt das zusätzliche Zentralbankgeld über die Banken, denen die Notenbank Wertpapiere abkauft, bei Unternehmen und Verbrauchern an: Mehr Kredite könnten zu mehr Investitionen und Wachstum führen.

(Quelle: dpa)

10.03.2016, Quelle: ap
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