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Vor 100 Jahren: Zugfahrt zur Revolution "Lenin - ein bösartiger Schreibtischtäter"

BildRevolutionär mit Charisma
Wladimir Iljitsch Lenin

Lenin habe eine "enorme Durchsetzungsfähigkeit" gehabt, "die sicher eine eigene, nicht demagogische, eher auf Willenskraft beruhende Art von Charisma war", sagt der Historiker Manfred Hildermeier.

(Quelle: ap)

VideoKarl Marx - Vordenker des Kommunismus
Kopf einer Statue von Karl Marx

Er ist der Vordenker des Kommunismus. Kaum ein Deutscher hat den Verlauf der Geschichte nachhaltiger beeinflusst als Karl Marx.

(01.01.2016)

von Raphael Rauch, Zürich

Die folgenreichste Zugfahrt der Geschichte verlief von Zürich über Deutschland nach St. Petersburg: Vor hundert Jahren machte sich Lenin per Eisenbahn auf den Weg, um die Weltrevolution anzuzetteln. Noch heute hält sich so mancher Mythos, gegen den Historiker ankämpfen. 


Zürich kommt Lenin dieser Tage besonders nahe. "1917 Revolution. Russland und die Schweiz" titelt eine Ausstellung. Die Besucher rennen dem Landesmuseum regelrecht die Türen ein: Sie wollen wissen, wie Lenin sein Exil in der Schweiz verbracht hat. Wo er gewohnt hat. Mit wem er hier zu tun hatte. Und welche Spuren das Pult aufweist, an dem Lenin nächtelang über seine Revolution gebrütet hatte.

Mit dem Zug zur Revolution

Zürich hat Glück: Weil Lenin vor hundert Jahren relativ überstürzt abreiste, konnte er nicht alles mitnehmen. Daher befinden sich noch heute so manche Reliquien in der Stadt, in der sich der rote Chef-Ideologe während des Ersten Weltkriegs aufhielt.

Vor genau hundert Jahren, am 9. April 1917, brachte ein Sonderzug Lenin von Zürich über Schaffhausen nach Deutschland - und von dort aus weiter über Dänemark, Schweden und Finnland nach Russland. Währenddessen nahm die Weltgeschichte bereits ganz nach Lenins Geschmack ihren Lauf: Die Februar-Revolution hatte begonnen, später folgte die Entmachtung und Ermordung der Zarenfamilie. Nur folgten danach nicht friedlicher Sozialismus und Kommunismus, sondern erbitterte Lagerkämpfe. Am Ende stand Stalins eiserne Herrschaft mit Archipel Gulag und Völkermord.

Das alles war 1917 noch nicht abzusehen, als mitten in den Kriegswirren deutsche Emissäre alles dafür taten, den kostspieligen und logistisch aufwändigen Sonderzug nach St. Petersburg zu organisieren. Die Geschichte von Lenins Remigration nach Russland klingt wie von einem Schriftsteller erfunden. Sie ist sogar so gut, dass sie an diesem Wochenende nachgespielt wird: Die Universitäten Basel, Bern und Zürich organisieren zusammen mit der Schweizer Bundesbahn eine Fahrt in einem historischen Zug von Zürich nach Schaffhausen - und folgen somit Lenins Spuren bis zum deutschen Grenzübergang.

Deutschland profitierte

Lenin ...

... war der Deckname des russischen Revolutionärs Wladimir Uljanow, der am Ende des Ersten Weltkriegs auf den Trümmern des Zarenreichs die Sowjetunion gründete. Geboren wurde er 1870 in der Stadt Simbirsk, heute nach ihm benannt Uljanowsk, an der Wolga. In einem jahrelangen Anlauf bereitete der Marxist den Umsturz durch eine kleine Partei entschlossener Berufsrevolutionäre vor. Zeiten in Russland und im Exil in Deutschland und der Schweiz wechselten sich ab.

Wenige Monate nach dem Sturz des letzten Zaren Nikolaus II. putschte sich Lenins Partei in der Oktoberrevolution 1917 an die Macht. Ausgerufen wurde der erste Arbeiter-und-Bauern-Staat der Geschichte. Mit Terror gegen die Bevölkerung hielten sich die kommunistischen Bolschewiki an der Macht. Lenin selbst starb 1924, geschwächt durch ein Attentat und Schlaganfälle. Kurz vor dem Tod warnte er vor dem Machthunger und der Grausamkeit seines Nachfolgers Josef Stalin.

Zu den sich hartnäckig haltenden Mythen zählt das Gerücht, die Deutschen hätten Lenin nach Russland geschickt, um sich einen Vorteil im Ersten Weltkrieg zu verschaffen. Die Logik dahinter: Lenin stiftet Unruhe im Zarenreich, dieses ist geschwächt - und verliert gegen Deutschland. Für Benjamin Schenk, Historiker an der Universität Basel, steht jedoch fest: "Die Initiative zur Rückkehr Lenins und seiner etwa 30 Mitstreiter ging von Lenin selbst aus." Bei der Kontaktaufnahme mit den deutschen Behörden seien zudem Schweizer Sozialisten wie Robert Grimm und Fritz Platten beteiligt gewesen. Dass die Deutschen dem Transit zustimmten, mag mit Sicherheit an kriegstaktischen Erwägungen gelegen haben. Doch die Idee stammte nicht aus Berlin, sondern von Lenin selbst.

Nach wie vor findet es Schenk faszinierend, wie es Lenin gelingen konnte, als politischer Außenseiter und Exilant "die Macht im einstmals größten Land Europas an sich zu reißen". Für Nikolaus Katzer, Leiter des Deutschen Historischen Instituts in Moskau, liegt die Faszinationskraft Lenins in "seinem Zukunftswillen, seiner Durchsetzungskraft, seinem Organisationsdrang, seiner Kaltblütigkeit in kritischen Momenten und seinem Gespür für Fragen mit Sprengkraft".

"Lenin - ein Mann der Tat"

Manfred Hildermeier, Osteuropa-Historiker an der Uni Göttingen, erkennt in Lenin eine "enorme Durchsetzungsfähigkeit, die sicher eine eigene, nicht demagogische, eher auf Willenskraft beruhende Art von Charisma war". Sein Kollege Jörg Baberowski von der Berliner Humboldt-Uni sieht die Ausstrahlungskraft Lenins in dessen Kompromisslosigkeit: "Lenin war ein Mann der Tat, ein Abenteurer, der alles auf eine Karte setzte und den Ausnahmezustand herbeiführte, der es ihm erlaubte, die Flucht nach vorn anzutreten. Ohne Lenins fanatischen Willen, in die Tat umzusetzen, was für ihn an der Zeit war, hätte es keine Revolution gegeben."

Und genau in diesen Macher-Qualitäten liegt die Grundlage für die Überhöhung und Überschätzung Lenins, findet auch Nikolaus Katzer. "Lenin, der Logiker der Weltrevolution, erscheint gelegentlich eher wie ein Fatalist, ein Spieler, der in scheinbar aussichtsloser Situation alles auf eine Karte setzt. Alles gewonnen zu haben, wähnten nicht wenige als modernes Wunder. Es förderte in der breiten Bevölkerung eine revolutionäre Volksfrömmigkeit und unter den Funktionseliten die Neigung zu hagiographischer Überhöhung", meint Katzer.

"Gnadenlos wie Stalin"

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Zu den vielen Lenin-Legenden, die sich bis heute gehalten haben, gehört die Annahme, Lenin sei ein Revolutionär mit hehren Zielen, Stalin hingegen ein brutaler Diktator gewesen. "Das ist Unsinn", sagt Jörg Baberowski. "Lenin war ein bösartiger Schreibtischtäter, der für den Erfolg der Revolution zu jeder Gewalttat bereit war. Der Ausnahmezustand und der Bürgerkrieg erlaubten es ihm, die Gefolgschaft zu disziplinieren." In dieser Zeit sei die Idee entstanden, "dass alle Probleme mit Gewalt aus der Welt geschaffen werden konnten. Ohne diese Voraussetzung hätte Stalin weder die eigenen Gefolgsleute töten noch die Bevölkerung nach Belieben terrorisieren können", urteilt Baberowski. Dem pflichtet Manfred Hildermeier bei: "Mit Feinden ist Lenin ebenso gnadenlos umgegangen wie Stalin, im Übrigen auch wie Trotzki."

Aufgrund dieser kritischen Lenin-Lesart verwundert nicht, dass die Lenin-Feierlichkeiten in Russland weniger froh daherkommen als in Westeuropa. "Lenin ist zu einem sinnentleerten Zeichen einer diffusen Sowjetnostalgie verkommen. In den Ländern in West- und Mitteleuropa scheint mir das Interesse an Lenin und seiner Geschichte im Revolutionsjahr 2017 um einiges grösser zu sein als in Lenins Heimat", findet Benjamin Schenk.

Auch Nikolaus Katzer beobachtet in Moskau "eher nüchterne Versuche", Lenin zu ehren - was einer Art Pflichtübung gleichkomme. So könnte es sein, dass Lenin 2017 in Zürich mehr gefeiert wird als in Russland, wo Lenins Zug im April ankam - und die Weltrevolution an Fahrt gewann.

Historiker zu Lenins Zugfahrt

Revolution prägte das 20. Jahrhundert

Lenin und seine Frau Nadeschda

Lenins legendäre Zugfahrt im April 1917 von der Schweiz nach Russland gilt als Katalysator der Russischen Revolution, die das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt hat. Angesichts dieser Gewichtung verwundert nicht, dass noch heute Historiker darüber streiten, wie wichtig die Zugfahrt tatsächlich war. Wäre die Geschichte arg anders verlaufen, wenn die Deutschen Lenin die Zugfahrt nach Russland verweigert hätten? Oder hätten sich Lenins Ideologie auch anders durchsetzen können?

"Lenin hätte andern Weg gefunden"

Wladimir Lenin auf dem Totenbett

So legendär die Zugfahrt auch ist: Manfred Hildermeier, Osteuropa-Historiker an der Universität Göttingen, relativiert sie stark. "Lenin hätte einen anderen Weg gefunden und wäre nur wenige Tage später in Petrograd eingetroffen - um fortan dieselben 'Aprilthesen’ zu predigen."

"Kaiserreich wesentlich beteiligt"

Zu einer anderen Bewertung kommt Nikolaus Katzer, Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Moskau: "Die deutsche Reichsregierung verschaffte Lenin im April 1917 die Möglichkeit, sich unmittelbar in den Machtkampf zwischen Straße, Provisorischer Regierung und Militär einzuschalten." Auch habe das deutsche Kaiserreich dazu beigetragen, dass die Bolschewiki Streiks organisierten, die Parteipresse ausbauten und "mit einer massiven Flugblattpropaganda die Arbeiter in der Metropole" mobilisierten. Der Rote Oktober sei demnach "ein effektvoller Staatsstreich" gewesen.

"Die Deutschen kalkulierten mit Lenin"

Auch Jörg Baberowski, Osteuropa-Historiker an der Humboldt-Uni Berlin, misst Lenins Zugfahrt einen hohen Stellenwert zu: "Lenin war im Frühjahr 1917 der einzige Bolschewik, der zum Sturz der Provisorischen Regierung aufrief. Ohne Lenin hätten die Bolschewiki den Oktoberaufstand nicht gewagt, er zwang ihnen die Flucht nach vorn auf, nachdem die Tatsachen geschaffen worden waren. Und die Deutschen wussten, dass Lenin nach ihrem Plan arbeitete."

"Vermutlich anders entwickelt"

Für Benjamin Schenk, Osteuropa-Historiker an der Uni Basel, steht fest, dass "mit der Ankunft Lenins in Petrograd im April 1917 ein neues Kapitel der Geschichte der Russischen Revolution aufgeschlagen wurde. Ohne seine radikalen Ansichten und prononcierten Forderungen hätten sich die Dinge in der Hauptstadt des Zarenreiches vermutlich anders entwickelt."


Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

09.04.2017
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