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Feuerpause in Syrien Kinderlachen statt Artilleriefeuer

VideoEinhaltung der Feuerpause in Syrien
Der Waffenstillstand in Syrien wird offensichtlich größtenteils eingehalten

Die Feuerpause in Syrien wird offensichtlich weitgehend eingehalten. Dies berichteten syrische Menschenrechtsbeobachter. Auch russische Kampfflugzeuge seien nach Mitternacht nicht aktiv gewesen.

(27.02.2016)

VideoSyrien: "Keine klaren Fronten"
ZDF-Korrespondent Uli Gack

„Es ist eine ganz komplizierte Gemengelage vor Ort“, sagt ZDF-Korrespondent Uli Gack zur Situation in Syrien. Vielleicht werde in den nächsten Tagen etwas Ruhe einkehren.

(26.02.2016)

VideoEinigung auf Feuerpause in Syrien
Die USA und Russland haben Bedingungen für eine Feuerpause in Syrien vereinbart. Die Waffenruhe soll am Samstag um 0.00 Uhr Ortszeit beginnen.

Die USA und Russland haben Bedingungen für eine Feuerpause in Syrien vereinbart. Das syrische Regime akzeptiert die Waffenruhe. Beginnen soll sie am Samstag um 0.00 Uhr Ortszeit.

(21.02.2016)

VideoAleppo in Trümmern
Menschen und Trümmer

Trotz geplanter Hilfskonvois der Vereinten Nationen in das Krisengebiet verschlechtert sich die Lage in Syrien. Es mangelt an Nahrung und Medikamenten. Was wirklich helfen würde: Waffenruhe.

(17.02.2016)

Atempause für die Syrer: Die Feuerpause in dem Bürgerkriegsland hält weitgehend. Russland spricht von neun Verstößen, die Opposition von 15. Die Menschen genießen die Ruhe, Straßen füllen sich wieder und Kinder können erstmals seit langem einfach draußen spielen. 

"Es ist etwas Seltsames an dieser Ruhe. Wir waren gewohnt, zum Lärm der Luftangriffe und der Artillerie einzuschlafen und damit aufzuwachen", sagte der 45-jährige Bäcker Abu Omar in einem von den Rebellen gehaltenen Viertel des einstigen Wirtschaftszentrums Aleppo. "Ich bin glücklich, aber traurig für die Regionen, die nicht von der Waffenruhe betroffen sind und deren Einwohner weiter leiden."

Aleppo ist seit Juli 2012 zwischen Rebellen und Regierung geteilt. Der elfjährige Ahmed freute sich, dass sein Vater ihn und seine Geschwister erstmals unbegleitet auf einen Spielplatz ließ. Und Ussama Diri zeigte sich überrascht über die vielen Leute auf Aleppos Straßen. "Normalerweise gibt es sehr wenig Bewegung bis mittags wegen der Flugzeuge im Einsatz", erzählte der Einwohner des Viertels Magajer.

IS und Al-Nusra-Front kämpfen weiter

Die seit Samstag geltende Feuerpause, die von den USA und Russland vermittelt worden war, gilt nur für die Regierungstruppen und knapp hundert gemäßigte und islamistische Rebellengruppen, nicht aber für die Dschihadistengruppen Islamischer Staat (IS) und Al-Nusra-Front. Diese Milizen kontrollieren zusammen allerdings mehr als die Hälfte des Staatsgebiets, wobei nicht immer eindeutig ist, welcher Ort in der Hand welcher Gruppe ist.

Das russische Zentrum für die Versöhnung der Konfliktparteien, das die Einhaltung der Feuerpause überwacht, erklärte am Sonntag, die Waffenruhe sei in den vergangenen 24 Stunden neun Mal verletzt worden. Russland, das seit Ende September Angriffe zur Unterstützung der syrischen Regierung fliegt, hatte am Samstag verkündet, alle Luftangriffe für einen Tag auszusetzen, um die Waffenruhe zu unterstützen.

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Das russische Zentrum kritisierte, dass eine Gruppe von hundert Kämpfern aus der Türkei nach Syrien eingedrungen sei und die Stadt Tel Abjad angegriffen habe. Auch sei aus der Türkei auf die grenznahe Stadt gefeuert worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte zuvor erklärt, Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte hätten einen IS-Angriff auf Tel Abjad zurückgeschlagen. Laut den nur schwer überprüfbaren Informationen der oppositionsnahen Organisation vertrieben die Syrischen Demokratischen Kräfte, die aus arabischen und kurdischen Milizen bestehen, die Dschihadisten mit Hilfe von Kampfflugzeugen der US-geführten Militärkoalition. Dabei seien mindestens 70 Dschihadisten und mehr als 20 kurdische Kämpfer getötet worden.

Syrische Opposition: Waffenruhe 15 Mal gebrochen

Das Hohe Verhandlungskomitee, in dem syrische Oppositions- und Rebellengruppen zusammengeschlossen sind, erklärte seinerseits, die Regierungstruppen und ihre Verbündeten hätten die Waffenruhe am Samstag 15 Mal verletzt. Der Sprecher Salem al-Meslet sagte, das Bündnis werde einen Beschwerdebrief an die Vereinten Nationen und die internationale Syrien-Unterstützergruppe schreiben.

Er versicherte, keine der beteiligten Rebellengruppen habe auf die Angriffe reagiert. Die Haltung sei, sich an die Waffenruhe zu halten, sagte al-Meslet. Diese sei "der erste Schritt in die richtige Richtung". Insgesamt 97 Rebellengruppen beteiligen sich an der auf zunächst zwei Wochen angelegten Waffenruhe. Sie soll der Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen am 7. März den Boden bereiten.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich vorsichtig optimistisch: "Mit jeder Stunde, die die Waffenruhe hält, steigt für Millionen Syrer nicht nur im Land selbst, sondern auch für jene, die weltweit vor Krieg und Terror geflohen sind, die Hoffnung auf Frieden in Syrien", sagte er der "Welt am Sonntag". Jetzt müssten Hilfsorganisationen Zugang zu den Menschen erhalten, um Lebensmittel zu liefern und medizinische Hilfe zu leisten.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Die Kurden

Kobane: Kurdischer Kämpfer - Aufnahme vom 08.05.2015

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Die Kurdenmiliz ist im Kampf gegen die IS-Terrormiliz bislang sehr effektiv, ist daher wichtiger Partner des Westens und erhält dafür Hilfe aus den USA. Die Kurden kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurdenpartei PYD, ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Das NATO-Mitglied Türkei indes bekämpft den bewaffneten Arm der PYD, die YPG, und scheint zunehmend beunruhigt wegen der jüngsten Geländegewinne der Gruppe im benachbarten Bürgerkriegsland. Mit dem Erstarken der Kurden in Syrien und dem Nordirak sieht Ankara auch die Bestrebungen zur Gründung eines Kurdenstaates wachsen.

Islamischer Staat

IS-Kämpfer in Syrien  Aufnahmevom 07.04.2015

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben dem Regime. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten deutliche Niederlagen einstecken. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Zahl der Dschihadisten in Syrien und im Irak auf 19.000 bis 25.000 - früheren Schätzungen zufolge waren es mal 20.000 bis 33.000. Für den Rückgang seien demnach Verluste auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und Disziplinarstrafen des IS gegen eigene Kämpfer verantwortlich, sagt ein Pentagon-Vertreter. Außerdem zeigten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft Wirkung, den Fluss ausländischer Kämpfer nach Syrien und in den Irak einzudämmen.

Der IS kämpft sowohl gegen das syrische Regime als auch gegen andere Rebellengruppen. Die Dschihadisten zeichnen sich vor allem durch ihren extremen Hass gegen Andersgläubige aus. Sie streben einen Gottesstaat mit radikaler Auslegung an, der Scharia.

Assad-Regime

Baschar al-Assad

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter große Städte wie Damaskus oder Homs sowie den Küstenstreifen. Unterstützt von russischen Luftangriffen und Hilfe aus Iran machte die syrische Armee in den vergangenen Wochen deutlich Boden gut und kreiste unter anderem von den Rebellen kontrollierte Teile Aleppos im Norden ein. Ziel Assads ist es, die Rebellen-Gebiete der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Sollte das gelingen, würde dieser Schlag Assads Verhandlungsposition deutlich stärken. Der Machthaber lehnt einen Rücktritt ab.

Al-Nusra-Front

Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front

Erstmals tauchte Al-Nusra im Januar 2012 auf - zehn Monate nach dem Beginn der Proteste gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad, aus denen sich der Bürgerkrieg entwickelte. Die Gruppe ist ein Ableger des Al-Kaida-Arms Islamischer Staat im Irak. In der nordirakischen Provinz Ninive war al-Dschulani ihr Anführer.

Im Jahr 2013 lehnte es Al-Nusra ab, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen und band sich an Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Dieser erklärt die Gruppe zum einzigen Al-Kaida-Ableger in Syrien, wonach der IS sie aus der ölreichen östlichen Provinz Deir Essor vertrieb.

Laut dem Syrien-Experten Thomas Pierret von der Universität Edinburgh gehören Al-Nusra 7.000 bis 8.000 Kämpfer an. Auf mittlerer Kommandoebene sind nach seinen Erkenntnissen einige Ausländer aktiv, bei den Fußtruppen jedoch kaum. Andere Experten beziffern die Zahl der Kämpfer auf bis zu 10.000, etwa 80 Prozent von ihnen Syrer. Hochburgen der Gruppe sind die nordwestsyrische Provinz Idlib und der Süden der nördlichen Provinz Aleppo. Es gibt aber kein Gebiet, das ausschließlich von Al-Nusra kontrolliert wird - überall kämpft die Gruppe mit Verbündeten.

Weil sie mit vielen Rebellengruppen in ganz Syrien verbündet ist, gilt die Al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front als zentrale Bedrohung für die seit dem späten Freitagabend geltende Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland. Denn die Waffenruhe gilt nicht für die Al-Nusra-Front. 

Rebellen

Syrische Rebellen schauen am 10.03.2015 in den Himmel

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam.

Ahrar al-Scham gehört zu den stärksten Milizen im Nordwesten Syriens. Kritiker werfen der von Al-Kaida-Veteranen gegründeten Gruppe eine große Nähe zu dem Terrornetzwerk vor. Auch Ahrar al-Scham will einen "islamischen Staat", in dem die Scharia, das Recht Gottes, gilt. Viele Rebellen halten die Gruppe jedoch für moderater als IS und Nusra-Front. Ahrar al-Scham gehört zum Hohen Verhandlungskomitee (HNC), das die Opposition bei den Friedensgesprächen in Genf vertritt.

Wie Ahrar al-Scham wird auch Dschaisch al-Islam Experten zufolge von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützt. Die Miliz ist vor allem in dem hart umkämpften Gebiet östlich von Damaskus stark. Auch sie gehört zum HNC. Ihr Vertreter Mohammed Allusch trägt sogar den Titel "erster Verhandler".

Teilweise kooperieren die Rebellen mit der Al-Nusra-Front, einem kampfstarken Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Sie ist ideologisch eng mit dem IS verwandt ist, beide Gruppen sind allerdings miteinander verfeindet.

Hisbollah

Hisbollah-Kämpfer und syrische Armeesoldaten stehen auf einem Lastwagen mit Hilfsgütern

Die libanesische Schiitenmiliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg seit langem an der Seite des Regimes. Sie wird von Iran finanziert, der Präsident Assad an der Macht halten will, um die Achse Libanon-Syrien-Irak-Iran zu sichern. Die USA haben die "Partei Gottes" auf ihre Terrorliste gesetzt, die EU betrachtet ihren militärischen Arm als Terrororganisation.

Opposition

syrische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen (HNC), dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die USA und der Westen

Fregatte Augsburg der Bundesmarine

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte "Augsburg", die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Archiv - Ein russischer SU-34 Kampfjet beim Abwurf ein Bombe am 09.12.2015

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Hassan Rohani

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Erdogan und König Salman

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

28.02.2016, Quelle: ap, dpa
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