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Wahlkampf im Netz "Nicht einfach darauf los twittern"

VideoWahlkampf im Netz
Dos und Don'ts

Tweets, Posts, Likes - was geht und was nicht beim Wahlkampf im Netz? Julius van de Laar und Martin Fuchs kennen die wichtigsten Dos und Don’ts.

(03.07.2017)

von Alica Jung

Die Aufregung um den Tweet von CDU-Generalsekretär Peter Tauber zu Minijobs hat mal wieder gezeigt: Soziale Netzwerke sind längst ein Spielort der Politik geworden. Im Netz steckt gerade im Wahlkampf für die Parteien großes Potential - wenn sie es richtig nutzen, sagen Experten. 

Bereits zwischen den letzten beiden Bundestagswahlen hat sich die Art und Weise, wie Parteien soziale Medien für ihren Wahlkampf nutzen, verändert. Digitale Strategien wurden ausgebaut, Posts und Tweets sind nicht mehr nur Begleiterscheinungen. Social Media ist in der Politik angekommen, meldete der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., BITKOM schon damals, kurz vor der Wahl 2013.

Stellenwert des Onlinewahlkampfs

Inzwischen ist der Onlinewahlkampf fester Bestandteil jeder politischen Wahlkampagne. Es wird nicht mehr zwischen digitalem Wahlkampf und Offline- oder Straßenwahlkampf unterschieden. "Dadurch, dass sich immer mehr Menschen im Netz informieren, werden vermehrt personelle Ressourcen in den virtuellen Wahlkampf gesteckt und Online-Auftritte von Kandidaten und Parteien professionalisiert", sagt der Wahlbeobachter Martin Fuchs. Allerdings steht der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017 noch am Anfang. Nach Einschätzung des Kampagnenmanagers Julius van de Laar, der auch schon für den früheren US-Präsident Barack Obama Wahlkampf gemacht hat, beginnt erst in den letzten vier Wochen vor der Wahl die entscheidende Phase.

Vorteile von Sozialen Medien

Im Vergleich zum Wahlkampf in Print- und TV-Medien oder dem Straßenwahlkampf hat der Stimmenfang im Netz einen großen Vorteil: die Geschwindigkeit. Tagesaktuelle Themen können sofort zu Wahlkampfzwecken umgesetzt werden. Kandidaten sind so in der Lage, aktuelle öffentliche Debatten mitzugestalten und innerhalb von nur wenigen Minuten darauf einzugehen. Dadurch sei eine direkte Kommunikation mit Unterstützern möglich und die Debatte könne über die eigene Haltung gespiegelt werden, so van de Laar. Die politische Information erreicht den potenziellen Wähler demnach direkt.

Netz als Laborraum

Das Netz biete Parteien die Möglichkeit sich auszuprobieren. Besonders kleine Parteien seien online gut aufgestellt, meint Martin Fuchs. Sie nutzen öffentliche Diskussionen, um im Internet auf sich aufmerksam zu machen. Das Netz ermöglicht eine Kommunikation mit den Wählern auf Augenhöhe und Feedback in Echtzeit. Dieser direkte Austausch mit den Usern muss aber auch genutzt werden. Reine Meldungen, die es nicht auf eine Interaktion abgesehen haben, würden voraussichtlich nicht viral gehen, so die Experten.

Dos und Don'ts

In ihren Tweets und Posts unterscheiden sich Parteien und Kandidaten oftmals sehr stark. Nach Einschätzung von Julius van de Laar sind Meldungen ohne konkrete Strategie und roten Faden problematisch. Er rät: "Nicht einfach darauf los twittern, sondern ein klares Ziel vor Augen haben." Potenzielle Wähler müssen also am Ende nicht nur angesprochen, sondern vor allem mobilisiert werden. Es reicht nicht nur ein virtuelles Like, was zählt ist der aktive Gang zur Wahlurne. Relevant für den Online-Erfolg ist die Reichweite. Häufig haben Parteien, die bereit sind zu polarisieren, die höchsten Wachstumszahlen.

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Essentiell für den viralen Erfolg eines Posts ist nach Einschätzung der Experten auch die Optik. Zudem sollte vorab die virtuelle Zielgruppe eindeutig definiert sein. Posts und Tweets brauchen klare Botschaften, damit deutlich wird, wofür die Partei steht. Es gebe allerdings nicht den einen Post, der sicher viral geht, sagt Martin Fuchs.

Julius van de Laar ist sich sicher: "Der Bundestagswahlkampf 2017 wird zwar nicht im Netz gewonnen, aber er kann dort verloren werden". Oder mit anderen Worten: Im Netz wird alles quittiert, sowohl positive als auch negative Tweets. Wer es nicht schafft, die Wähler über soziale Medien anzusprechen und nicht in Interaktion mit ihnen tritt, ist in der allgemeinen Wahrnehmung im Zweifelsfall weniger präsent.

09.07.2017
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