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Walsterben in der Nordsee Sturm verzögert Pottwal-Bergung

Video"Wohl falsch abgebogen"
Pottwale am Strand des Wattemeers.

"Im flachen Nordseewasser verlieren die Wale die Orientierung, das Echolot funktioniert nicht mehr". Jörn Ehlers vom WWF erklärt, warum acht Pottwale am Strand des Wattemeers verendeten.

(02.02.2016)

VideoPottwale werden untersucht
Mindestens zwölf Pottwale sind in den letzten Tagen in der Nordsee verendet. Experten wollen jetzt herausfinden, warum sich die Wale in die Nordsee verirrt haben.

Mindestens zwölf Pottwale sind in den letzten Tagen in der Nordsee verendet. Experten wollen jetzt herausfinden, warum sich die Wale in die Nordsee verirrt haben.

(15.01.2016)

VideoJapan nimmt Walfang wieder auf
Trotz internationaler Proteste nimmt Japan den Walfang in der Antarktis wieder auf. Ein Schiff werde heute zur

Trotz internationaler Proteste nimmt Japan den Walfang in der Antarktis wieder auf. Ein Schiff werde heute zur "Walforschung" in See stechen, teilte Japans Fischereibehörde mit.

(01.12.2015)

Wenige Wochen nach dem Fund mehrerer toter Pottwale sind jetzt gleich acht junge Bullen im Wattenmeer gestrandet und qualvoll verendet. Heute sollte die Bergung der Kadaver starten. Daraus wird jetzt aber erstmal nichts. Ein Sturm verzögert das Vorhaben. Nächster Versuch: Mittwoch. 

Die acht im Wattenmeer der Nordsee entdeckten Pottwalkadaver können frühestens am Mittwoch geborgen werden. "Wegen des starken Westwinds läuft das Wasser nicht wie sonst ab", sagte der Leiter der Nationalparkverwaltung, Detlef Hansen, am Dienstag. "Deswegen kommen wir mit den landgängigen Fahrzeugen nicht dorthin." Am Mittwoch soll sich das Wetter beruhigen und erneut ein Bergungsversuch unternommen werden.

Zwischen neun und zwölf Meter lang sind die jungen Bullen, deren Bergung heute von Land aus starten sollte.

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Etwa zwei Kilometer vor dem Deich in der Nähe von Friedrichskoog auf dem Grund des Wattenmeeres vor Dithmarschen waren die Meeressäuger am Sonntagabend entdeckt worden. "Eines der Tiere lag zu diesem Zeitpunkt im Sterben, die anderen waren tot", hieß es in einer Mitteilung des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Alle Tiere liegen dicht beieinander in der nicht zugänglichen Zone 1 des Nationalparks Wattenmeer.

Allein 16 tote Pottwale im Januar

Insgesamt sind damit in den vergangenen Wochen mindestens 24 Pottwale an den Nordseeküsten aufgetaucht: 14 in Deutschland, 6 in den Niederlanden und 4 in Großbritannien. Erst vor drei Wochen waren insgesamt zwölf tote Pottwale im Wattenmeer entdeckt worden, drei davon in Schleswig-Holstein. Ende Januar wurden zudem vier Tiere an der Küste Ostenglands angeschwemmt. Experten vermuten, dass sie sich auf ihren Wanderrouten verschwommen haben.

Seit den 1990er Jahren strandeten nach Angaben des LKN damit 82 Pottwale an der Wattenmeerküste Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande.

Pottwale kommen nur gelegentlich in der Nordsee vor. Sie gehören zum sogenannten Azorenbestand. Dessen Männchen verbringen den Winter im Nordatlantik. Einzelne Tiere verirren sich in die Nordsee, die für sie zu flach und nahrungsarm ist. Experten gehen davon aus, dass sich die Wale mit ihrem akustischen Orientierungssinn in der Nordsee nur schlecht orientieren können. Geraten die tonnenschweren Tiere ins Flachwasser und bleiben auf dem Grund liegen, kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge erdrücken. Die Tiere sterben dann an akutem Herz-Kreislauf-Versagen.

Unterwasserlärm: Mögliche Ursache für Orientierungsverlust

Die flache Nordsee ist schon seit hunderten Jahren als tödliche Falle für Pottwale bekannt. Strandungen sind nach Angaben des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. "Bisher haben wir keine direkten Hinweise, dass ein bestimmter, einzelner Einfluss dazu geführt hat, dass die Tiere in die Nordsee kommen und stranden", sagte Institutsleiterin Ursula Siebert. Dass viele Tiere auf einmal stranden, könne damit zu tun haben, dass sich die Pottwal-Bestände erholt hätten und damit mehr Tiere auf die Wanderroute gingen.

Tatsächlich ist aber unklar, warum die Tiere bei ihren Wanderungen nördlich von Großbritannien vom Kurs abkommen und in die Nordsee abbiegen. Wanderungsverhalten und Orientierungssinn der Tiere sind längst nicht vollständig erforscht. Nach Angaben des WWF und der Umweltschutzorganisation Greenpeace gilt aber Unterwasserlärm als eine wahrscheinliche Ursache dafür, dass die Wale bei der Orientierung gestört werden. Vor Großbritannien und Norwegen gibt es große Offshore-Förderfelder mit vielen Bohrinseln und Schiffen.

Wale reagieren auf hochfrequente Töne

Warum Schallwellen durch das Meer geschickt werden

Grafik: Schallwellen treffen auf Meeresboden

Bei der Suche nach fossilen Brennstoffen im Meeresboden setzen Energieunternehmen auf Schallwellen außerhalb des menschlichen Hörbereichs. Dabei senden sie Infraschall aus, der tief in den Meeresboden eindringt. Über das Echo erhalten sie Hinweise auf Öl- und Gasvorräte.

Wieso die Marine mit Schallwellen arbeitet

Fregatte Emden

Auch bei der Marine kommen Schallwellen zum Einsatz, die für das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmbar sind. Mit Sonaren, die hochfrequente Schallwellen aussenden, lassen sich bei Manövern etwa U-Boote aufspüren. Damit funkt der Mensch aber der empfindlichen Lebenswelt im Meer dazwischen.

Warum Wale sensibel auf Schall reagieren

Zwei Wale schimmen nebeneinander

Wale kommunizieren genau in den Frequenzbereichen, die diese Techniken nutzen. Ihnen dient der Schall auf ihren weiten Wegen durch die Ozeane zur Orientierung in der Tiefe, sie spüren damit potenzielle Fortpflanzungspartner auf und orten Beute. Der Sehsinn der Wale ist nur schwach ausgeprägt. In der dunklen Tiefsee ist ihr Biosonar unverzichtbar. Das Reflektionsmuster der ausgesandten Schallwellen verrät den Walen, was in ihrer Nähe gerade geschieht. Die Orientierung mit Schallwellen ist für Wale lebensnotwendig. Doch der Mensch verursacht im Meer einen Höllenlärm.

Wieso Wale unter Schallwellen leiden

Grafik: Aufname von Schalllwellen bei Walen

Das Gehör der Tiere ist hochempfindlich. Zahnwale nehmen Geräusche zunächst über den Kieferknochen auf, der die Information über das innere Ohr an das Gehirn weiterleitet. Der Schall bei der Rohstoffsuche erzeugt bis zu 260 Dezibel. Im Vergleich: Für das menschliche Gehör wäre das doppelt so laut wie ein startender Düsenjet. Die Wale erleiden einen Lärmschock, sie verlieren die Orientierung und sind über Stunden wie gelähmt.

Warum Lärm unter Wasser Wale stranden lässt

Wale sammeln sich

Wie auch beim Menschen werden die Reize im limbischen System verarbeitet. Es warnt den Körper vor der Bedrohung. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet und überfluten den Körper. Das Herz beginnt zu rasen. Der Wal wird in einen physischen Ausnahmezustand versetzt. Die Tiere verlieren die Orientierung, viele stranden. Seit den späten 1980er-Jahren nahmen mit der intensiven Suche nach fossilen Brennstoffen Walstrandungen zu.

Wie Wale auf militärische Manöver reagieren

Gestrandete Wale in Australien

Auffällig oft stranden Wale auch in der Nähe von militärischen Operationen der Marine. Forscher beobachten die Reaktionen der Tiere bei solchen Manövern. Gruppen von Walen rotten sich an der Küste panisch zusammen, sobald die Militärkreuzer mit dem Sonar Schallwellen in die Tiefe senden. Das Militär benutzt ausgerechnet jene Frequenzen, mit denen auch viele Walarten kommunizieren. Nur um ein Vielfaches lauter. Das Echo der Schallwellen verursacht zusätzliches Lärmchaos, das die Tiere vollkommen verstört. Erst wenn die Schiffe das Sonar abstellen und sich von der Küste entfernen, trauen sich die Meeressäuger wieder auf den Ozean hinaus.

Wie Richtlinien Wale retten können

Zwei Wale im Wasser

Schiffslärm, militärische Manöver und Rohstoffsuche beeinträchtigen die Kommunikation und damit die Orientierung von vielen Walarten. Der zunehmende Lärm schädigt ihr sensibles Gehör, das ihnen das Überleben sichert. Forscher schlagen längst Alarm und haben mit ihren Warnungen zumindest teilweise Erfolg. Vor den Küsten der Kanarischen Inseln wurden Militärmanöver mit Sonareinsatz verboten. Seither strandet zumindest dort kein Wal mehr.

02.02.2016, Quelle: dpa, afp
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