26.06.2016
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merkzettel

Volkskongress Was Chinas Schwäche für die Welt bedeutet

VideoChina investiert in Deutschland
Maschinenbaufirma in Friedberg

Nie war das Engagement chinesischer Investoren in Deutschland so stark wie heute. Die Befürchtung, es würde nur ein Ausverkauf deutscher Firmen und Technologie stattfinden, hat sich nicht bestätigt.

(10.03.2016)

VideoChina senkt Wachstumsprognose
Chinas Wirtschaft verzeichnet aufgrund fehlender Innovationen kaum noch Wachstum

China hat seine Wachstumsprognose für 2016 auf 6,5 bis sieben Prozent gesenkt. Für 2016 hatte die Regierung zunächst ein Plus von "rund sieben Prozent" erwartet.

(05.03.2016)

VideoChinas Exporte brechen ein
Chinas Außenhandel bricht ein

Mit Chinas Außenhandel geht es weiter steil bergab. Die Ausfuhren sanken in diesem Monat im Vergleich zum Februar des Vorjahres um 20,6 Prozent - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

(08.03.2016)

von Brigitte Scholtes

Viele Staaten profitieren vom Wachstum der Volksrepublik China. Doch der Wachstumstreiber stottert gewaltig, und die weltweite Wirtschaft könnte unter die Räder geraten. Auch Deutschland würde dann vor Herausforderungen stehen. Panik sei aber unangebracht, sagen Experten. 

"Deutsche Exporte sind doppelt unter Beschuss" überschreibt die DB Research, die Forschungseinrichtung der Deutschen Bank, ihren Ausblick für Deutschland. Die Konjunkturdaten weltweit enttäuschten, zudem werte der Euro gegenüber den Schwellenländern auf, inzwischen aber auch gegenüber den anderen Industrieländern. Das macht die Produkte aus Deutschland dort teurer. Deshalb werde das laufende Jahr "herausfordernd", glauben die Ökonomen der Bank.

"Zu Panik aber ist kein Anlass"

Bezogen auf China jedoch schränkt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba, das etwas ein: "Psychologisch ist die Wirkung der schlechten Zahlen größer als realwirtschaftlich", sagt er. Denn mit einem Anteil von fünf Prozent am deutschen Export sei China zwar wichtig, aber dennoch kein erstrangiger Handelspartner der deutschen Wirtschaft. Aber allein die Größe der chinesischen Volkswirtschaft zeigt Auswirkungen: Die starke Dynamik in China habe entsprechenden Wachstumsimpulse weltweit gegeben, sagt Brzeski. Wächst die chinesische Wirtschaft wie nach dem neuen Fünfjahresplan vorgesehen jährlich um 6,5 Prozent, dann entspreche das der Größe der Volkswirtschaft der Schweiz. "Zu Panik aber ist kein Anlass", mahnt der Ökonom.
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Die Finanzmärkte neigen jedoch genau dazu, wie sich am Jahresanfang gezeigt hat. Denn es kommen in der letzten Zeit zu viele schwache Wirtschaftsdaten aus China. Die sind zwar zu erwarten, will die chinesische Regierung doch die Volkswirtschaft umstellen: Sie will nicht mehr "Werkbank der Welt" sein, sondern innovativer werden, die Binnennachfrage im eigenen Land ankurbeln und sich stärker auf Dienstleistungen konzentrieren. Darunter leiden die Partnerländer. So ist China zweitgrößter Handelspartner Europas nach den USA, 70 Prozent der Exporte aus Europa werden von deutschen Unternehmen geliefert. Die deutsche Industrie beobachtet diese Entwicklung deshalb sehr aufmerksam: "Der chinesische Markt braucht mehr Chemikalien, als das Land selbst produzieren kann", sagt etwa Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der chemischen Industrie (VCI).

Auch der Maschinenbau noch nicht verzagt

Deshalb sind die Exporte der deutschen Chemieindustrie ins Reich der Mitte seit 2004 um im Schnitt 14,4 Prozent jedes Jahr gewachsen. Doch China baut immer mehr Produktionskapazitäten im Land auf, wenn auch zunächst für Basischemie und nicht für komplexere Produkte, die die deutschen Unternehmen eher fertigen. Doch das Ende des chinesischen Wirtschaftsbooms treffe die exportorientierte deutsche Industrie, meint Tillmann: "Daher dämpft die wirtschaftliche Schwäche Chinas auch unser Inlandsgeschäft", sagt er und beruhigt dann aber, China bleibe weiter ein dynamischer Industriestandort.

Auch der Maschinenbau ist noch nicht verzagt: Noch könne man keine Auswirkungen feststellen, sagt Oliver Wack, Außenhandelsexperte des Branchenverbands VDMA. Denn Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen hätten eine lange Lieferzeit von sechs bis neun Monaten. Zudem seien die Unternehmen breit aufgestellt, sie lieferten zum einen mehr in die USA oder die europäischen Nachbarländer. Und von der stärkeren Ausrichtung der chinesischen Volkswirtschaft auf qualitativ hochwertige Produkte könnten die deutschen Firmen profitieren. Ähnliches gilt für die deutsche Autoindustrie. Erste Bremsspuren im Pkw-Absatz gab es schon Mitte des letzten Jahres. Die dürften sich trotz Kaufanreizen der chinesischen Regierung auch fortsetzen, glaubt Volkswirt Brzeski.

Noch leidet die deutsche Beschäftigung noch nicht

Andererseits aber setze sich die Migration in China von den ländlichen Gebieten in die Städte fort. Das spreche für eine wieder steigende Nachfrage nach Autos. Diese Nachfrage zeigt sich aber weniger im Export, denn viele deutsche und internationale Hersteller haben Werke vor Ort aufgebaut. Das macht sie gleichzeitig anfälliger für die Schwankungen des chinesischen Marktes. Die Auswirkungen kann man jedoch mittlerweile weniger in der Handelsstatistik als an den Bilanzen der einzelnen Unternehmen ablesen. Die Beschäftigung in Deutschland dürfte deshalb mittelfristig noch nicht darunter leiden.

Allerdings hatte die Deutsche Bundesbank schon im vergangenen Sommer gemahnt, man dürfe die Auswirkungen auf die deutsche und europäische Wirtschaft nicht unterschätzen: Denn man könne die psychologischen Faktoren wie Verunsicherung und Vertrauensverlust nicht in Modellen berechnen. Die Psychologie wirkt also nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch auf die Käufer und Produzenten. Kurzfristig droht der deutschen Wirtschaft offenbar kein Ungemach. Aber auf die leichte Schulter sollte man die chinesische Wirtschaftsentwicklung auch nicht nehmen. Die hängt davon ab, ob den Chinesen die Umstrukturierung gelingt.

Chinas größte Wirtschaftsprobleme

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Überkapazitäten

Die zu hohe Produktion ist nach Einschätzung von Ökonomen derzeit das gravierendste Problem der chinesischen Wirtschaft. Praktisch alle wichtigen Industriezweige des Landes leiden unter großen Überkapazitäten. Laut einer Studie der Europäischen Handelskammer in Peking betrugen etwa die Produktionskapazitäten der Stahlindustrie im Jahr 2014 1,14 Milliarden Tonnen. Produziert wurden allerdings nur 813 Millionen Tonnen. Damit besteht eine Überkapazität der Stahlproduzenten von 327 Millionen Tonnen. Peking stößt beim Abbau der Überkapazitäten auf großen Widerstand bei Lokalregierungen. Die Angst der Provinzen: Wenn Millionen Menschen ihre Jobs verlieren, könnte das zur Gefahr für die Stabilität werden.

Aktienmarkt

Ab Mitte 2014 legte Chinas Leitindex in Shanghai binnen eines Jahres um über 150 Prozent zu, weil sich vor allem Privatleute im Börsenfieber verschuldeten und Aktien auf Pump kauften. Es passierte, was passieren musste: Die Blase platzte und seit den Hochständen im vergangenen Sommer haben sich die Kurse fast halbiert. Experten sagen, Chinas Regierung hat bei der Bewältigung der Krise keine gute Figur gemacht. Mit Verkaufsverboten für Aktien, erzwungenen Handelspausen und Aktien-Aufkaufprogrammen in Milliardenhöhe versuchte Peking den Kursrutsch zu stoppen, erreichte aber das Gegenteil: Die Verunsicherung nahm weiter zu. Der bisherige Chef der Börsenaufsicht Xiao Gang musste deshalb inzwischen seinen Hut nehmen. Ob das reicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, ist jedoch fraglich.

Währung

Binnen eines Jahres hat der chinesische Yuan um rund fünf Prozent zum US-Dollar an Wert verloren. Immer mehr Spekulanten wetten darauf, dass dieser Abwärtstrend weiter geht: Der bekannte US-Hedgefonds Kyle Bass prognostizierte etwa Ende Januar, dass Chinas Währung in den kommenden drei Jahren um 40 Prozent einbrechen wird. Ähnliche Töne schlug auch Investorenlegende George Soros an, der eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft "unausweichlich" nannte. Pekings Zentralbank versuchte zuletzt, den Yuan mit Verkäufen von Teilen seiner gewaltigen Devisenreserven zu stützen. In den vergangenen zwölf Monaten schrumpften die Reserven im Rekordtempo um mehr als 500 Milliarden auf nun noch 3,3 Billionen Dollar.

Schulden

Chinas Verschuldung steigt in einem besorgniserregenden Tempo: Seit 2007 haben sich die Verbindlichkeiten mehr als verdoppelt. Bedenklich sind dabei vor allem die hohen Schulden staatlicher Unternehmen sowie der Provinzregierungen. Die haben sich seit der globalen Finanzkrise 2008 immer weiter verschuldet, um mit Infrastrukturprojekten die Wirtschaft am Laufen zu halten. Laut Schätzungen von Ökonomen dürfte Chinas Gesamtverschuldung bis 2019 auf einen Wert von 283 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Chinas Banken müssen sich deshalb in den kommenden Jahren auf eine steigende Zahl von Kreditausfällen einstellen.

10.03.2016
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