01.07.2016
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merkzettel

Weltwirtschaftsforum in Davos Die Wirtschaft und die Revolution

BildDavos-Thema Industrie 4.0
Industrieroboter in der Digitalen Fabrik von Siemens und Airborne in Den Haag

Industrie 4.0 ist das Thema beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

(Quelle: dpa)

Video"Migration als Stabilitätsrisiko"
Stefan Leifert

"In Davos ist das offizielle Thema die Industrielle Revolution 4.0. Das inoffizielle Thema ist die Flüchtlingskrise", so ZDF-Reporter Stefan Leifert. Ziel des Weltwirtschaftsforums sei der Dialog.

(20.01.2016)

VideoIran: Neue Ära nach Atomabkommen
Irans Präsident Hassan Ruhani

Die USA und die EU haben ihre Sanktionen gegen Iran aufgehoben. Zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt, dass Iran sein Atomprogramm wie vereinbart zurückgefahren hat.

(17.01.2016)

von Reinhard Schlieker

In den Schweizer Alpen beginnt das rituelle Treffen der Mächtigen und Wortgewaltigen, der Schönen und Weisen: Mehr als 2.500 Gäste, nicht nur Wirtschaftsmagnaten, streben nach Davos zum Gipfel. Industrie 4.0 lautet das Stichwort. Aber damit ist noch längst nicht alles gesagt. 

Dank des sehr konkreten Oberthemas - zumindest für die Verhältnisse des World Economic Forum (WEF) - können sich die Teilnehmer diesmal auch etwas vorstellen unter der Problemlage, die das Forum beschäftigen soll. Das brachte sonst meist Abwandlungen seines Handlungswahlspruchs "Bestrebt, den Zustand der Welt zu verbessern". Dafür gibt es natürlich viel Zustimmung allerorten.

Gewerkschaften kämpfen um Erhalt von Arbeitsplätzen

Reinhard Schlieker

Reinhard Schlieker
Quelle: imago/APress

Was den Einfluss des Neuen, des Digitalen und Robotergesteuerten auf die Industrie angeht, zeigen sich gleich zu Beginn die Kampflinien: Die internationalen Gewerkschaftsverbände meldeten sich mit dem Hinweis, dass die Revolution in der Industrie weltweit 500 Millionen Arbeitsplätze vernichten, jedoch nur 200 Millionen neue schaffen werde. Ergo kämpfe man dafür, dass die neue Wirtschaftswelt nicht zulasten der Arbeitnehmer gestaltet werden dürfe.

Auf den Podien im beton-hässlichen, aber innen aufwendig umgestalteten Kongresszentrum mitten in Davos sind die Gewerkschaften ebenso präsent wie die Manager, die Unternehmer, rund 120 Diplomaten und Spitzen-Regierungsvertreter. Von deutscher Seite will Bundespräsident Joachim Gauck dabei sein, es kommen fünf US-amerikanische Minister inklusive Vizepräsident Joe Biden, der britische Regierungschef David Cameron, aber auch Vertreter Chinas, Irans, arabische Potentaten und afrikanische Würdenträger.

Wissenswertes zum Elitentreffen in Davos 
  • Debatten

    Das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Wintersportort Davos findet vom 20. bis zum 23. Januar statt. In der Zeit wird über das Programm mit mehr als 100 Seiten debattiert. Es geht um Konflikte und neue globale Herausforderungen. Übergreifendes Motto: "Die Meisterung der vierten industriellen Revolution".

  • Teilnehmer

    2.500 Politiker, Manager und Wissenschaftler aus mehr als 100 Ländern nehmen in Davos teil. Auch die Hollywoodstars Leonardo DiCaprio und Kevin Spacey kommen. Bundespräsident Joachim Gauck vertritt Deutschland.

  • Kosten

    Laut WEF kostet das Forum umgerechnet 32 Millionen Euro - statistisch 12.800 Euro pro Teilnehmer. Dabei zahlen die meisten Gäste Anreise und Unterkunft selbst. Die Kosten für den Sicherheitsaufwand dürften enorm sein, werden aber geheim gehalten.

  • Finanzierung

    Dem WEF gehören 1.000 der weltgrößten Unternehmen an. Der WEF-Jahresbeitrag liegt - je nach Firmengröße und Umfang der Beteiligung - zwischen 50.000 und 500.000 Franken (458.000 Euro).

  • Sicherheit

    1.000 Polizisten und 3.000 Soldaten sind während des Gipfels im Einsatz, 2.000 weitere in Reserve. Kampfjets sichern den gesperrten Luftraum, am Boden Flugabwehrwaffen, Straßensperren und Sicherheitsschleusen.

  • Gastronomie

    Die rund 90 Hotels und weit mehr Restaurants sind ausgebucht - und meist viel teurer als sonst.

  • Davoser Nächte

    Gut ein Dutzend Partys steigen pro Nacht, die begehrtesten mit Vertretern des Hochadels und Hollywoods. Gastronomen haben den Gesamtumsatz voriges Jahr auf 35 Millionen Euro geschätzt.

  • Literatur

    Thomas Mann (1875-1955) verhalf Davos mit seinem 1924 erschienenen Roman "Der Zauberberg" zu Berühmtheit. Im darin beschriebenen Waldsanatorium wurde seine Frau Katia gepflegt. Es ist heute ein Luxushotel.

Man will nicht "Käseglocke" sagen

Für Diskussionen um Ölpreis, Wachstum der Weltwirtschaft (gerade heruntergesetzt auf nur noch 3,5 Prozent für 2016) und Börsencrashs ist personell und logistisch gesorgt. Dass alle wieder genauso gesund wegfahren können wie sie gekommen sind, will neben der Kantonspolizei auch das schweizerische Militär beschirmend ermöglichen. Die Luftwaffe nennt das Sicherheitskonzept "Davoser Glocke" und ahnt kaum, wie treffend der Begriff für das Ereignis unter derselben wirkt.

Man will nicht "Käseglocke" sagen, aber die vollkontrollierte, abgeriegelte Welt des Wohlstands am Berge hat etwas davon. Hotels, Restaurants, alles im Ausnahmezustand, auch was den Umsatz angeht: 46 Millionen Franken bringt es den Davoser Gewerbetreibenden. Wenn alles gutgeht. Die besondere Aufmerksamkeit der Polizei und ihrer Hunde für Sprengstoff ist dieses Jahr der aktuellen Entwicklung im Terrorismus geschuldet. Der Takt durch die Untaten der letzten zwölf Monate ist vorgegeben.

Hier kommt die Netzökonomie

Weitere Links zum Thema
Aufgrund des aktuellen Mottos ist der Besuch durch Vertreter der Netzökonomie keine Überraschung. Google, Alibaba, wie sie alle heißen. Immerhin, so berichtet es die "Wirtschaftswoche", sind 941 der rund 2.500 Teilnehmer aktiv twitternd unterwegs. Unter ihnen Bill Gates - natürlich - Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales, Google-Obermeister Eric Schmidt oder der Schauspieler Kevin Spacey. Königin Rania von Jordanien lässt sich auch da nicht lumpen - und Börsencrash-Prophet Nouriel Roubini versorgt die zitternde Gemeinde twitternd mit schaurigen Prognosen.

Wenn man davon ausgeht, dass rund ein Fünftel der Gemeldeten Sicherheitspersonal ist, ein Viertel Mitarbeiter des Forums und nur ein Drittel (heftig) zahlende Gäste, dann wirkt die Modernität schon beeindruckend. Die Glocke der Luftwaffe lässt elektronische Signale jedenfalls durch – die Welt wird also irgendwie mit dabei sein können, wenn die Prominenz sich austauscht.

Hintergrund: Weltwirtschaftsforum Davos

Wichtiger Treffpunkt für Politiker und Manager

Logo des Weltwirtschaftsforum am 18. Januar 2016 im Kongresszentrum Davos

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für Spitzenpolitiker, Topmanager und Wissenschaftler. Neben live übertragenen Auftritten können die Teilnehmer in dem luxuriösen Schweizer Wintersportort zwanglos über globale Herausforderungen debattieren.

Nicht selten werden in solchen vertraulichen Runden Auswege für komplizierte Probleme und Konflikte erörtert - von der Euro-Schuldenkrise über den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zum andauernden Syrien-Krieg und der maßgeblich dadurch verursachten Flüchtlingskrise.

Forum will Zustand der Welt verbessern

Erklärtes Ziel des "World Economic Forum" ist es, "den Zustand der Welt zu verbessern". Dass dabei auch das Knüpfen geschäftlicher und politischer Kontakte bestens möglich ist, gilt als willkommener Nebeneffekt. Gegründet wurde das WEF von dem aus Ravensburg stammenden Ökonomie-Professor Klaus Schwab.

Der heute 77-Jährige will die unabhängige Stiftung WEF nach eigenem Bekunden noch führen, "solange ich die Kraft dazu habe". Dem Forum gehören mehr als 1.000 Unternehmen an - darunter 122 der weltweit größten Konzerne als sogenannte strategische Partner.

(Quelle: dpa)

20.01.2016
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