27.06.2016
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merkzettel

Großes Thema Flüchtlinge Gauck in Davos: "Europa darf nicht zerbrechen"

BildJoachim Gauck
Bundespräsident Joachim Gauck beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 20.01.2016

(Quelle: reuters)

VideoWeltwirtschaft orientiert sich um
Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms

Die Weltwirtschaft orientiere sich zunehmend an Umweltverträglichkeit und CO2-Neutralität, sagt UN-Umweltprogrammchef Steiner. Die Ambitionen des Pariser Klimaabkommens würden ständig erhöht.

(09.12.2015)

VideoDavos: Thema Flüchtlinge
Stefan Leifert

"In Davos ist das offizielle Thema die Industrielle Revolution 4.0. Das inoffizielle Thema ist die Flüchtlingskrise", so ZDF-Reporter Stefan Leifert. Ziel des Weltwirtschaftsforums sei der Dialog.

(20.01.2016)

Bundespräsident Joachim Gauck hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos die deutsche Flüchtlingspolitik verteidigt, die fehlende osteuropäische Solidarität scharf kritisiert - und sich klar gegen Grenzkontrollen innerhalb Europas ausgesprochen.  

Bundespräsident Joachim Gauck hat scharfe Kritik an der mangelnden europäischen Solidarität in der Flüchtlingskrise geübt. Vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos sagte er, es sei verständlich, dass in den Ländern Mittelosteuropas die Angst vor Veränderung und die Sorge um die nationale Identität besonders groß seien. "Ich kann aber nur schwer verstehen, wenn ausgerechnet Länder Verfolgten ihre Solidarität entziehen, deren Bürger als politisch Verfolgte einst selbst Solidarität erfahren haben." Die Aufnahme Verfolgter sei ein Gebot humanitärer Verantwortung.

Weitere Links zum Thema

Gauck warnte: "Wollen wir wirklich, dass das große historische Werk, das Europa Frieden und Wohlstand gebracht hat, an der Flüchtlingsfrage zerbricht? Niemand, wirklich niemand, kann das wollen." Der Bundespräsident sprach sich auch gegen die Einführung von Grenzkontrollen innerhalb Europas aus. Der Verlust der Freizügigkeit wäre keine gute Lösung. "Sollte uns wirklich nichts Besseres gelingen?" fragte er.

Keine mathematische Formel

Für die Aufnahmefähigkeit von Gesellschaften gebe es "keine mathematische Formel", sagte Gauck weiter. Dies unterliege einem permanenten Aushandlungsprozess in Gesellschaft und Politik. Es könne dabei aber nötig sein, Begrenzungen durchzusetzen. "Wenn nicht Demokraten über Begrenzungen reden wollen, wird Populisten und Fremdenfeinden das Feld überlassen." Weiter betonte er aber: Wer von Begrenzung spricht, darf von Grenzen nicht schweigen". Etwaige Nützlichkeitserwägungen dürften bei Flüchtlingen kein Maßstab sein.

ZITAT
Wenn nicht Demokraten über Begrenzungen reden wollen, wird Populisten und Fremdenfeinden das Feld überlassen.
Bundespräsident Gauck in Davos
Mit rund 2.500 Politikern, Managern und Wissenschaftlern aus mehr als 100 Ländern hat am Mittwoch im Schweizer Alpenkurort Davos die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) begonnen.

Dabei gehört die Flüchtlingskrise zu den herausragenden Themen - neben den Risiken durch die Konjunkturschwäche in vielen Volkswirtschaften sowie den Folgen der Digitalisierung. Um die Bewältigung der Flüchtlingskrise geht es auch am Abend bei einer Diskussionsrunde mit Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD).

Hintergrund: Weltwirtschaftsforum Davos

Wichtiger Treffpunkt für Politiker und Manager

Logo des Weltwirtschaftsforum am 18. Januar 2016 im Kongresszentrum Davos

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für Spitzenpolitiker, Topmanager und Wissenschaftler. Neben live übertragenen Auftritten können die Teilnehmer in dem luxuriösen Schweizer Wintersportort zwanglos über globale Herausforderungen debattieren.

Nicht selten werden in solchen vertraulichen Runden Auswege für komplizierte Probleme und Konflikte erörtert - von der Euro-Schuldenkrise über den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zum andauernden Syrien-Krieg und der maßgeblich dadurch verursachten Flüchtlingskrise.

Forum will Zustand der Welt verbessern

Erklärtes Ziel des "World Economic Forum" ist es, "den Zustand der Welt zu verbessern". Dass dabei auch das Knüpfen geschäftlicher und politischer Kontakte bestens möglich ist, gilt als willkommener Nebeneffekt. Gegründet wurde das WEF von dem aus Ravensburg stammenden Ökonomie-Professor Klaus Schwab.

Der heute 77-Jährige will die unabhängige Stiftung WEF nach eigenem Bekunden noch führen, "solange ich die Kraft dazu habe". Dem Forum gehören mehr als 1.000 Unternehmen an - darunter 122 der weltweit größten Konzerne als sogenannte strategische Partner.

(Quelle: dpa)

20.01.2016, Quelle: ZDF, dpa
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