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Weltwirtschaftsforum Davos: Wenn Welten aufeinandertreffen

BildKerry in Davos
US-Außenminister John Kerry beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 22.01.2016

John Kerry auf dem Weltwirtschaftsforum: Was den Außenminister der USA in Rage bringt, ist Korruption.

(Quelle: reuters)

VideoDavos: Einmal Flüchtling sein
Blick auf Davos

Die Flüchtlingspolitik beschäftigt auch die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos. Einige Manager nehmen sogar an einem Rollenspiel teil, um sich in die Lage von Flüchtlingen zu versetzen.

(21.01.2016)

VideoWeltwirtschaft orientiert sich um
Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms

Die Weltwirtschaft orientiere sich zunehmend an Umweltverträglichkeit und CO2-Neutralität, sagt UN-Umweltprogrammchef Steiner. Die Ambitionen des Pariser Klimaabkommens würden ständig erhöht.

(09.12.2015)

VideoDavos: Thema Flüchtlinge
Stefan Leifert

"In Davos ist das offizielle Thema die Industrielle Revolution 4.0. Das inoffizielle Thema ist die Flüchtlingskrise", so ZDF-Reporter Stefan Leifert. Ziel des Weltwirtschaftsforums sei der Dialog.

(20.01.2016)

von Reinhard Schlieker

Die Bandbreite des Weltwirtschaftsforums in Davos sollte nie unterschätzt werden. Der Magnetismus des Treffens lädt sich auch auf an der Zahl der Welten, die hier aufeinandertreffen - wie Billardkugeln, die sich gegenseitig anstoßen und ihre jeweilige Richtung ändern. 

Kevin Spacey ist Schauspieler und vertritt die Welt von Kunst, Kultur und Unterhaltung, wie er sagt. Er ist gewiss kein Politiker, auch wenn er in der TV-Serie "House of Cards" einen amerikanischen Präsidenten spielt, der an Unanständigkeit kaum zu toppen wäre, gäbe es ihn im wahren Washington. Aber gottlob, es ist nur ein Film. Oder man hofft es zumindest.

Spacey spricht auf dem Forum in Davos von seiner Jugend, Ausbildung und seiner Faszination - die er inzwischen weitergibt mit seiner Stiftung, die jungen Leuten ferner Kulturkreise eine Entwicklung ihrer Schauspieltalente ermöglichen will - und es, wie er voller Empathie erzählt, bei jungen Mädchen in der arabischen Welt auch mitunter schafft: Ein Stipendium für eine Ausbildung in London ist dann die helfende Hand für eine Schülerin in Doha, deren Talent er gesehen und empfunden hat.

Empathie gegen Terrorismus

John Kerry, der amerikanische Außenminister, fordert mehr Empathie ein. Er spricht vor etwa zehnmal so viel Publikum wie Spacey, aber das will nichts sagen - denn für den Schauspieler musste man Schlange stehen und wurde abgewiesen, seine Veranstaltung war schon lange ausgebucht. Was wiederum bestätigt, dass Spacey recht hatte: Man braucht eine gute Geschichte, um zu wirken, die Übertragungswege sind dann herzlich egal.

John Kerry aber hat ebenfalls viele Geschichten – sie reichen von seinem absolut glaubhaften Bedauern, keinen der Davoser Hänge je abgefahren zu sein – am heutigen Tag mit wolkenlosem Himmel über dem Schnee  fühlt jeder mit. Aber im Ernst: Kerry fordert Gemeinsinn und Mitgefühl als erste Mittel gegen eine Verwahrlosung junger Leute, die nach seiner Erkenntnis dem Terrorismus ideale Nahrung bietet.

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Dann packt Kerry der Zorn

Er betont die Erfolge all jener Missionen von Afghanistan bis Syrien, wo die internationale Koalition dem Terrorkalifat vieles abgenommen hat, was die Terroristen zuvor unter ihre Knute bringen konnten. Man wundert sich über die Liste der Erfolgsmeldungen und fragt sich, ob er wohl eine Bewerbung für irgendetwas abgeben möchte.

Aber dann packt ihn der Zorn, man sieht es. Und es ist ein Zorn, der angesichts der drohenden Zerstörung dessen, wofür er einsteht, glaubwürdig wirkt. Vielleicht, ja wahrscheinlich ist er in gewisser Weise auch ein Schauspieler, aber seine Story ist gut und fesselnd. Was den Außenminister der Großmacht in Rage bringt, ist Korruption.

Kerrys Feind heißt Korruption

Kerry schildert den verzweifelten Kampf junger Leute in Afrika gegen die korrupten Eliten ihrer Länder, der zu oft im Kugelhagel von regierungsamtlich bestellten Schlägertypen endet – in Syrien, aber auch, wie er als Beispiel nennt, in Nigeria. Millionen, ja Milliarden Dollar flössen statt in Bildung in Prunk. Statt Ausbildung, Kleidung und Ernährung für eine disziplinierte Armee förderten die Industrienationen, allen voran die USA, gierige Generäle und verkommene Geschäftsleute.

Als diese Armee für den Schutz der Bevölkerung vor massakrierenden Boko-Haram-Terroristen gebraucht wurde, gab es sie nicht. Eine Geistertruppe siegt nicht gegen entschlossene Bewaffnete, noch stolz auf ihre Borniertheit, die als mittelalterlich zu bezeichnen eine Beleidigung für das Mittelalter wäre.

Kerry gibt sich entschlossen im Kampf für eine andere, eine neue Geschichte. Auch wenn sein eigenes Land nicht immer als Vorbild taugt – was er freimütig erwähnt - so nimmt man dem ehemaligen Staatsanwalt seine Mission irgendwie ab. Hinter den Kulissen, so deutet er an, läuft viel mehr an Gutem,als man so zur Kenntnis nimmt.

Die Visionen des Kevin Spacey

Vorne auf der Bühne sieht sich Kevin Spacey, der gegen eine andere Art von Obrigkeit aufbegehrt: Die Filmindustrie, die immer noch nicht begriffen habe, was ein Talent sei und was man an Kreativität fördern statt unverblümt ablehnen sollte. Dagegen setzt er die vielen Kanäle, auf denen künftig mit kleinem Budget große Kunst gemacht werde, und sogar die vielleicht einmal in den Alltag einbrechende Virtuelle Realität werde für Empathie, mehr Mitmenschlichkeit sorgen: Wenn jeder nicht nur Geschichten hören und sehen, sondern sich dreidimensional mitten in sie hineinbegeben könne, virtuell aber real. Vielleicht etwas seltsame Träume eine Stars, vielleicht seltsame Visionen eines Außenministers? In Davos wirkt beides ziemlich normal, fast so, als habe man das schon immer so gesehen.

Hintergrund: Weltwirtschaftsforum Davos

Wichtiger Treffpunkt für Politiker und Manager

Logo des Weltwirtschaftsforum am 18. Januar 2016 im Kongresszentrum Davos

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für Spitzenpolitiker, Topmanager und Wissenschaftler. Neben live übertragenen Auftritten können die Teilnehmer in dem luxuriösen Schweizer Wintersportort zwanglos über globale Herausforderungen debattieren.

Nicht selten werden in solchen vertraulichen Runden Auswege für komplizierte Probleme und Konflikte erörtert - von der Euro-Schuldenkrise über den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zum andauernden Syrien-Krieg und der maßgeblich dadurch verursachten Flüchtlingskrise.

Forum will Zustand der Welt verbessern

Erklärtes Ziel des "World Economic Forum" ist es, "den Zustand der Welt zu verbessern". Dass dabei auch das Knüpfen geschäftlicher und politischer Kontakte bestens möglich ist, gilt als willkommener Nebeneffekt. Gegründet wurde das WEF von dem aus Ravensburg stammenden Ökonomie-Professor Klaus Schwab.

Der heute 77-Jährige will die unabhängige Stiftung WEF nach eigenem Bekunden noch führen, "solange ich die Kraft dazu habe". Dem Forum gehören mehr als 1.000 Unternehmen an - darunter 122 der weltweit größten Konzerne als sogenannte strategische Partner.

(Quelle: dpa)

22.01.2016
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