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Weltwirtschaftsforum Davos: Krisengipfel mit Aussicht

BildDavos
Blick auf Davos

"Committed to improving the state of the world": Die Welt zu verbessern, ist das erklärte Ziel des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Wintersportort Davos.

(Quelle: reuters)

VideoIran: Neue Ära nach Atomabkommen
Irans Präsident Hassan Ruhani

Die USA und die EU haben ihre Sanktionen gegen Iran aufgehoben. Zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt, dass Iran sein Atomprogramm wie vereinbart zurückgefahren hat.

(17.01.2016)

VideoWeltwirtschaft orientiert sich um
Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms

Die Weltwirtschaft orientiere sich zunehmend an Umweltverträglichkeit und CO2-Neutralität, sagt UN-Umweltprogrammchef Steiner. Die Ambitionen des Pariser Klimaabkommens würden ständig erhöht.

(09.12.2015)

von Stefan Leifert

In Davos trifft sich die Elite der Weltwirtschaft. Offiziell geht es in diesem Jahr vor allem um die vierte industrielle Revolution. Wirklich prägen werden das Weltwirtschaftsforum aber andere Themen: Flucht, Terror und Krieg, kurz gesagt: die Krisen dieser Welt. 

Es könnte der Höhepunkt des Weltwirtschaftsforums werden, ein echtes Schmankerl haben sich die Veranstalter da ausgedacht: Wolfgang Schäuble soll über die Zukunft Europas diskutieren – mit Alexis Tsipras. Der Finanzminister, der Griechenland im letzten Sommer am liebsten aus dem Euro geworfen hätte, trifft auf den Mann, der Europa mit seiner brachialen Unberechenbarkeit ein halbes Jahr in Atem hielt. Auf offener Bühne sind Schäuble und Tsipras so noch nicht miteinander aufgetreten. Die versammelte Wirtschaftselite wird ihnen am Donnerstag dabei zuschauen.

Geprägt von den aktuellen Krisen der Welt

Es sind solche Foren, die den Charme von Davos ausmachen. Ungewöhnliche Formate, prominente Player, brandaktuelle Themen. Lautet das offizielle Thema auch "Die vierte Industrielle Revolution", wird das Treffen doch von den aktuellen Krisen der Welt geprägt sein. Schon die Eröffnungsrede, die in diesem Jahr Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck hält, hat sie im Titel: "Überlegungen zu Flucht und Migration nach Europa".

Auch in Davos schaut alles auf Deutschland, wenn es um die Flüchtlingskrise geht: Macht das größte Land im Herzen Europas seine Grenzen dicht? Ein Szenario, das auch vielen in der Wirtschaft Unbehagen bereitet. Die Bundeskanzlerin kommt in diesem Jahr nicht. Die Bundesregierung vertritt unter anderem Vizekanzler Gabriel, um mit dem schwedischen Premierminister über Migration und Integration zu diskutieren, der inzwischen von Willkommenskultur auf "Wir-sind-überfordert "umgeschaltet hat.

Flüchtlingskrise und die Folgen für Europa

Die Flüchtlingskrise und ein daran zu zerbrechen drohendes Europa - das werden die Davos-Themen 2016 werden. Eine Studie des Forums hat untersucht, was unter Experten, Wissenschaftlern, Ökonomen, Politikern und Managern als größtes globales Risiko betrachtet wird. Langfristig, so die Antwort, ein Versagen beim Klimawindel. Kurzfristig aber sind es die Flüchtlingsströme Richtung Europa, die das größte Risiko für die Stabilität bedeuten, so die Studie, die das Weltwirtschaftsforum diese Woche veröffentlichte.

Wissenswertes zum Elitentreffen in Davos 
  • Debatten

    Das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Wintersportort Davos findet vom 20. bis zum 23. Januar statt. In der Zeit wird über das Programm mit mehr als 100 Seiten debattiert. Es geht um Konflikte und neue globale Herausforderungen. Übergreifendes Motto: "Die Meisterung der vierten industriellen Revolution".

  • Teilnehmer

    2.500 Politiker, Manager und Wissenschaftler aus mehr als 100 Ländern nehmen in Davos teil. Auch die Hollywoodstars Leonardo DiCaprio und Kevin Spacey kommen. Bundespräsident Joachim Gauck vertritt Deutschland.

  • Kosten

    Laut WEF kostet das Forum umgerechnet 32 Millionen Euro - statistisch 12.800 Euro pro Teilnehmer. Dabei zahlen die meisten Gäste Anreise und Unterkunft selbst. Die Kosten für den Sicherheitsaufwand dürften enorm sein, werden aber geheim gehalten.

  • Finanzierung

    Dem WEF gehören 1.000 der weltgrößten Unternehmen an. Der WEF-Jahresbeitrag liegt - je nach Firmengröße und Umfang der Beteiligung - zwischen 50.000 und 500.000 Franken (458.000 Euro).

  • Sicherheit

    1.000 Polizisten und 3.000 Soldaten sind während des Gipfels im Einsatz, 2.000 weitere in Reserve. Kampfjets sichern den gesperrten Luftraum, am Boden Flugabwehrwaffen, Straßensperren und Sicherheitsschleusen.

  • Gastronomie

    Die rund 90 Hotels und weit mehr Restaurants sind ausgebucht - und meist viel teurer als sonst.

  • Davoser Nächte

    Gut ein Dutzend Partys steigen pro Nacht, die begehrtesten mit Vertretern des Hochadels und Hollywoods. Gastronomen haben den Gesamtumsatz voriges Jahr auf 35 Millionen Euro geschätzt.

  • Literatur

    Thomas Mann (1875-1955) verhalf Davos mit seinem 1924 erschienenen Roman "Der Zauberberg" zu Berühmtheit. Im darin beschriebenen Waldsanatorium wurde seine Frau Katia gepflegt. Es ist heute ein Luxushotel.

2.500 Politiker, Manager und Wissenschaftler aus 100 Ländern reisen für vier Tage in die Schweizer Bergwelt, 1.000 Polizisten und 3.000 Soldaten sollen für ihre Sicherheit sorgen. Letztes Jahr stand das Weltwirtschaftsforum noch unter dem Eindruck des Anschlags auf Charlie Hebdo, dieses Jahr unter dem der Paris-Anschläge vom letzten November. Der Konflikt in Syrien, der Kampf gegen den IS, die Sicherheitslage in Europa - all das war auch 2015 schon Thema, aber die Krisen haben sich verschärft. Die Stimmung unter den Davos-Teilnehmern wird das widerspiegeln.

Enger Zusammenhang zwischen Weltkrise und Weltwirtschaft

Wie eng der Zusammenhang zwischen den Weltkrisen und Weltwirtschaft ist, belegt eine Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Weltweit hat sich die Stimmung unter Top-Managern binnen eines Jahres spürbar verschlechtert. Glaubten 2015 noch 37 Prozent der Befragten an einen wirtschaftlichen Aufschwung, ist es jetzt nur noch ein Viertel. Auch unter deutschen Managern überwiegt Pessimismus: Doppelt so viele wie vor einem Jahr rechnen mit einer Verschlechterung der Wirtschaft. Verantwortlich sind die weltweite Zunahme an Krisen und Konflikten, der Verfall des Ölpreises und auch die Herausforderungen, die die massenhafte Zuwanderung mit sich bringen.

Weitere Links zum Thema
Ein Mann, von dem ein großer Beitrag zur Lösung der Flüchtlingskrise erwartet wird, tritt am Donnerstag auf die Davoser Bühne: Ahmed Davutoglu wird über "die globale Rolle" der Türkei sprechen. In der EU macht sich Unmut über den türkischen Premierminister breit, da die Umsetzung der im EU-Türkei-Aktionsplan zugesagten Verpflichtungen der Türkei noch immer auf sich warten lässt – und der Druck an den Außengrenzen der EU mit jedem Tag wächst.

Camerons delikater Auftritt

Auch der Auftritt von David Cameron ist delikat. Vor versammelter Wirtschaftselite wird er das Vertrauen in Großbritannien stärken müssen. Viele Manager sehen mit Grausen auf das Referendum der Briten über einen Verbleib in der EU. Cameron wird glaubhaft vermitteln müssen, dass sein Land in beiden Szenarien ein verlässlicher Wirtschaftspartner bleibt. Ob er davon selbst überzeugt ist, darf bezweifelt werden. Cameron ist für einen Verbleib seines Landes in der EU. Nicht wenige glauben, er könnte sich verspekuliert haben, sollten die Reformen, die Cameron in Brüssel durchsetzen will, den Briten für ein "Ja" für eine EU-Mitgliedschaft nicht reichen.

Davos hat schon viele Krisentreffen erlebt, aber so viele Brandherde auf einmal hat es lange nicht zu besprechen gegeben. Die aus den Fugen geratene Welt wird das Treffen der Wirtschafts- und Politik-Elite prägen. Nur der Ausblick aus dem Fenster bleibt so idyllisch wie er immer war.

Hintergrund: Weltwirtschaftsforum Davos

Wichtiger Treffpunkt für Politiker und Manager

Logo des Weltwirtschaftsforum am 18. Januar 2016 im Kongresszentrum Davos

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für Spitzenpolitiker, Topmanager und Wissenschaftler. Neben live übertragenen Auftritten können die Teilnehmer in dem luxuriösen Schweizer Wintersportort zwanglos über globale Herausforderungen debattieren.

Nicht selten werden in solchen vertraulichen Runden Auswege für komplizierte Probleme und Konflikte erörtert - von der Euro-Schuldenkrise über den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zum andauernden Syrien-Krieg und der maßgeblich dadurch verursachten Flüchtlingskrise.

Forum will Zustand der Welt verbessern

Erklärtes Ziel des "World Economic Forum" ist es, "den Zustand der Welt zu verbessern". Dass dabei auch das Knüpfen geschäftlicher und politischer Kontakte bestens möglich ist, gilt als willkommener Nebeneffekt. Gegründet wurde das WEF von dem aus Ravensburg stammenden Ökonomie-Professor Klaus Schwab.

Der heute 77-Jährige will die unabhängige Stiftung WEF nach eigenem Bekunden noch führen, "solange ich die Kraft dazu habe". Dem Forum gehören mehr als 1.000 Unternehmen an - darunter 122 der weltweit größten Konzerne als sogenannte strategische Partner.

(Quelle: dpa)

19.01.2016
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