27.07.2016
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15- bis 30-Jährige Wie die Generation Y weltweit tickt

VideoGrafikvideo: "Wir Millennials"
Grafikvideo:

Über die 20- bis 35-jährigen Millennials, die Generation Y, werden weltweit ständig neue Studien erstellt, um endlich zu verstehen, wie sie ticken.

(15.02.2016)

Sie kennt kein Leben ohne Internet, handelt fast nur vernetzt und Geld ist ihr nicht so wichtig: Die Generation Y, auch Millennials genannt. Mittlerweile wird viel über sie geforscht. Was sie bewegt? Wir haben die Generation Y weltweit besucht. 

Wer sind die 15- bis 30-Jährigen, was treibt sie an, welche Werte haben sie? Über die Generation Y ist in den vergangenen Monaten viel geschrieben worden. Auch der Jugendforscher Klaus Hurrelmann versucht, sich ein Bild dieser Altersgruppe zu machen. "Die heimlichen Revolutionäre. Wie die Generation Y unsere Welt verändert", heißt das Buch, dass der emeritierte 70-jährige Soziologe zusammen mit dem 1979 in Aachen geborenen Journalisten Erik Albrecht verfasst hat. Suchen, selbstbezogen handeln und sich anpassen: Das sind die wesentlichen Charakteristika, die die beiden Autoren herausgearbeitet haben.

Flexibilität statt starrer Regeln

Für Hurrelmann und Albrecht sind die jungen Menschen Persönlichkeiten, die infolge der wirtschaftlichen und ökologischen Krisen gelernt haben, ihre Lebensplanung immer wieder anzupassen. Der Beinahe-Kollaps des Weltfinanzsystems nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 und der Atomunfall von Fukushima 2011 gelten als prägende Ereignisse. Die Grundhaltung der Generation sei in erster Linie pragmatisch und sondierend.

Mit guten Noten, hochwertigen Uni-Abschlüssen und neuen Modellen für Beruf und Familie versuche sich die Generation gegen eine unsichere Zukunft zu wappnen. Flexibilität und Selbstbestimmung statt starrer Regeln - das sei ein Credo dieser Generation, für die Freizeit und Selbstverwirklichung oft wichtiger sei als Karriere und Geld.

Forschung zum Thema

Die Verfasser von "Die heimlichen Revolutionäre. Wie die Generation Y unsere Welt verändert" stützen sich auf zahlreiche Untersuchungen, darunter auch auf mehrere Shell-Jugendstudien, sowie Interviews mit Vertretern dieser Generation. Der Soziologe Klaus Hurrelmann hat einige der Shell-Jugendstudien geleitet. Das Buch konzentriert sich auf die Gruppe der 15- bis 30-Jährigen, andere Veröffentlichungen zählen noch die Jahrgänge von 1980 bis 1984 zu den Ypsilonern. Die Jahrgänge vor ihnen tragen das Etikett Generation X, Babyboomer und 68er-Generation.

Scheitern einer Liebe wird mitgedacht

Wenn ihnen die Arbeit Spaß macht, dann scheuen die Jungen allerdings auch keine Überstunden und checken E-Mails von zu Hause aus. Diese Generation will beim Arbeiten leben und beim Leben arbeiten, wie der Jugendforscher schreibt. Dazu gehöre auch die Forderungen nach Auszeiten. Und Beziehungen werden eher kurz- und mittelfristig geplant. Die Generation Y denke das Scheitern einer Liebe heute oft mit, heißt es im Buch.

"Damit setzen sie neue Maßstäbe und krempeln klammheimlich die Gesellschaft um", sagt Hurrelmann. Warum aber Revolutionäre, wenn sie eher leise statt lautstark die Strukturen aufweichen? Er habe provozieren und gleichzeitig auf die 68er anspielen wollen, erklärte Hurrelmann. Junge Menschen würden immer wieder an den Revoluzzern von 1968 gemessen, dabei habe sich der Kontext völlig verändert. "Im Zeitalter des Internets und der Technisierung folgt eine Revolution heute ganz anderen Spielregeln."

Die Generation Y weltweit

Ägypten: Bezwungen, enttäuscht

Ägyptischer Fußballfan

Ahmed El-Kamhawi geht es wie vielen jungen Menschen in Ägypten: Er findet keinen Job. Ahmed hat an der Deutschen Universität in Kairo studiert, macht Fortbildungen und bewirbt sich regelmäßig. Wenn überhaupt, bietet man ihm Jobs an, die nicht seinen Fähigkeiten entsprechen. Die Wirtschaftslage in Ägypten ist schlecht, über ein Viertel der 18- bis 29-Jährigen ist arbeitslos.

Dominiert werde Wirtschaft und Politik von der älteren Generation, mit deren Entscheidungen die Jugend leben müsse, sagt Ahmed. Seine Generation sei die "bezwungene Generation", weil sich nach dem Arabischen Frühling nichts für sie geändert habe. Enttäuscht sei sie.

Wie die meisten jungen Ägypter wohnt auch Ahmed noch bei seinen Eltern. Er möchte es schnell ins Management eines Unternehmens schaffen. Denn: Bevor Ahmed heiraten kann, braucht er eine eigene Wohnung und ein Auto. Anders geht das nicht in Ägypten.

Deutschland: Leistungsorientiert, sinnsuchend

Steffi Burkhart, Bloggerin.

Steffi Burkart aus Köln ist eine Art Sprachrohr der Generation Y in Deutschland, sie bloggt über das Leben ihrer Generation, hält Vorträge, schreibt ein Buch. Eine Festanstellung hat sie verlassen, um in Ruhe über ihre beruflichen Pläne nachzudenken.

Ihre Generation habe ganz viele Entscheidungsmöglichkeiten, sagt sie, aber was nach Freiheit klinge, könne auch Unsicherheit erzeugen und den Drang, sich stets mit anderen zu vergleichen. Dabei spiele rein materieller Besitz keine so große Rolle. Es gehe vielmehr darum, sich selbst zu verwirklichen, darum, eigene Ideen einbringen zu können, einen Sinn im Tun zu sehen. Aber Steffi zitiert auch Studien, die sagen: Die Generation Y ist die leistungsorientierteste, die es in diesem Altersschnitt je gegeben hat. Denn die jungen Menschen merkten, dass sie Leistung bringen müssten und am Ball bleiben.

Derzeit berät Steffi auch Unternehmen dabei, attraktiv für junge Menschen zu sein. Denn die Generation Y ist die erste, die mit dem Internet aufgewachsen ist und ganz natürlich damit agiert. "Wir lernen in der digitalen Welt neue Spielregeln, zum Beispiel vernetztes Agieren", sagt Steffi, und: "Diese Spielregeln tragen wir in die analoge Arbeitswelt." Das müssen viele Unternehmen über die Generation Y noch lernen.

Argentinien: Krisenerfahren, weltoffen

Lucía Gracey in Buenos Aires

Lucia ist 23 Jahre alt und studiert Geschichte in Buenos Aires. Sie fotografiert gern, reist und Journalismus findet sie interessant. Vielleicht könne sie das später in einem Job alles gut miteinander verbinden, sagt sie. Lucia schwärmt von den vielen Möglichkeiten, die sie hat. Alles ausprobieren zu können, schnell von A nach B zu reisen, sofort wichtige Informationen bekommen - das mache ihre Generation zu Menschen mit vielen Potenzialen, findet sie.

Der argentinische Finanzcrash 2001 hat Lucia sehr geprägt, ihr Vater wurde damals arbeitslos, es gab Unruhen und Plünderungen. Deshalb müsse ihre Generation auf soziale Gerechtigkeit achten, Geld sei ihr nicht so wichtig. Vielmehr wolle sie sich um die Umwelt kümmern.

Singapur: Familiär, pragmatisch

Grafik Singapur

Die Freundinnen Sarvena und Jia Ying sind Anfang 20 und studieren in Singapur. Sie rechnen danach fest mit einem Job, da machen sie sich keine Sorgen. Nur mit einer eigenen Wohnung wird es so schnell nichts. In ihrer Heimat kann man sich viel besser um eine eigene Bleibe kümmern, wenn man geheiratet hat. Solange leben die beiden noch bei ihren Familien, das sei auch vollkommen in Ordnung so, Wohnraum sei im kleinen Singapur halt knapp. Solange teilt sich Sarvena ein Zimmer mit ihrer Schwester.

Unabhängig fühlen sich die beiden Studentinnen ohnehin dann, wenn sie arbeiten. Und nicht dann, wenn sie bei den Eltern ausziehen.

Südafrika: Afrikanisch, selbstbewusst

Nompendulo Mkhatswa, südafrikanische Studentenführerin kämpft für freie Bildung

Nompendulo Mkatschwa gehört zu den "Born Frees" Südafrikas.  So nennt sich hier die junge Generation - sie kommt gleich nach der Generation der Freiheitskämpfer, die für das Ende der Apartheid in ihrem Land sorgte. Und die überlagert vieles in Südafrika. Nompendulo kämpft an der Spitze einer Studentenbewegung, ihre Mission sei die freie Bildung, nur so könne sich jeder frei entwickeln, sagt sie.

Aber die Hürden sind hoch: Zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß gibt es immer noch eine große Kluft, die Arbeitslosigkeit ist hoch und die Studiengebühren sind kaum zu bezahlen. Dabei sei Bildung so wichtig, sagt Nompendulo, vor allem, um afrikanische Bildungsinhalte zu vermitteln, um irgendwann afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme zu finden. Nur so könne Südafrika sein koloniales Erbe abstreifen und eine eigene Identität entwickeln.

20.02.2016, Quelle: dpa, ZDF
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