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Umfrage Deutsche wollen Gebühr für Plastiktüten zahlen

BildFrau mit Einkaufstüten
Frau mit Einkaufstüten

(Quelle: imago)

Video"100 Mio. Tonnen Müll im Meer"
Barbara Hendricks (links) und Dunja Hayali

Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin und Initiatorin des runden Tisches "Meeresmüll" fordert: "Unsere Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass der Müll nicht weiter ins Meer gerät".

(18.03.2016)

VideoPlastikmüll verschmutzt Rhein
Winzig kleine Pastikkügelchen im Rhein

Der Rhein gehört nach einer schweizer Studie zu den am stärksten mit Plastikmüll verseuchten Gewässern. Die Konzentration von Mikroplastik ist in Rees am Niederrhein besonders hoch.

(15.12.2015)

Die meisten Deutschen sind dafür, dass Plastiktüten im Einzelhandel nicht mehr länger umsonst abgegeben werden. 80 Prozent fänden es "sehr gut" oder "eher gut", dass immer mehr Geschäfte Geld für die Kunststofftaschen nehmen. 53 Prozent sind sogar dafür, sie komplett zu verbieten. 

Die Zahl der Gegner der Plastiktüten-Gebühr ist dagegen mit 15 Prozent vergleichsweise gering, wie aus der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht. Gegenüber einer ähnlichen Umfrage vor einem Jahr hat sich damit die Zahl der Befürworter einer Kostenpflicht für Plastiktüten noch einmal erhöht. Damals hatten sich 71 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, 24 Prozent dagegen.

Plastik bei Spontaneinkäufen beliebt

Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Verbraucher verwenden nach eigenen Angaben beim Einkaufen schon heute in der Regel Körbe, Rucksäcke oder Stofftaschen. Nur vier Prozent gaben an, regelmäßig ihre Einkäufe in neuen Plastiktüten nach Hause zu tragen. Allerdings kommt es bei vielen Befragten durchaus vor, dass sie sich zum Beispiel bei einem spontanen Einkauf eine Plastiktüte geben lassen, berichten die Meinungsforscher. Aber diese werden häufig auch noch weiterverwendet - entweder für den nächsten Einkauf oder etwa als Mülltüte.

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Die Umfrage gibt damit Plänen des deutschen Einzelhandels Rückenwind, der in den nächsten Jahren die Zahl der gratis angebotenen Plastiktüten deutlich reduzieren will. In einer freiwilligen Vereinbarung mit dem Bundesumweltministerium will sich der Handelsverband Deutschland (HDE) dazu verpflichten, dass bereits in Kürze 60 Prozent der Tüten bezahlt werden müssen. Innerhalb von zwei Jahren sollen dann mindestens 80 Prozent der im Handel ausgegebenen Kunststofftüten kostenpflichtig sein.

Hintergrund ist eine EU-Vorgabe nach der der Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststofftüten bis 2025 auf 40 Tüten im Jahr sinken soll. In Deutschland sind es derzeit noch 71 Tüten je Einwohner. Nach den ursprünglichen Plänen des HDE sollte die freiwillige Vereinbarung eigentlich schon am 1. April in Kraft treten. Doch wird sich der Einführungstermin nach Angaben des Bundesumweltministeriums und des HDE wohl etwas verzögern, da auch noch Gespräche mit anderen beteiligten Verbänden abgeschlossen werden müssen.

Wie andere Länder es handhaben

Italien: Reine Plastiktüten verboten

"Möchten Sie eine Tüte?" - so lautet die obligatorische Frage an jeder italienischen Supermarktkasse. Immer öfter ist die Antwort jedoch nein, stattdessen gehen inzwischen viele Italiener mit Stoffbeuteln und kleinen Trolleys einkaufen. Wer dennoch eine Tüte verlangt, bekommt für etwa 15 Cent pro Stück Tüten aus Papier oder biologisch abbaubaren Materialien. Reine Plastiktüten sind in Italien seit 2011 verboten. Missachtet wird das Plastiktüten-Verbot allerdings nach wie vor in vielen kleineren Geschäften und auf Märkten. Um dagegen vorzugehen, wurde 2014 ein neues Gesetz verabschiedet: Es sieht für Händler bei Verstößen gegen das Plastiktüten-Verbot Geldstrafen von bis zu 25.000 Euro vor.

Frankreich: Problem mit Frischwaren

Vom 1. Juli an sind Einweg-Plastiktüten an den Ladenkassen in Frankreich gesetzlich verboten. Viele Supermärkte haben die Tüten an der Kasse bereits abgeschafft. Die Obst- und Gemüseabteilung ist jedoch weiterhin ein "Plastikparadies". Von 2017 an sollen die Tüten aber auch dort verschwinden. Fünf Milliarden Einweg-Plastiktüten wurden laut Umweltministerium im Jahr 2014 an den Kassen ausgehändigt, zwölf Milliarden waren es in Obst- und Gemüseabteilungen.

Großbritannien: Gebühr in großen Geschäften

In Großbritannien musste man sich lange Zeit geradezu wehren, wenn man die Waren tütenlos in mitgebrachte Taschen packen wollte. Doch im Oktober 2015 hat auch England als letzter - und mit Abstand größter - Teil Großbritanniens eine Gebühr auf die Tüten eingeführt. Die 5 Pence (6 bis 7 Cent) werden nur in großen Geschäften fällig, Kioske sind zum Beispiel ausgenommen. Die Regierung hofft, dass der Tüten-Verbrauch in Supermärkten um 80 Prozent zurückgeht. Zahlen gibt es dazu noch nicht. Kassierer in Londoner Geschäften berichten auf Nachfrage aber übereinstimmend, dass die Gebühr Wirkung zeige: Kunden hätten nun viel öfter Taschen dabei oder stapelten ihre Einkäufe in der Armbeuge.

Norwegen: Plastiktüte bleibt Standard

Die Norweger benutzen Plastiktüten bei jedem Einkauf, obwohl sie dafür in fast jedem Geschäft um die 10 Cent bezahlen müssen. Eine Kassiererin im Supermarkt schätzt, dass mindestens 95 Prozent der Kunden ja zur "pose" sagen. Wenn man als Deutscher im Supermarkt mit seiner Klappbox ankommt, erntet man eher verwunderte Blicke. Plastiktüten angeboten bekommt man trotzdem. Jedes Jahr werden in Norwegen eine Milliarde Tragetaschen gebraucht, das macht drei Kilo Plastik pro Person. Als Umweltproblem wird das aber nicht betrachtet, denn kaum eine Tüte landet in der Natur. Mehr als 80 Prozent werden nämlich als Abfalltüten wiederverwendet.

USA: Plastikverbrauch uferlos

Plastiktüten gehören selbst als Verpackung für die Verpackung zum Alltag vieler US-Amerikaner. Es gibt praktisch nichts, was nicht in Tüten verpackt oder geliefert würde. In den meisten Teilen des Landes sind die Säckchen kostenlos. Kein Wunder also, dass in den Vereinigten Staaten jährlich etwa 100 Milliarden Stück verbraucht werden. Allerdings findet seit zehn Jahren vielerorts ein Umdenken statt - vor allem auf lokaler Ebene. Rund 180 Städte und Bezirke in 20 Bundesstaaten haben Plastiktüten bereits verboten oder mit einer Abgabe belegt. Vorreiter war San Francisco, mittlerweile machen aber auch andere Großstädte wie Los Angeles oder Chicago mit. In Washington DC senkte eine Fünf-Cent-Gebühr den Plastiktüten-Verbrauch um 60 Prozent. New York denkt über eine ähnliche Regelung nach.

Indien: Plastik gehört zum Alltag

Plastiktüten sind für die meisten Inder kein Schandfleck. Statt sie nach dem Einkauf in der Schublade zu verstecken, lassen sie die kunterbunten Tüten im Haus herumliegen, oder hängen sie aus Platzgründen mit Inhalt gleich an die Wand - quasi als Billig-Hängeschrank. In den dünneren Tüten landet der Müll, der täglich von nicht-staatlichen Müllsammlern an der Tür abgeholt wird. Sowohl die Zentralregierung als auch einzelne Bundesstaaten haben in den vergangenen Jahren die Herstellung und Abgabe von Plastiktüten bestimmter Größen oder an bestimmten Orten verboten. So darf etwa ab zwei Kilometer vom heiligen Fluss Ganges entfernt eigentlich keine Plastiktüte mehr gesehen werden. Der Effekt ist - wie bei vielen Gesetzen auf dem Subkontintent - höchstens mäßig.

China: Gebühr auf Plastiktüten seit 2008

In China wurden Plastiktüten schon im Juni 2008 kostenpflichtig gemacht. In der Regel verlangen die Geschäfte umgerechnet 2 bis 5 Cents je nach Tüte. Wenn Geschäfte erwischt werden, dass sie
Plastiktüten kostenlos an Kunden vergeben, drohen ihnen empfindliche Strafen bis 10.000 Yuan, umgerechnet 1.370 Euro. In der Praxis werden dadurch heute in Supermärkten deutlich weniger Plastiktüten benutzt. Gerade Kunden im mittleren oder höheren Alter achten wegen beschränkter Geldmittel sehr auf ihre Ausgaben. Dennoch leidet China weiter unter der Umweltverschmutzung durch Plastiktüten.

29.03.2016, Quelle: dpa
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