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merkzettel

Zika-Virus in Südamerika Brasiliens schwerer Kampf gegen das Zika-Virus

BildZika-Virus Brasilien
Am Zika-Virus erkranktes Bild

(Quelle: dpa)

VideoErster Zika-Fall auf Kuba
Kuba meldet den ersten Zika-Fall, der innerhalb des Landes übertragen wurde. Das Virus wurde bei einer jungen Frau aus Havanna festgestellt, die nicht im Ausland war.

Kuba meldet den ersten Zika-Fall, der innerhalb des Landes übertragen wurde. Das Virus wurde bei einer jungen Frau aus Havanna festgestellt, die nicht im Ausland war.

(16.03.2016)

VideoWie gefährlich ist der Zika-Virus?
Mutter mit Baby

Die Nachricht, dass der Zika-Virus auch sexuell übertragen werden kann, alarmiert die Welt. Mit HIV vergleichen kann man ihn jedoch nicht.

(03.02.2016)

von Ines Eisele, Rio de Janeiro

Zuerst war die Aufregung groß, dann ist es um den epidemieartigen Zika-Ausbruch in Brasilien stiller geworden. Doch das heißt lange nicht, dass das südamerikanische Land das mysteriöse Virus besiegt hat: Brasiliens ineffizientes Gesundheitssystem ist mit dem Zika-Virus heillos überfordert. 

Forscher haben immer noch keine nennenswerten neuen Erkenntnisse, die brasilianische Regierung hat trotz großer Medienkampagne nur geringe Erfolge gegen das Zika-Virus zu verzeichnen. "Ein Moskito ist nicht stärker als ein ganzes Land", hat Präsidentin Dilma Rousseff bereits unzählige Male verkündet, doch offenbar ist das Gegenteil der Fall.

Trotzdem ist das Zika-Virus seit ein paar Wochen aus den Schlagzeilen verschwunden, denn Brasilien hat zur Zeit noch eine ganze Menge weiterer Probleme: Das südamerikanische Land erlebt eine tiefe politische Krise, Massendemonstrationen und drohende Amtsenthebung Dilma Rousseffs inklusive. Der Zika-Ausbruch, er ist für die Brasilianer nur eine Baustelle von vielen, Teil einer Totalkrise.

Zika-Virus trifft auf defizitäres Gesundheitswesen

Dem brasilianischen Staat fehlt es an Geld zur Bekämpfung von Zika. Mehrfach gab es Liefer-Engpässe bei den Insektiziden, mit denen die Überträgermücke Aedes aegypti dezimiert werden soll. Die Situation vieler staatlicher Krankenhäuser, vor allem im unterentwickelten Nordosten des Landes, ist prekär, sie können die von Mikrozephalie betroffenen Babys kaum versorgen. Zika hält Brasilien seine strukturellen Probleme wie ein Spiegel vor; die Missstände im Gesundheitswesen sind auch eine Folge von mangelndem politischen Willen, Korruption und sozialer Ungleichheit.

Die Zahlen zu Zika sind nach wie vor alarmierend. Schätzungen zufolge haben sich rund 1,5 Millionen Brasilianer infiziert. Das Guillain-Barré-Syndrom, das lebensgefährliche Lähmungen verursachen kann, tritt vermehrt auf. Innerhalb eines Monats haben sich die registrierten Mikrozephalie-Fälle auf 907 verdoppelt, 198 Babys starben bereits an den Schädelfehlbildungen, die häufig mit geistigen Behinderungen einhergehen.

Das Gefährliche an Zika: Seine Unberechenbarkeit

Rund 4.300 mögliche Fälle müssen laut brasilianischem Gesundheitsministerium noch untersucht werden. Zwar ist bei beiden Krankheitsbildern – Guillain-Barré-Syndrom und Mikrozephalie – immer noch nicht wissenschaftlich belegt, dass sie von Zika ausgelöst werden, jedoch gehen Experten stark davon aus.

Anders als die Folgekrankheiten ist das Zika-Virus an sich für die meisten Infizierten weitgehend folgenlos. Dennoch kann es in seltenen Fällen tödlich verlaufen. Die Gefahr des Zika-Virus liegt in seiner Unberechenbarkeit.

WHO-Chefin: Entwicklung von Impfstoff und Schnelltests dauert noch

Das ist auch das Fazit, das Margaret Chan, die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), fast zwei Monate nach der Ausrufung eines weltweiten Gesundheitsnotstands und einen Monat nach ihrem Besuch in Brasilien ziehen muss. Auf einer Pressekonferenz in Genf am Dienstag sagte sie: "Das Virus ist in 38 Ländern im Umlauf. Mit dem aktuellen Wissensstand kann niemand vorhersehen, ob es sich auch in anderen Regionen der Welt ausbreiten wird und dort ähnliche Missbildungen bei Föten und neurologische Krankheiten verursacht."

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In 23 Forschungsprojekten in Brasilien, USA, Frankreich, Indien und Österreich werde an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet. Bis dieser auf den Markt gelange, sei die derzeitige Zika-Welle aber wohl schon lange vorbei, es könne noch Jahre dauern. Zwingend notwendig ist Chan zufolge auch die Entwicklung neuer Tests, mit denen Zika schnell und flächendeckend diagnostiziert werden kann.

Die WHO hat in Sachen Zika noch viel Arbeit vor sich, doch fehlende finanzielle Ressourcen könnten den Kampf gegen das Virus erschweren. "Von den benötigten 59 Mio. Euro haben wir von unseren Mitgliedsstaaten erst 2,7 Mio. erhalten", bemängelt Chan, "ich weiß daher nicht, wie lange wir noch so weitermachen können."

Olympische Spiele in Brasilien: Und dann?

In ein paar Monaten könnte das Thema Zika wieder präsenter in den Medien werden, dann nämlich, wenn zu den Olympischen Spielen Sportler, Trainer und Besucher aus aller Welt nach Rio de Janeiro kommen – und bei der Abreise möglicherweise Zika (und übrigens auch Dengue und Chikungunya) in ihre Heimatländer einschleppen.

Zwar verweist Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), auf den bevorstehenden brasilianischen Winter: "Das heißt, dass die klimatischen Bedingungen verschieden sein werden, auch die Brutbedingungen für das Insekt." Doch eines wissen die Forscher mittlerweile: Das Virus wird nicht nur über Mückenstiche, sondern auch über sexuellen Kontakt übertragen. Die WHO rät daher inzwischen nicht mehr nur Schwangeren von Reisen in die befallenen Gebiete ab, sondern warnt auch vor Geschlechtsverkehr mit dort lebenden Personen.

Die Brasilianer selbst können nur darauf hoffen, dass sie Zika mit internationaler Unterstützung bald in den Griff bekommen. Und darauf, dass die brasilianische Regierung der Gesundheitskrise - sowie auch der politischen und wirtschaftlichen Krise - endlich mit tiefgreifenden strukturellen Veränderungen begegnet. Denn egal ob Zika, Chikungunya, Dengue oder Vogelgrippe – Brasilien muss in Zukunft besser gewappnet sein. 

Zika-Virus - die Fakten

Ausbreitung des Zika-Virus

Infokarte: Verbreitung des Zika-Virus

Ursprünglich stammt das Zika-Virus aus Afrika, hat sich aber in Teilen Asiens ausgebreitet. Derzeit grassiert es in Südamerika. Auch aus mehreren französischen Überseegebieten in der Region wurden Erkrankungen gemeldet, darunter aus Martinique und Guadeloupe. Besonders für Schwangere ist das Virus gefährlich, weil es zu schweren Schäden des Ungeborenen führen kann.

Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1968 bekannt. Übertragen wird das Virus durch infizierte Stechmücken, darunter der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Welche Symptome treten auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

Welche Komplikationen gibt es?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom, eine entzündliche Nervenkrankheit, bekannt. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

Wo tritt das Virus auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Auch Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit mehreren hunderttausend Infektionen. Vergangene Woche meldeten die USA erste Fälle - alle Betroffenen hatten sich offenbar bei Reisen in Südamerika angesteckt.

Da die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa heimisch ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass Zika-Fälle hierzulande und in anderen europäischen Staaten auftreten würden. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet. Experten raten Schwangeren von Reisen in betroffene Länder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Guillain-Barré ist eine lebensbedrohliche Nervenerkrankung. Sie beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion - etwa durch eine Lebensmittelvergiftung.

Möglicher Zusammenhang: Zika und Guillain-Barré?

Bis vor kurzem galt das Zika-Virus mit Ausschlag und Fieber als harmlos. Dann geriet es in Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler auch einen Zusammenhang mit Guillain-Barré. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms.

28.03.2016
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