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merkzettel

Virus breitet sich aus Brasilien: 220.000 Soldaten sollen Zika-Mücke bekämpfen

VideoIn den Kampf gegen Zika
Ein Soldat versprüht Mückenschutzmittel, um eine weitere Verbreitung des gefährlichen Zika-Virus zu verhindern

Aufgrund der schweren Auswirkungen des Zika-Virus entschied sich die brasilianische Regierung für eine ungewöhnliche Maßnahme: Soldaten der Armee sollen Broschüren und Mückenschutzmittel verteilen.

(26.01.2016)

Videoh19
Mücken, die den Zika-Virus übertragen.

Der sogenannte Zika-Virus sorgt in Lateinamerika für Besorgnis. Besonders während der Schwangerschaft besteht die Gefahr, dass der Virus Schädelfehlbildungen bei Babys auslöst.

(25.01.2016)

VideoDie Virenjäger - Seuchen auf der Spur
Fledermaus wird in Panama untersucht

Immer tiefer dringt der Mensch in unberührte Lebensräume vor, zerstört die Natur. Gleichzeitig nehmen Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, zu. Gibt es einen Zusammenhang?

(08.11.2015)

VideoMers-Epidemie gebannt
Ministerpräsident Hwang Kyo Ahn hat die Epidemie der lebensgefährlichen Atemwegserkrankung Mers für beendet erklärt.

Ministerpräsident Hwang Kyo Ahn hat die Epidemie der lebensgefährlichen Atemwegserkrankung Mers für beendet erklärt.

(28.07.2015)

Es ist ein mysteriöser Virus, der besonders Schwangere gefährden kann: Die rasante Ausbreitung des von Moskitos übertragenen Zika-Virus führt in Brasilien nun zu drastischen Maßnahmen. Eine ganze Armee ist im Einsatz. 

Im Kampf gegen die Ausbreitung des von Mücken übertragenen Zika-Virus will die brasilianische Regierung bis zu 220.000 Soldaten einsetzen. Wie Gesundheitsminister Marcelo Castro nach Angaben der Nachrichtenagentur Agência Brasil mitteilte, sollen am 13. Februar die Soldaten in besonders betroffenen Gebieten von Haus zu Haus gehen, und bei der Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti helfen. "Seit 30 Jahren gibt es diese Moskitos im Land und wir haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren", betonte Castro.

Fieber und Hautauschlag

Die Mückenart überträgt auch Dengue und Gelbfieber. Als weitere Maßnahme sollen rund 400.000 schwangere Frauen aus ärmeren Schichten, die Sozialleistungen im Rahmen des Programms "Bolsa Familia" bekommen, Moskitoschutzmittel erhalten. Das Virus, das binnen weniger Monate bereits in 21 Ländern auf dem amerikanischen Kontinent aufgetaucht ist, kann zu Fieber und Hautausschlag führen.

Vor allem aber steht es im Verdacht, bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei Babys auszulösen. Im am stärksten betroffenen Brasilien wurden bisher 3893 Fälle der sogenannten Mikrozephalie ermittelt, vor allem im Norden des fünftgrößten Landes der Welt. Dabei ist der Kopfumfang des Kindes zu klein, geistige Behinderungen sind meist die Folge. In sechs Mikrozephalie-Fällen hatten Schwangere sich zuvor mit Zika infiziert.

Fragen & Antworten zum Zika-Virus

1. Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg: "Das Zika-Virus wird von Stechmücken übertragen. Es ist verwandt mit dem Dengue-Virus."

2. Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

3. Wie groß ist die Gefahr für Schwangere?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bei Schwangeren kann es in den ersten sechs Monaten zu einer Schädigung der Leibesfrucht kommen, sagt Jonas Schmidt-Chanasit. Das Ungeborene habe einen zu kleinen Kopf und das Gehirn sei unterentwickelt.

4. Wie gefährlich ist das Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

"Im besten Fall bemerkt man das Virus gar nicht", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Da sei an sich gut. Das sei aber auch für das Virus gut, das sich auf diese Weise unbemerkt ausbreiten könne. Im schlimmsten Fall könne es zu Lähmungserscheinungen führen, auch zu Atemlähmungen.

5. Wie groß ist die Gefahr für Reisende?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Für den durchschnittlichen Reisenden - also nicht Schwangere - hat sich mit dem Thema "Zika" nichts verändert, sagt  Jonas Schmidt-Chanasit. Vor Reisen in die Tropen solle man, wie immer vor solchen Reisen, "zu einer reisemedizinischen Beratung gehen, sich genau informieren, Impfungen auffrischen". Für Schwangere sei das "eine ganz besondere Situation. Sie sollten diese Länder meiden und auch Frauen und Mädchen, die schwanger werden wollen, sollten auch nicht in diese Länder reisen".

Impfstoff und Arznei fehlen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt inzwischen vor einer Ausbreitung des Zika-Virus auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Mit einer Ausweitung des Mückenbekämpfungs-Programm will die Regierung zudem Sportler und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor dem Zika-Virus schützen. An 56.000 Hotels, Bars und Restaurants im ganzen Land sei ein Maßnahmenkatalog verschickt worden, um die Art Aedes aegypti, die das Virus überträgt, besser zu bekämpfen.

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Zudem würden in Rio während der Spiele (5. bis 21. August) Vorsorge- und Diagnosemaßnahmen verstärkt. Rund 266.000 Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen sich verstärkt der Bekämpfung der Mückenart widmen. Einen Impfstoff gegen Zika gibt es bisher nicht. Die Ausgaben würden 2016 um 580 Millionen auf 1,87 Milliarden Real (422 Millionen Euro) erhöht, teilte das Gesundheitsministerium in Rio de Janeiro mit.

Allein über 550 Tonnen Anti-Moskitomittel und Pestizide sollen eingesetzt werden. Von Vorteil könnte sein, dass die Spiele im brasilianischen Winter stattfinden - damit könnte das Mückenrisiko weit geringer ausfallen. In Rio der Janeiro gibt es aber bisher keine Verdachtsfälle für von dem Zika-Virus möglicherweise verursachte Mikrozephalie.

Zika-Virus - die Fakten

Ausbreitung des Zika-Virus

Infokarte: Verbreitung des Zika-Virus

Ursprünglich stammt das Zika-Virus aus Afrika, hat sich aber in Teilen Asiens ausgebreitet. Derzeit grassiert es in Südamerika. Auch aus mehreren französischen Überseegebieten in der Region wurden Erkrankungen gemeldet, darunter aus Martinique und Guadeloupe. Besonders für Schwangere ist das Virus gefährlich, weil es zu schweren Schäden des Ungeborenen führen kann.

Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1968 bekannt. Übertragen wird das Virus durch infizierte Stechmücken, darunter der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Welche Symptome treten auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

Welche Komplikationen gibt es?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom, eine entzündliche Nervenkrankheit, bekannt. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

Wo tritt das Virus auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Auch Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit mehreren hunderttausend Infektionen. Vergangene Woche meldeten die USA erste Fälle - alle Betroffenen hatten sich offenbar bei Reisen in Südamerika angesteckt.

Da die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa heimisch ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass Zika-Fälle hierzulande und in anderen europäischen Staaten auftreten würden. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet. Experten raten Schwangeren von Reisen in betroffene Länder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Guillain-Barré ist eine lebensbedrohliche Nervenerkrankung. Sie beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion - etwa durch eine Lebensmittelvergiftung.

Möglicher Zusammenhang: Zika und Guillain-Barré?

Bis vor kurzem galt das Zika-Virus mit Ausschlag und Fieber als harmlos. Dann geriet es in Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler auch einen Zusammenhang mit Guillain-Barré. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms.

26.01.2016, Quelle: dpa
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