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merkzettel

Erreger breitet sich schnell aus WHO erklärt wegen Zika-Virus globalen Gesundheitsnotstand

BildWHO - Zika-Virus
Moskito-Larven, die den Zika-Virus übertragen am 28.01.2016

(Quelle: dpa)

VideoSchwangere mit Zika-Virus infiziert
Das kolumbianische Gesundheitsministerium hat einen starken Anstieg der Zika-Infektionen bei schwangeren Frauen festgestellt. Die Zahl sei von 890 auf 2.116 Verdachtsfälle bei Schwangeren gestiegen.

Das kolumbianische Gesundheitsministerium hat einen starken Anstieg der Zika-Infektionen bei schwangeren Frauen festgestellt. Die Zahl sei von 890 auf 2.116 Verdachtsfälle bei Schwangeren gestiegen.

(31.01.2016)

VideoKampf gegen tropisches Zika-Virus
US-Präsident Obama hat dazu aufgerufen, das gefährliche Zika-Virus schneller zu erforschen und einen Impfstoff zu entwickeln. Vor allem in Brasilien gibt es einen massiven Ausbruch.

US-Präsident Obama hat dazu aufgerufen, das gefährliche Zika-Virus schneller zu erforschen und einen Impfstoff zu entwickeln. Vor allem in Brasilien gibt es einen massiven Ausbruch.

(27.01.2016)

VideoIn den Kampf gegen das Zika-Virus
Ein Soldat versprüht Mückenschutzmittel, um eine weitere Verbreitung des gefährlichen Zika-Virus zu verhindern

Aufgrund der schweren Auswirkungen des Zika-Virus entschied sich die brasilianische Regierung für eine ungewöhnliche Maßnahme: Soldaten der Armee sollen Broschüren und Mückenschutzmittel verteilen.

(26.01.2016)

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Ausbreitung des Zika-Virus als globalen Gesundheitsnotstand eingestuft. Das gab die WHO nach einem Krisentreffen am Montag bekannt. Zuletzt hatte die WHO 2014 wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika einen Gesundheitsnotstand ausgerufen. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Zika-Virus den globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Zu diesem Schritt habe eine Expertenrunde geraten, teilte die WHO am Montagabend in Genf mit. Es gebe eine räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Virus und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie), sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan. Es fehle aber noch der wissenschaftliche Beweis. "Wir brauchen eine koordinierte internationale Antwort." Das gelte nicht zuletzt für weitere Aufklärung.

Letzter globaler Notstand wegen Ebola

Zuletzt hatte die WHO im August 2014 wegen Ebola in Westafrika einen globalen Notstand erklärt. Davor hatte die WHO die Schweinegrippe (2009) sowie die Verbreitung der Kinderlähmung (2014) als globalen Gesundheitsnotstand bezeichnet. Bei dieser Notfallregelung können Staaten außerhalb der Seuchengebiete aufgefordert werden, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen.

Die Mücke "Aedes aegypti"

Mit Schutzanzügen ziehen Soldaten durch die Straßen in Rio de Janeiro. Da, wo bald Karneval gefeiert wird, sprühen sie Chemikalien in die Luft. Ihre Mission: die Mücke Aedes aegypti vertreiben. Sie ist der Überträger des Zika-Virus. Dieses breitet sich im Moment "explosionsartig" in Brasilien aus. So formulierte es Margaret Chan, Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dabei wird die Mücke in Brasilien laut Regierung schon seit 30 Jahren bekämpft. Ohne Erfolg. Der Alarmpegel sei jetzt extrem hoch.

"Man muss sich schon Sorgen machen“, sagt Virologe Gerd Liebert. Er leitet das Institut für Virologie an der Universität Leipzig und warnt davor, das Zika-Virus zu unterschätzen. "Wir wissen zu wenig darüber. Man stirbt nicht direkt, aber es ist nicht nur ein harmloses Virus." Auch am Institut in Leipzig war man sich der Gefahr nicht von Anfang an bewusst. "Das Virus gehört zu einer Gruppe, die wir gut kennen", erklärt der Virologe. Doch das ist das Problem. Die Viren ähneln etwa denen des Dengue-Fiebers. Deshalb ist es schwierig zu testen, ob ein Patient wirklich mit dem Zika-Virus infiziert ist oder mit einer verwandten Art. In Brasilien gibt es rund 10.000 nachgewiesene Fälle, der Rest sind laut Liebert Schätzungen.

Zika-Virus - die Fakten

Ausbreitung des Zika-Virus

Infokarte: Verbreitung des Zika-Virus

Ursprünglich stammt das Zika-Virus aus Afrika, hat sich aber in Teilen Asiens ausgebreitet. Derzeit grassiert es in Südamerika. Auch aus mehreren französischen Überseegebieten in der Region wurden Erkrankungen gemeldet, darunter aus Martinique und Guadeloupe. Besonders für Schwangere ist das Virus gefährlich, weil es zu schweren Schäden des Ungeborenen führen kann.

Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1968 bekannt. Übertragen wird das Virus durch infizierte Stechmücken, darunter der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Welche Symptome treten auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

Welche Komplikationen gibt es?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom, eine entzündliche Nervenkrankheit, bekannt. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

Wo tritt das Virus auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Auch Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit mehreren hunderttausend Infektionen. Vergangene Woche meldeten die USA erste Fälle - alle Betroffenen hatten sich offenbar bei Reisen in Südamerika angesteckt.

Da die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa heimisch ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass Zika-Fälle hierzulande und in anderen europäischen Staaten auftreten würden. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet. Experten raten Schwangeren von Reisen in betroffene Länder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Guillain-Barré ist eine lebensbedrohliche Nervenerkrankung. Sie beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion - etwa durch eine Lebensmittelvergiftung.

Möglicher Zusammenhang: Zika und Guillain-Barré?

Bis vor kurzem galt das Zika-Virus mit Ausschlag und Fieber als harmlos. Dann geriet es in Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler auch einen Zusammenhang mit Guillain-Barré. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms.

Der Virologe sieht jetzt vor allem Ärzte, Forscher und Politiker in der Pflicht. Das Virus sei eine globale Herausforderung. Vorwürfe, zu spät gehandelt zu haben, macht er niemandem. "Man kann nicht jedes Virus, das vorbeigeflogen kommt, richtig einschätzen." Aber jetzt, da die WHO die Situation zum Notstand erklärt, heißt das, dass man weltweit aufmerksam wird. Dann wird auch Epidemiologie betrieben, also registriert, wo das Virus auftritt. Das hält Liebert für besonders wichtig und den richtigen Weg.

 
Der weltweite Gesundheitsnotstand

Den weltweiten Gesundheitsnotstand ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus, wenn ein Fall besonders "ernst, ungewöhnlich und unerwartet" ist. Wenn er Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat, sich über die Staatsgrenzen ausbreiten kann und eine internationale Hilfe nötig ist. So ist der Notstand in den internationalen WHO-Gesundheitsvorschriften definiert. Diese Maßnahme trifft die WHO aber sehr selten. Die letzten Fälle waren die Schweinegrippe 2009 und Ebola 2014.

Brasilien hat den "Gesundheitsnotstand" schon länger ausgerufen. Die Regierung wirkt verzweifelt. Gesundheitsminister Marcelo Castro sagte laut Katholischer Nachrichtenagentur, dass man den "Kampf gegen die Mücke haushoch" verliere. Er sprach von einem "totalen Krieg gegen die Mücke". Wenn dieser nicht gewonnen werde, mache sich Brasiliens Gesellschaft schuldig, eine Generation behinderter Kinder hervorzubringen. Im Februar sollen Soldaten in besonders betroffene Gebiete gehen, um die Menschen zu informieren und sie zu unterstützen. Zudem sollen etwa 400.000 schwangere Frauen mit Schutzmitteln ausgestattet werden.

Mücke könnte sich in Deutschland vermehren

Die Einschätzungen der internationalen Situation sind unterschiedlich. Ob sich das Virus in Europa ausbreitet, ist nicht sicher. Es gibt erste Fälle in den USA, auch in Deutschland und der Schweiz. Die Patienten hatten sich jedoch meist auf Reisen infiziert. Die Gesellschaft für Virologie sieht deshalb keine Gefahr für Deutschland: "Das Zika-Virus wird sich nicht in Deutschland ansiedeln", sagt Christian Drosten vom Institut für Virologie der Universitätsklinikum Bonn. Doch die Mücke, die das Virus überträgt, wurde schon in Deutschland entdeckt. Und wenn es ab Mai wärmer wird, könnte sich hier vermehren, auch wenn die Bedingungen in Deutschland nicht tropisch sind. In Regentonnen etwa, erklärt Virologe Uwe Gerd Liebert aus Leipzig.

In Deutschland wird derzeit unter anderem an der Uni Leipzig und beim Robert-Koch-Institut in Bonn geforscht. Aber schnelle und gute Test, um das Virus zu identifizieren, fehlen. Auch einen Impfstoff oder Medikamente gibt es noch nicht für Zika-Patienten. "Wir sind erst am Beginn, das Virus zu verstehen", so Liebert. Die Europäische Union hat nun zehn Millionen Euro Forschungsgelder bereitgestellt. Doch es dauert mehrere Monate, bis die Gelder für einzelne Projekte verfügbar sind. Forschung braucht Zeit. Liebert erklärt: "Einen Impfstoff zu entwickeln, wäre vielleicht möglich innerhalb von fünf Jahren – und das wäre schon schnell."

 
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Die Symptome des Zika-Virus sind meist unauffällig. Infizierte zeigen oft grippeähnliche Symptome, manche merken gar nichts von dem Virus. Es wird jedoch vermutet, dass Schwangere das Virus auf ihre ungeborenen Kinder übertragen können. In Brasilien werden seit etwa einem Jahr tausende Kinder mit einem extrem kleinen Kopf geboren. Mikrozephalie heißt diese gefährliche Fehlbildung. Ob es einen Zusammenhang zum Zika-Virus gibt, ist noch nicht bewiesen. Doch Virologe Uwe Gerd Liebert hält es für sehr wahrscheinlich. Schwangeren wird deshalb davon abgeraten, nach Südamerika zu reisen. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und das Auswärtige Amt raten, Reisen in die Ausbruchsgebiete "möglichst zu vermeiden".

01.02.2016, Quelle: dpa, reuters, ap, zdf
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