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merkzettel

Zika-Virus in USA Zika durch Sex übertragen: WHO "besorgt"

BildStechmücke Aedes aegypti
Zika-Virus: Stechmücken der Art Aedes aegypti

Eine Stechmücke der Art Aedes aegypti. Sie wird für einen Großteil der Zika-Übertragungen verantwortlich gemacht. In den USA wurde das Virus nun allerdings auch von Mensch zu Mensch übertragen: durch Sex.

(Quelle: reuters)

VideoZika-Virus: WHO ruft Notstand aus
Die WHO hat wegen des Zika-Virus den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Die WHO hat wegen des Zika-Virus den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die brasilianische Regierung rät Schwangeren von einer Reise zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ab.

(02.02.2016)

VideoZika: "Verstehen Ursachen noch nicht"
Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Im Kampf gegen den Zika-Virus stehe man erst ganz am Anfang, sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Die Entwicklung eines Impfstoffs könne Jahre dauern.

(01.02.2016)

Video"Wir verlieren den Kampf"
ZDF-Korrespondent Andreas Wunn hat in Brasilien Familien mit Neugeborenen besucht, die durch das Zika-Virus an Microzephalie erkrankt sind.

ZDF-Korrespondent Andreas Wunn hat in Brasilien Familien mit Neugeborenen besucht, die durch das Zika-Virus an Microzephalie erkrankt sind. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff sei alarmiert.

(01.02.2016)

Das Zika-Virus breitet sich weiter aus. Im US-Bundesstaat Texas hat sich eine Person durch Sex angesteckt. "Der aus den USA berichtete Fall ist Anlass zur Sorge", erklärte ein WHO-Sprecher. In Brasilien steigt die Zahl der Schädel-Fehlbildungen bei Babys indes weiter - 404 Fälle sind inzwischen bestätigt. 

Der erste bekannte Fall einer Ansteckung mit dem Zika-Virus in den USA geht den Behörden zufolge wahrscheinlich auf eine Übertragung durch Geschlechtsverkehr zurück. Die Erkrankung sei nicht durch einen Mückenstich ausgelöst worden, erklärte das Gesundheitsamt für die Region rund um die texanische Großstadt Dallas. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich beunruhigt, dass das Zika-Virus auch beim Sex übertragen werden kann. Allerdings gehe man weiter davon aus, das "beinahe 100 Prozent aller Ansteckungen durch Stechmücken erfolgen", so WHO-Sprecher Gregory Härtl in Genf.

Allerdings geht die US-Seuchenschutzbehörde CDC zwei weiteren Zika-Fällen nach, die mit Sexualkontakten zu tun haben könnten. In einem Fall wurde das Virus laut der Zeitung "New York Times" von einem US-Forscher, der sich in Afrika aufgehalten hatte, auf seine Frau übertragen. In einem anderen Fall wurde das Virus im Sperma eines Mannes nachgewiesen, während es im Rest des Körpers nicht nachweisbar war.

1,5 Millionen Zika-Infektionen in Brasilien

Das von Stechmücken übertragene Virus grassiert derzeit in Süd- und Mittelamerika. Brasilien ist besonders schwer von der Zika-Epidemie betroffen: Die Zahl der Zika-Infektionen wird dort auf 1,5 Millionen geschätzt, nach Angaben der Behörden sind seit Oktober knapp 4.000 Babys mit Verdacht auf Mikrozephalie auf die Welt gekommen, 404 Fälle sind bislang bestätigt.

Der Kopf der Kinder ist viel zu klein und die Gefahr groß, dass sie geistig behindert bleiben oder unter neurologischen Schäden leiden werden.

Schatten über Olympischen Spielen in Rio

Die rasante Ausbreitung des mysteriösen Zika-Virus belastet auch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro immer mehr. "Wir sehen es mit Besorgnis", sagte Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), am Rande des Sportbusiness Kongresses "SpoBis" in Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat wegen des Zika-Virus und dessen möglicher Verbindung mit Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Neugeborenen den globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Unterdessen gab die brasilianische Regierung eine Reiseempfehlung heraus und riet schwangeren Frauen, die Sommerspiele vom 5. bis 21. August in Rio de Janeiro zu meiden.

Zika-Virus: Ein Rückblick

1947

Moskito-Larven, die den Zika-Virus übertragen am 28.01.2016

Bei einem Rhesusaffen aus dem Zika-Wald in Uganda wird das Virus erstmals nachgewiesen.

1952

Forscher finden den Erreger bei Menschen in Uganda und Tansania. In den folgenden Jahrzehnten werden jedoch nur vereinzelte Infektionen aus Afrika und Südasien bekannt.

2007

Im Pazifik-Raum häufen sich Infektionen. Seit 2013 gibt es laut Weltgesundheitsorganisation weitere Fälle in Afrika und Amerika.

November 2015

Der erste bekannte große Ausbruch nimmt seinen Anfang in Brasilien. Eine Häufung von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen geht nach Ansicht von Fachleuten auf das Virus zurück.

Dezember 2015

Nach Angaben des brasilianischen Regierung sind die Verdachtsfälle im Land sprunghaft angestiegen.

Januar 2016

Die Behörden in Jamaika und Kolumbien empfehlen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben. In Deutschland gab es seit 2013 mehrere Fälle bei zurückkehrenden Reisenden, davon mindestens fünf in Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch in Lateinamerika.

Februar 2016

Die Weltgesundheitsorganisation erklärt den globalen Gesundheitsnotstand. Es gebe eine starke räumliche und zeitliche Verbindung zwischen Zika und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen.

Moskito-Gefahr im brasilianischen Winter geringer

Das Risiko für Besucher und Athleten in Brasilien sei "gleich Null" - dies gelte aber nicht für Schwangere, sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner. "Dann wäre dies selbstverständlich nicht empfehlenswert." Die Spiele wegen des Zika-Ausbruchs abzusagen, schloss Wagner aus, zumal das Klima zu Hilfe kommen könnte. Im brasilianischen Winter, also wähernd der Rio-Spiele, ist die Moskitogefahr deutlich geringer.

"Wir müssen uns das genau anschauen. Bisher ist es fokussiert auf den Kreis der Schwangeren", erklärte Schimmelpfennig. Der deutsche Olympia-Chefarzt Bernd Wolfahrt habe die derzeitige Entwicklung "wissenschaftlich solide" analysiert und "etwas an Panik rausgenommen". Dennoch wolle man die Situation intensiv verfolgen. "Wir werden unsere Athleten so informieren und vorbereiten, um das Risiko weitestgehend zu minimieren", sagte Schimmelpfennig.

DOSB beobachtet Entwicklung genau

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Sollte sich die Lage mit dem Zika-Virus nicht verändern, müsste man auch über eine Verlegung der geplanten Trainingslager vor den Sommerspielen nachdenken. "Das muss zwingend dann so sein", sagte er. Der DOSB wolle dabei mit den Sportfachverbänden im Gespräch bleiben, um das Problem mit dem Zika-Virus zu lösen. "Die schauen auch genau auf diese Entwicklung. Da weiß jeder um die Verantwortung für seine Athleten, Trainer und Funktionäre", meinte Schimmelpfennig.

"Noch bin ich sehr optimistisch, dass es keine gravierende Gefährdung bei den Spielen geben wird", sagte Siegfried Kaidel, Sprecher der olympischen Spitzenverbände und Präsident der deutschen Ruderer. "Man muss aber bis zum letzten Tag prüfen, wie die Lage ist." Allerdings habe er volles Verständnis, dass unter den potenziellen Olympia- Athleten wegen Zika die Sorge wächst. "Viele der Sportler, die um ein Olympia-Ticket kämpfen oder sich auf Rio vorbereiten, werden verunsichert sein", meinte Kaidel.

Zika-Virus - die Fakten

Ausbreitung des Zika-Virus

Infokarte: Verbreitung des Zika-Virus

Ursprünglich stammt das Zika-Virus aus Afrika, hat sich aber in Teilen Asiens ausgebreitet. Derzeit grassiert es in Südamerika. Auch aus mehreren französischen Überseegebieten in der Region wurden Erkrankungen gemeldet, darunter aus Martinique und Guadeloupe. Besonders für Schwangere ist das Virus gefährlich, weil es zu schweren Schäden des Ungeborenen führen kann.

Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1968 bekannt. Übertragen wird das Virus durch infizierte Stechmücken, darunter der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Welche Symptome treten auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

Welche Komplikationen gibt es?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom, eine entzündliche Nervenkrankheit, bekannt. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

Wo tritt das Virus auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Auch Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit mehreren hunderttausend Infektionen. Vergangene Woche meldeten die USA erste Fälle - alle Betroffenen hatten sich offenbar bei Reisen in Südamerika angesteckt.

Da die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa heimisch ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass Zika-Fälle hierzulande und in anderen europäischen Staaten auftreten würden. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet. Experten raten Schwangeren von Reisen in betroffene Länder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Guillain-Barré ist eine lebensbedrohliche Nervenerkrankung. Sie beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion - etwa durch eine Lebensmittelvergiftung.

Möglicher Zusammenhang: Zika und Guillain-Barré?

Bis vor kurzem galt das Zika-Virus mit Ausschlag und Fieber als harmlos. Dann geriet es in Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler auch einen Zusammenhang mit Guillain-Barré. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms.

03.02.2016, Quelle: dpa
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