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merkzettel

Zika-Virus Nord- und Südamerika: Sorge vor Ausbreitung

VideoVerzweifelter Kampf gegen Zika
Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums beräuchert ein Haus, um das Eindringen des Zika-Virus in Managua zu verhindern, Nicaragua am 26. 01.2016

Angst vor den schweren Auswirkungen des Zika-Virus: Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministerums in Nicaragua räuchert in der Hauptstadt Managua ein Haus aus.

(26.01.2016)

Videoh19
Mücken, die den Zika-Virus übertragen.

Der sogenannte Zika-Virus sorgt in Lateinamerika für Besorgnis. Besonders während der Schwangerschaft besteht die Gefahr, dass der Virus Schädelfehlbildungen bei Babys auslöst.

(25.01.2016)

VideoDie Virenjäger - Seuchen auf der Spur
Fledermaus wird in Panama untersucht

Immer tiefer dringt der Mensch in unberührte Lebensräume vor, zerstört die Natur. Gleichzeitig nehmen Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, zu. Gibt es einen Zusammenhang?

(08.11.2015)

VideoMers-Epidemie gebannt
Ministerpräsident Hwang Kyo Ahn hat die Epidemie der lebensgefährlichen Atemwegserkrankung Mers für beendet erklärt.

Ministerpräsident Hwang Kyo Ahn hat die Epidemie der lebensgefährlichen Atemwegserkrankung Mers für beendet erklärt.

(28.07.2015)

Kurzmeldung

  • Tropisches Zika-Virus auch in Deutschland 08:50 Uhr 27.01.2016
    Das in Brasilien grassierende Zika-Virus ist in den vergangenen Jahren auch mehrfach bei deutschen Reiserückkehrern diagnostiziert worden. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin habe seit 2013 zehn Fälle festgestellt, sagte der Virologe Schmidt-Chanasit der Nachrichtenagentur dpa. Dabei handle es sich ausschließlich um importierte Fälle. Es könne aber viele Fälle gegeben haben, die nicht registriert wurden. Der Erreger verursacht meist keine schwere Erkrankung. Er steht aber im Verdacht, bei Schwangeren das ungeborene Kind zu schädigen.

Von Washington bis Bogotá - auf dem amerikanischen Kontinent wächst die Angst vor dem Zika-Virus. Nun hat US-Präsident Obama zu einer Info-Sitzung ins Weiße Haus geladen. US-Wissenschaftler forschen bereits mit Hochdruck an einem Impfstoff. 

In Nord- und Südamerika wächst die Sorge vor einer Verbreitung des gefährlichen Zika-Virus. Im Weißen Haus ließ sich Präsident Barack Obama am Dienstag über die Gefahr einer möglichen Ausbreitung in den USA informieren. Kurz zuvor hatten US-Wissenschaftler berichtet, mit Forschungen an einem Impfstoff zu beginnen.

In Kolumbien angesteckt

Costa Rica meldete seinen ersten Zika-Fall. Der Betroffene steckte sich offenbar in Kolumbien an, wo inzwischen zahlreiche Verdachtsfälle registriert werden. In Brasilien, wo der Virus Ende vergangenen Jahres erstmals nachgewiesen wurde, warnte der Gesundheitsminister vor einer Niederlage im Kampf gegen den Virus.

Das Zika-Virus stammt aus Afrika und hat sich auch in Teilen Asiens ausgebreitet. Lange galt es als relativ harmlos. Doch kam es in Brasilien zu einem massiven Zika-Ausbruch, den Forscher mit dem Anstieg eines seltenen Geburtsdefekts namens Mikrozephalie in
Verbindung bringen. Dieser führt dazu, dass Babys mit zu kleinen Köpfen auf die Welt kommen. Zudem gilt das Virus als möglicher Auslöser von Lähmungen.

Weitere Links zum Thema

Die US-Seuchenschutzbehörde rät Schwangeren inzwischen von Reisen nach Brasilien und 21 anderen Ländern und Gebieten in Lateinamerika und der Karibik ab.

An den nationalen US-Gesundheitsinstituten laufen mittlerweile erste Forschungen an einem Mittel gegen den Zika-Virus. Mit Ergebnissen sei aber nicht über Nacht zu rechnen, warnte einer der zuständigen Ärzte, Anthony Fauci. Seine Behörde plane, auch Kollegen in Brasilien mit Finanzmitteln für Zika-Forschungsprojekte zu unterstützen. Im Übrigen gebe es bereits Impfstoffe in verschiedenen Entwicklungsstadien gegen Erkrankungen aus der gleichen Virus-Familie: Beispielsweise Dengue, West-Nil und Chikungunya.

Mögliche Folgen für Wirtschaft

Gemeinsam mit anderen ranghohen Experten und Gesundheitsministerin Sylvia Mathews Burwell nahm Fauci an einer Sitzung im Weißen Haus teil, die sich um den Zika-Virus drehte. Dabei mahnte Obama ein höheres Tempo bei Diagnose, Prävention und Behandlung an. Zudem habe er sich über Maßnahmen zum Schutz von Amerikanern informiert, teilte das Weiße Haus weiter mit. Überdies ging es um mögliche Folgen eines
Ausbruchs für Wirtschaft und Entwicklung.

Aus dem Staat Virginia wurde ein Fall gemeldet. Ein Bewohner habe sich vor kurzem in einem von Zika-Übertragungen betroffenen Land aufgehalten und sei nach seiner Rückkehr positiv getestet worden, teilten Gesundheitsbehörden mit. Eine Gefahr für andere Bewohner von Virginia bestehe aber nicht, da dort gerade keine Mückensaison sei.

Gefährliches Virus

In Kolumbien stieg derweil die Zahl der Zika-Verdachtsfälle. Offenbar seien 16.490 Personen an dem gefährlichen Virus erkrankt, 1.090 von ihnen seien schwanger, sagte Gesundheitsminister Alejandro Gaviria am Dienstag. Präsident Juan Manuel Santos sagte, er rechne mit bis zu 600.000 Fällen in diesem Jahr. Die Behörden gehen im ganzen Land
gegen Mücken vor, die das Virus übertragen.

Zika-Virus - die Fakten

Ausbreitung des Zika-Virus

Infokarte: Verbreitung des Zika-Virus

Ursprünglich stammt das Zika-Virus aus Afrika, hat sich aber in Teilen Asiens ausgebreitet. Derzeit grassiert es in Südamerika. Auch aus mehreren französischen Überseegebieten in der Region wurden Erkrankungen gemeldet, darunter aus Martinique und Guadeloupe. Besonders für Schwangere ist das Virus gefährlich, weil es zu schweren Schäden des Ungeborenen führen kann.

Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1968 bekannt. Übertragen wird das Virus durch infizierte Stechmücken, darunter der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Welche Symptome treten auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

Welche Komplikationen gibt es?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom, eine entzündliche Nervenkrankheit, bekannt. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

Wo tritt das Virus auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Auch Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit mehreren hunderttausend Infektionen. Vergangene Woche meldeten die USA erste Fälle - alle Betroffenen hatten sich offenbar bei Reisen in Südamerika angesteckt.

Da die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa heimisch ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass Zika-Fälle hierzulande und in anderen europäischen Staaten auftreten würden. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet. Experten raten Schwangeren von Reisen in betroffene Länder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Guillain-Barré ist eine lebensbedrohliche Nervenerkrankung. Sie beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion - etwa durch eine Lebensmittelvergiftung.

Möglicher Zusammenhang: Zika und Guillain-Barré?

Bis vor kurzem galt das Zika-Virus mit Ausschlag und Fieber als harmlos. Dann geriet es in Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler auch einen Zusammenhang mit Guillain-Barré. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms.

Mit einem Aufgebot von rund 220.000 Soldaten will auch Brasilien den Insekten zu Leibe rücken. Die Mitglieder der Streitkräfte würden von Haus zu Haus gehen, um vor dem Karneval bei der Mückenbekämpfung zu helfen, sagte Gesundheitsminister Marcelo Castro. Rund 400.000 schwangere Frauen, die auf Sozialleistungen angewiesen seien, würden zudem mit Mückenspray ausgerüstet. Zugleich räumte Castro ein Versagen der Behörden ein. "Die Mücke gibt es in Brasilien seit drei Jahrzehnten, und wir verlieren den Kampf gegen sie."

Fragen & Antworten zum Zika-Virus

1. Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg: "Das Zika-Virus wird von Stechmücken übertragen. Es ist verwandt mit dem Dengue-Virus."

2. Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

3. Wie groß ist die Gefahr für Schwangere?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bei Schwangeren kann es in den ersten sechs Monaten zu einer Schädigung der Leibesfrucht kommen, sagt Jonas Schmidt-Chanasit. Das Ungeborene habe einen zu kleinen Kopf und das Gehirn sei unterentwickelt.

4. Wie gefährlich ist das Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

"Im besten Fall bemerkt man das Virus gar nicht", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Da sei an sich gut. Das sei aber auch für das Virus gut, das sich auf diese Weise unbemerkt ausbreiten könne. Im schlimmsten Fall könne es zu Lähmungserscheinungen führen, auch zu Atemlähmungen.

5. Wie groß ist die Gefahr für Reisende?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Für den durchschnittlichen Reisenden - also nicht Schwangere - hat sich mit dem Thema "Zika" nichts verändert, sagt  Jonas Schmidt-Chanasit. Vor Reisen in die Tropen solle man, wie immer vor solchen Reisen, "zu einer reisemedizinischen Beratung gehen, sich genau informieren, Impfungen auffrischen". Für Schwangere sei das "eine ganz besondere Situation. Sie sollten diese Länder meiden und auch Frauen und Mädchen, die schwanger werden wollen, sollten auch nicht in diese Länder reisen".

27.01.2016, Quelle: dpa
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