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merkzettel

Zika-Virus Brasilien: WHO-Chefin kommt mit Aktionsplan im Gepäck

BildBaby mit Mikrozephalie
Zika-Virus in Brasilien

(Quelle: ap)

VideoPapst beendet Mexiko-Reise
Zum Ende seiner fünftägigen Mexiko-Reise hat Papst Franziskus zur Solidarität mit Flüchtlingen in aller Welt aufgerufen. In Ciudad Juarez hielt er zum Abschluss eine Messe vor 300.000 Gläubigen.

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(18.02.2016)

VideoKuba: Papst trifft Patriarch
In Kubas Hauptstadt Havanna hat Papst Franziskus den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill I. getroffen. Die beiden wollen die Christenheit wieder stärker zusammenführen.

In Kubas Hauptstadt Havanna hat Papst Franziskus den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill I. getroffen. Die beiden wollen die Christenheit wieder stärker zusammenführen.

(13.02.2016)

VideoWie gefährlich ist der Zika-Virus?
Mutter mit Baby

Die Nachricht, dass der Zika-Virus auch sexuell übertragen werden kann, alarmiert die Welt. Mit HIV vergleichen kann man ihn jedoch nicht.

(03.02.2016)

von Ines Eisele, Rio de Janeiro

Brasilien bekommt wichtigen Besuch: WHO-Chefin Margaret Chan reist in das am stärksten vom Zika-Virus betroffene Land. Im Gepäck hat sie einen 50 Millionen Euro schweren Aktionsplan. Ihre Hilfe wird dort dringend benötigt, so wie der Impfstoff. 

Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, beginnt heute eine Dienstreise, bei der sie das Mückenspray lieber nicht vergessen sollte. In Brasiliens Hauptstadt Brasília trifft sie sich am Nachmittag (Ortszeit) mit Präsidentin Dilma Rousseff. Danach geht es mit Gesundheitsminister Marcelo Castro weiter in das Epizentrum des Zika-Virus, die Großstadt Recife im Nordosten des Landes. Hier wurden mit Abstand die meisten mutmaßlich mit dem Zika-Virus zusammenhängenden Mikrozephalie-Fälle registriert.

Impfstoff soll gefördert werden

Der Besuch Chans in Brasilien ist ein wichtiger Schritt, um die Kräfte im Kampf gegen Zika zu bündeln. Die WHO-Chefin hat einen 50 Millionen Euro schweren Aktionsplan im Gepäck, mit dem sie Brasilien und die anderen von Zika betroffenen Länder unterstützen will. Mit den Mitteln sollen vor allem die Überträger-Mücken bekämpft und die Entwicklung eines Impfstoffs gefördert werden.

In der Tat hat die WHO viel Arbeit vor sich. Auch wenn Dilma Rousseff schon im Januar der Aedes aegypti den Krieg erklärt hat und verkündete: "Ein Moskito darf nicht stärker als ein ganzes Land sein" – bisher ist er es sehr wohl. Tonnenweise Gift und 220.000 Soldaten, die mit Infobroschüren von Haus zu Haus gehen, haben keine nennenswerten Verbesserungen gebracht.

Zika-Virus weitgehend unerforscht

Dabei ist die Situation prekär in jeder Hinsicht. Anfang 2016 schätzte das brasilianische Gesundheitsministerium die Zahl der Zika-Infektionen im Land auf bis zu 1,5 Millionen, aber zuverlässige Zahlen gibt es nicht. Die Diagnose dauert lange und wird von vielen Krankenversicherungen nicht übernommen. Schnelltests, um das Virus zu diagnostizieren, gibt es viel zu wenige, daher werden sie nur bei Schwangeren mit Verdacht auf Zika, bei Babys mit Mikrozephalie und bei Patienten mit Verdacht auf das Guillain-Barré-Syndrom durchgeführt.

Ein weiteres Problem: 80 Prozent aller Erkrankten bemerken die Infektion gar nicht. Denn in den meisten Fällen verläuft Zika entweder ganz ohne Symptome oder nur mit milden Erscheinungen wie Hautausschlag und Gelenkschmerzen. Die Dunkelziffer der Zika-Infektionen liegt dementsprechend hoch.

Verursacht Zika Mikrozephalie?

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Gefährlich dagegen wird es, wenn sich Schwangere mit Zika infizieren. Es ist zwar noch nicht endgültig bewiesen, aber das Virus steht im dringenden Verdacht, Mikrozephalie bei Babys von infizierten Müttern auszulösen. Die Neugeborenen haben kleinere Schädel und damit einhergehend oft geistige Behinderungen. Von 5.280 Verdachtsfällen seit Oktober 2015 hat das brasilianische Gesundheitsministerium bereits 508 Fälle mit Mikrozephalie bestätigt.

Und das ist noch nicht alles: Auch zum Guillain-Barré-Syndrom zeigt Zika auffällige Verbindungen. Mit dem Auftreten von Zika mehren sich die Fälle der seltenen Lähmungskrankheit.

WHO, USA und EU helfen mit Millionen

Angesichts der heiklen Situation haben sich neben der WHO mittlerweile auch die USA eingeschaltet. Die US-Seuchenbehörde CDC hat ein Forscherteam von 17 Experten entsandt, das zusammen mit brasilianischen Fachleuten endlich herausfinden soll, ob Zika tatsächlich Mikrozephalie bei Säuglingen hervorruft. Denn ohne wissenschaftliche Gewissheiten ist der Kampf gegen das Virus sinnlos. Das sieht auch die Europäische Union so und unterstützt die Zika-Forschung mit zehn Millionen Euro.

Trotz all dieser Bemühungen wird es noch Wochen oder Monate dauern, bis der Zusammenhang zwischen Zika-Virus, Mikrozephalie und Guillain-Barré-Syndrom geklärt ist. Bis ein Impfstoff auf dem Markt ist, kann es Jahre dauern.

Zika – bald verschwunden?

Zika hat Brasilien in einem äußerst ungünstigen Moment erwischt: Kein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen fangen nun auch Athleten und Besucher der Großveranstaltung an, die Risiken einer Reise abzuwägen. Viele Auswärtige Ämter haben bereits Reisewarnungen für Schwangere ausgesprochen.

Unterdessen versichert Eduardo Paes, Bürgermeister von Rio de Janeiro: "Im Monat August gibt es keine Verbreitung des Moskitos, der Zika überträgt." Das ist echter brasilianischer Optimismus – der allerdings im Widerspruch zum von der WHO ausgerufenen Weltnotstand steht.

Zika-Virus - die Fakten

Ausbreitung des Zika-Virus

Infokarte: Verbreitung des Zika-Virus

Ursprünglich stammt das Zika-Virus aus Afrika, hat sich aber in Teilen Asiens ausgebreitet. Derzeit grassiert es in Südamerika. Auch aus mehreren französischen Überseegebieten in der Region wurden Erkrankungen gemeldet, darunter aus Martinique und Guadeloupe. Besonders für Schwangere ist das Virus gefährlich, weil es zu schweren Schäden des Ungeborenen führen kann.

Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1968 bekannt. Übertragen wird das Virus durch infizierte Stechmücken, darunter der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Welche Symptome treten auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

Welche Komplikationen gibt es?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom, eine entzündliche Nervenkrankheit, bekannt. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

Wo tritt das Virus auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Auch Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit mehreren hunderttausend Infektionen. Vergangene Woche meldeten die USA erste Fälle - alle Betroffenen hatten sich offenbar bei Reisen in Südamerika angesteckt.

Da die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa heimisch ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass Zika-Fälle hierzulande und in anderen europäischen Staaten auftreten würden. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet. Experten raten Schwangeren von Reisen in betroffene Länder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Guillain-Barré ist eine lebensbedrohliche Nervenerkrankung. Sie beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion - etwa durch eine Lebensmittelvergiftung.

Möglicher Zusammenhang: Zika und Guillain-Barré?

Bis vor kurzem galt das Zika-Virus mit Ausschlag und Fieber als harmlos. Dann geriet es in Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler auch einen Zusammenhang mit Guillain-Barré. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms.

23.02.2016
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