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merkzettel

Internationale Süßwarenmesse Zucker: Warum wir Süßes lieben

BildZuckerwürfel
Zuckerwürfel

(Quelle: Matheisl)

VideoEssstörung Orthorexie
Frau bei Essenszubereitung

Manche Menschen nehmen es mit der gesunden Ernährung zu genau - was dazu führt, dass sie kaum noch etwas finden, was sie zu sich nehmen können. Die Folge: Mangelernährung und soziale Isolation.

(21.01.2016)

VideoEs geht auch ohne Zucker
Bunte Süßigkeiten

Folgen von zu viel Zucker zeigt der Kinofilm "Voll verzuckert" eindrucksvoll. Zucker steckt in vielen Lebensmitteln - wie man den Konsum reduziert, erklärt Ernährungsexpertin Brigitte Bäuerlein.

(29.10.2015)

VideoDroge Zucker
Ist Zucker ein süßer Energiespender, auf den wir nicht verzichten können, oder ist er die Volksdroge Nummer eins, voller Gefahren und böser Folgen?

Ist Zucker ein süßer Energiespender, auf den wir nicht verzichten können, oder ist er die Volksdroge Nummer eins, voller Gefahren und böser Folgen? Ein neuer Film und Bücher zum Thema.

(23.10.2015)

von Jana Sepehr

Zucker ist gut – das signalisiert uns das Belohnungszentrum im Gehirn, wenn wir Süßes essen. Schon unsere Vorfahren erkannten: Zucker ist gut bekömmlich und energiereich. Was früher ein Überlebensvorteil war, kann heute zum Problem werden. Zu viel Zucker kann suchtähnliches Verhalten auslösen. 

Schokolade, süße Backwaren & Speiseeis stehen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Deutschen. Doch auch ausgefallene Süßwaren haben eine Chance: Auf der weltweit größten Messe für Süßwaren und Snacks, der internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln, präsentieren jedes Jahr mehr als 1.500 internationale Aussteller ihre liebsten Leckereien. Pastellfarbene Schokokugeln, Zungen-Tattoos aus Esspapier und Lakritz Fudge gehören in diesem Jahr zu den Neuheiten.

2015: 32,48 Kilogramm Süßigkeiten pro Person

Nicht ohne Grund lassen sich die Hersteller immer etwas Neues einfallen, denn der Markt für Süßigkeiten ist groß: 32,48 Kilogramm Süßwaren aß der Deutsche durchschnittlich im Jahr 2015 – rund 110 Euro ließ er sich die Nascherei kosten. Das sind fast zehn Prozent der gesamten Ausgaben für Lebensmittel, ermittelte der Mittelstandsverbund.

Die Vorliebe für Süßes hat mehrere Gründe. Unsere Vorfahren erkannten, dass süße Lebensmittel gut bekömmlich sind und Zucker – im Vergleich zu Fett oder Proteinen – schnell verfügbare Energie liefert. Das zu erkennen, war in früheren Zeiten ein Überlebensvorteil. Denn lange waren Nahrungsmittel knapp. Die Evolution hat uns deshalb gelehrt: Zucker ist gut. Doch heute gibt es in weiten Teilen der Welt einen gewaltigen Lebensmittelüberschuss. Das ist in der Menschheitsgeschichte ein völlig neuer Zustand, sagt Dr. Martin Grosshans, Suchtmediziner und Adipositasforscher am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. "Erst seit wenigen Generationen kommen wir in einigen Ländern einfach und sehr günstig an kalorienreiche Nahrung. Auf diese neue Situation ist unser Gehirn evulotionär noch nicht vorbereitet."

Zucker – eine wohlschmeckende Belohnung

Wenn wir essen, wird im Gehirn das Belohnungszentrum aktiviert. Eine zweckmäßige Reaktion des Körpers: Denn das Sättigungsgefühl verdrängt den unangenehmen Hunger. Das gilt für alle Nahrungsmittel. Doch einige Studien aus den vergangenen Jahren sprechen dafür, dass besonders zuckerhaltige Speisen das Belohnungssystem stärker aktivieren, sagt Grosshans. "Ein hoher Zuckeranteil bedeutet eine stärkere Ausschüttung von Dopamin, einem Hormon des Gehirns, das für die Übermittlung angenehmer Gefühle verantwortlich ist." Zudem gibt es individuelle Unterschiede: "Bei einigen Menschen reagiert das Belohnungszentrum wesentlich stärker auf süßen Geschmack." Erziehung zu bestimmtem Essverhalten, lokale Essgewohnheiten und unverhältnismäßig hoher Konsum von zuckerreicher Ernährung sind mögliche Gründe, sagt Grosshans.

Zucker und Süßstoff

Zucker und Krankheiten

pieces of chocolate are seen at the 14th salon du chocolat (paris chocolate show) in paris october 28, 2008. reuters/benoit tessier (france)

Zucker bringe per se keine gesundheitlichen Probleme mit sich, sagt Dr. Martin Grosshans vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim: "Im Prinzip kann man mehrere Tafeln Schokolade essen – wenn man sich danach die Zähne putzt und einen Halbmarathon läuft." Doch viel Zucker kann schnell zu starkem Übergewicht (Adipositas) führen. "Denn zu viel Zucker bedeutet oft auch zu viel Kalorien", sagt Prof. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Und für Übergewichtige ist das Risiko vieler Krankheiten deutlich erhöht. Dazu gehören Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen und Herzkreislauferkrankungen. Im schlimmsten Fall können auch Schlaganfall oder Herzinfarkt die Folge sein.

Alternative Süßstoff?

Es gibt zwei Arten von Süßstoffen. Die Zuckeraustauschstoffe wie etwa Sorbit und die künstlichen Süßstoffe wie etwa Aspartam.

Zuckeraustauschstoffe sind Kohlenhydrate, die – im Vergleich mit herkömmlichen Zucker – einen geringeren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben, weil sie Insulin-unabhängig verstoffwechselt werden. Auch synthetische Süßstoffe enthalten Kalorien. Aspartam enthält, genau wie Zucker, etwa vier Kilokalorien pro Gramm. Allerdings ist der Süßstoff rund 200mal süßer als Haushaltszucker. Um eine angenehme Süße zu erreichen, braucht man von dem Süßstoff also nur eine sehr geringe Menge. Zwar standen Zuckerersatzstoffe häufig in der Kritik und im Verdacht, Krebs, Durchfall oder Heißhunger auszulösen. In kleinen Mengen und für eine Übergangsphase hin zur kalorienärmeren Ernährung etwa seien Süßstoffe unproblematisch, sagt Prof. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. Grundsätzlich sei jedoch eine natürliche und zuckerarme Ernährung ratsam.

Zuckersteuer sinnvoll?

Mediziner und Institute fordern staatliche Maßnahmen, die besonders ungesunde Lebensmittel für Käufer unattraktiver machen sollen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wandte sich mit zahlreichen Empfehlungen an die Staaten. Denn erst kürzlich veröffentlichte die Organisation einen alarmierenden Bericht: 41 Millionen Kinder weltweit seien zu dick. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert seit Jahren eine Steuer für Lebensmittel, die viel Zucker oder Fett enthalten. Der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf kalorienreiche und ballaststoffarme Produkte könnte eine sinnvolle Möglichkeit sein, sagt Professor Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. Dafür sollten etwa besonders gesunde Lebensmittel geringer besteuert werden. Doch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft lehnt eine "Bevormundung der Verbraucher durch Strafsteuern" bisher ab. Länder wie Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko haben hingegen bereits abgestufte Lebensmittelsteuern eingeführt.

Aber es ist nicht nur der Geschmack, der das positive Gefühl auslösen kann.
Bei manchen Menschen reicht sogar schon der Anblick von Süßspeisen, um das Belohnungszentrum im Gehirn zu reizen. Grosshans Kollege, Prof. Frank Kiefer, belegte dies anhand einer Studie. Mit Hilfe eines Magnetresonanztomograf (MRT) zeichnete er auf, was sich im Gehirn von Probanden abspielt, wenn sie Bilder von Süßigkeiten und anderen Speisen sehen. Ähnlich wie etwa bei Alkohol reagierte das Gehirn einiger – insbesondere übergewichtiger – Teilnehmer mit vermehrter Ausschüttung von Dopamin.

Zucker kann suchtähnliches Verhalten auslösen

Zucker deshalb als Gift oder Droge zu bezeichnen, wie es häufig in den Medien dargestellt wird, wäre falsch, sagt Grosshans. "Medizinisch gesehen gibt es keine Zuckersucht. Denn im Gegensatz zu Heroin oder Nikotin ist Zucker Bestandteil einer natürlichen Ernährung." Deshalb kann Zucker keine klassische Suchterkrankung auslösen. Dennoch gibt es Menschen, die große Schwierigkeiten haben, auf Zucker zu verzichten oder ihren Konsum zu reduzieren. "Wenn Menschen es trotz drohenden oder bereits eingetretenen negativen Folgen wie Übergewicht oder Diabetes mellitus nicht schaffen, ihren Zuckerkonsum zu reduzieren, kann man von suchtähnlichem Verhalten sprechen", sagt Grosshans.

Neben dem großen Nahrungsmittelangebot, haben die Kaloriendichte der Lebensmittel und die Packungsinhalte zugenommen. "Als ich zur Schule ging, waren in einer Tüte 50 Gramm Gummibären – heute sind es 250 Gramm", sagt Prof. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Eine Tüte Weingummi am Arbeitsplatz kann deshalb besonders gefährlich sein. Denn das Naschen zwischendurch, nehmen wir nicht bewusst als Essen wahr. "Vor allem Weingummi und Bonbons sind problematisch", sagt Gallwitz. Sie bestehen fast ausschließlich aus Zucker, der Fettanteil geht hingegen gen null. Das treibt den Blutzuckerspiegel besonders schnell in die Höhe.

"Die gesunde Wahl, sollte auch die günstigere Wahl sein"

Das angenehme Gefühl, dass Genuss von Zucker bei vielen Menschen auslöst, motiviert sie, dies zu wiederholen. "Wenn wir zu sehr an den Geschmack von Zucker gewöhnt sind, kann es passieren, dass wir immer mehr davon wollen", sagt Gallwitz. Er hält eine höhere Steuer für ungesunde Lebensmittel, die etwa viel Zucker oder Fett enthalten, deshalb für eine sinnvolle Maßnahme. "Die gesunde Wahl sollte auch die günstigere Wahl sein", sagt Gallwitz. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft lehnt eine "Bevormundung der Verbraucher durch Strafsteuern" bisher jedoch ab.

31.01.2016
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