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Zugunfall in Oberbayern Seehofer: "Furchtbare Tragödie für ganz Bayern"

BildHorst Seehofer in Bad Aibling
Horst Seehofer in Bad Aibling

Horst Seehofer in Bad Aibling

(Quelle: dpa)

VideoKeine weiteren Vermissten
Feuerwehr-Einsatzkräfte stehen an der Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling.

Nach dem Zugunglück in Bayern gehen die Einsatzkräfte davon aus, dass sich kein Passagier mehr in den Trümmern befindet. Nach Polizeiangaben wird niemand mehr vermisst, die Ursache ist weiter unklar.

(10.02.2016)

VideoWie läuft's bei den Privatbahnen?
Eine Privatbahn

30 Prozent aller Züge auf dem Streckennetz der Deutschen Bahn sind Privatbahnen - auch die, die in Bad Aibling zusammenstießen. Trotz einheitlicher Vorgaben existieren grundsätzliche Probleme.

(10.02.2016)

VideoDie Zugtragödie von Aibling
Ein schweres Zugunglück in Bayern.

Zehn Tote und Dutzende Verletzte hat das schwere Zugunglück in Bayern gefordert. Auf der Strecke Holzkirchen-Rosenheim waren zwei Nahverkehrszüge auf einer eingleisigen Strecke zusammengestoßen.

(09.02.2016)

Nach dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling hat Ministerpräsident Seehofer die Unfallstelle besucht: Es sei "eine furchtbare Tragödie für ganz Bayern". Die Ermittlungen müssten nun zeigen, welche Konsequenzen gezogen werden müssten. 

"Bayern trauert", sagte Horst Seehofer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Rathaus von Bad Aibling. Er sprach den Angehörigen der Opfer und der Bevölkerung in der Region seine Anteilnahme und Verbundenheit aus. Er habe am Unfallort gebetet.

"Wir beten und hoffen, dass die Verletzten ihre Verletzungen überwinden", sagte Seehofer, der sich nach dem Besuch der Unfallstelle tief betroffen zeigte. "Man ist ganz verstört, wenn man diese Bilder noch mal sieht, diese Knäuel." 

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Die Ermittlungen müssten nun zeigen, welche Konsequenzen gezogen werden müssen, "um solche Tragödien noch ein Stück unwahrscheinlicher zu machen".

"Dürfen optimistisch sein"

Unterdessen rechnet die Polizei nicht mit weiteren Todesopfern. "Es wird niemand mehr vermisst", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Nachdem alle Personalien abgeglichen worden seien, dürfte sich kein Opfer mehr in den beiden Zügen befinden. "Es wird keine elfte Leiche geben."

ZITAT
Man ist ganz verstört, wenn man diese Bilder noch mal sieht, diese Knäuel.
Horst Seehofer

Nachdem ein Opfer am Dienstagabend im Krankenhaus gestorben war, liegt die Zahl der Schwerverletzten nun bei 17. Der Polizeisprecher zeigte sich zuversichtlich, dass sie überleben werden. "Wir dürfen optimistisch sein." 63 Reisende wurden zudem leicht verletzt. Es ist das schwerste Bahnunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren.

Am Dienstagmorgen waren zwei Nahverkehrszüge der privaten Bayerischen Oberlandbahn auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim bei hohem Tempo frontal ineinander gekracht.

ZITAT
Bayern trauert
Horst Seehofer in Aibling

Am Mittwochmorgen gab es zunächst Verwirrung um die Zahl der Opfer. Am Dienstagabend waren bereits zehn Todesopfer bekannt, ein weiterer Mensch galt als vermisst und wurde unter den Trümmern vermutet. Dann berichtete am Mittwochmorgen eine Mitarbeiterin der Polizeieinsatzzentrale, die sterblichen Überreste des Vermissten seien gefunden worden. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Wenig später meldete die Polizei, dass niemand mehr vermisst werde.

Karte: Zugunglück Bad Aibling

Überblick: Bad Aibling, Landkreis Rosenheim
Quelle: ZDF

Suche nach den Ursachen

Zu einem Bericht über menschliches Versagen als Unglücksursache wollte sich ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bisher auf Anfrage ebenfalls nicht äußern. Derzeit würden Blackboxen aus den Zügen ausgewertet. "Das nimmt Zeit in Anspruch, und diese Zeit nehmen wir uns auch." Eine von drei Blackboxen wird noch immer unter den Trümmern vermutet.

Am Mittwoch traf ein erster Spezialkran der Deutschen Bahn am Unfallort ein, wie das Unternehmen mitteilte. Am Vormittag wurde darauf gewartet, dass der Staatsanwalt die Unfallstelle freigibt. Am Dienstag hatten sich die Arbeiten als extrem schwierig erwiesen, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Die Bergung der Trümmer wird wohl mehrere Tage dauern.

Schwere Zugunglücke in Deutschland 
  • Bahnfahren gilt als relativ sicher, schwere Unfälle wie jetzt in Oberbayern sind vergleichsweise selten. Auf den folgenden Seiten listet heute.de Beispiele auf:

  • August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

  • September 2012: Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

  • April 2012: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

  • Januar 2012: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

  • September 2011: Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

  • Januar 2011: Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

  • Oktober 2009: Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

  • April 2008: Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

  • Juni 2003: Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

  • Februar 2000: In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

  • Juni 1998: Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Wann die Strecke wieder geöffnet werden kann, war zunächst unklar. Der Schienenersatzverkehr habe sich inzwischen "eingetaktet", teilte die Bayerische Oberlandbahn mit.

Hotline
  • Notrufnummer für Angehörige: 08031/2003180

10.02.2016, Quelle: dpa, afp,ZDF
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