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Zukunft von Bibliotheken Das Buch als Nebensache

BildUrban Mediaspace Aarhus
Urban Mediaspace Aarhus

Mitte 2015 hat im dänischen Aarhus eine neue Zentralbibliothek eröffnet. 18.000 Quadratmeter groß, 100 Millionen Euro teuer. Regale sieht man hier nicht. Stattdessen: Flachbildschirme.

(Quelle: urbanmediaspace.dk)

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(20.11.2015)

von Kerstin Deppe

Was passiert mit den öffentlichen Bibliotheken, wenn immer weniger Menschen Bücher ausleihen, weil sie sich ihre Informationen lieber im Netz besorgen? Viele Einrichtungen setzen auf alternative Angebote, werden zu Begegnungs- und Veranstaltungsstätten. Vorreiter der Entwicklung ist Skandinavien. 

Es ist ein heller, futuristischer Bau direkt am Wasser, der eher wie eine Konzerthalle oder ein Flughafenterminal wirkt: Mitte 2015 hat im dänischen Aarhus eine neue Zentralbibliothek eröffnet, das  DOKK1. 18.000 Quadratmeter groß, 100 Millionen Euro teuer. Regale sieht man hier nicht. Stattdessen: Ein großes Foyer mit Flachbildschirmen, die über das Veranstaltungsangebot informieren. Es gibt ein Repair-Café und Makerspaces, eine Schreibwerkstatt und einen Hacker-Treff, 3D-Drucker und Tonstudios. Kinder können auf digitalen Fußballplätzen spielen und an Konsolen zocken, während ihre Eltern beim Bürgerservice ihren Pass verlängern oder eine neue Wohnung anmelden.

Vom Büchertempel zum Begegnungsort

Und wo sind die Bücher? Die gibt es auch in Aarhus, allerdings eher versteckt und in Nebenräumen. "Eine Bibliothek muss heute etwas bieten, was im Netz nicht zu finden ist, sonst hat sie keinen Sinn mehr", sagt Bibliotheks-Chef Knud Schulz. Seit einigen Jahren sinken die Ausleihzahlen bei gedruckten Büchern in Dänemark dramatisch. Trotzdem kommen immer mehr Menschen in die Bibliotheken: Sie haben sich von angestaubten Bildungseinrichtungen zu Kommunikations- und Begegnungsorten gewandelt. Es darf gelacht und geredet werden, im DOKK1 können Gruppen kostenlos abgetrennte Bereiche für eigene Events anmieten.

Wie sieht es in Deutschland aus? "Auch bei uns haben sich viele Einrichtungen auf die veränderten Bedingungen eingestellt und innovative, kreative Zusatzangebote entwickelt", sagt Barbara Schleihagen vom Deutschen Bibliotheksverband. Das beschränke sich nicht nur auf die Onleihe, also das digitale Ausleihen von eBooks, Hörbüchern und Musik: "Die Onleihe hat sich in den letzten Jahren fantastisch entwickelt, da sind wir in Europa führend", sagt Schleihagen.

"Doch in den Bibliotheken passiert längst mehr, sie werden zunehmend zu Treffpunkten. Es finden Kulturveranstaltungen und Seminare statt, es gibt Leseförderungsangebote, Kinder können in den Bibliotheken übernachten. Hier gibt es ganz viele, zum Teil sehr unterschiedliche Ansätze." Stolz ist Schleihagen auch auf das große Angebot für Flüchtlinge und die interkulturelle Bibliotheksarbeit.

Kreativität trotz klammer Kassen

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Ein Umdenken, das dringend nötig ist: Rund 9.200 öffentliche Bibliotheken gibt es bei uns, im Jahr 2000 waren es noch über 11.300. Gleichzeitig ging die Zahl der Öffnungsstunden um etwa zehn Prozent zurück. "Daraus zu schließen, dass es den Bibliotheken grundsätzlich schlecht geht, greift jedoch zu kurz", so Barbara Schleihagen. Entscheidend sei die finanzielle Ausstattung – und die sei bei einigen gut, bei anderen weniger. "Wenn eine Bibliothek geschlossen wird, liegt das nicht an fehlenden Besuchern, sondern daran, dass die Kommunen sparen müssen. Die Nutzungszahlen sind heute sogar höher als vor zehn Jahren."

Wie man trotz schwieriger Haushaltslage und mit geringen Ressourcen ein attraktives Angebot schaffen kann, zeigt die Stadtbibliothek Köln. Sie wurde 2015 zur Bibliothek des Jahres gewählt. Wie in Aarhus gibt es hier einen Makerspace, einen offenen Kreativraum mit 3-Druckern, innovativer Hardware und einem umfangreichen "Programm für Selbermacher". Regelmäßig finden spezielle Workshops für Kinder, Computerneulinge und Technikfreaks statt, außerdem gibt es ein umfangreiches Kulturprogramm. Das Konzept geht auf: Rund 2,2 Millionen Menschen haben die Bibliothek im letzten Jahr besucht – nicht nur zum Basteln und Werkeln. Seit 2008 ist die Ausleihe von Medien um 60 Prozent gestiegen.

Bibliotheken: Bücher, Besucher, Besuche

Mehr als 200 Millionen Besucher in Bibliotheken

Bibliothek (Symbolbild)

Bibliotheken sind nach Verbandsangaben die am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen in Deutschland. Einige Zahlen des Deutschen Bibliotheksverbandes zu öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken (Quelle: Bibliotheksstatistik 2014):

- Rund 9.950 Bibliotheken gibt es in Deutschland - von der Uni-Bibliothek bis zur Stadtteilbücherei, etwa 9.200 sind öffentliche Bibliotheken

- 718.000 Besuche zählen die Bibliotheken jeden Werktag

- 216 Millionen Menschen besuchen Bibliotheken jährlich

- 367 Millionen Medien stehen in den Bibliotheken bereit

- 443 Millionen Medien werden jährlich entliehen

(Quelle: dpa)

09.01.2016
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