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merkzettel

Fleischverzicht zur Fastenzeit Umweltschützer fordern den "Gülle-Euro"

BildFleisch in der Theke
Fleischwaren in einer Metzgerei

Damit in Zukunft alle Menschen auf dem Planeten genug zu essen hätten, könnten die Menschen in reichen Ländern nicht so viel Fleisch essen wie im Moment, sagen Umweltschützer.

(Quelle: dpa)

VideoFleischverzehr in Deutschland
Menge des Fleischkonsums eines Deutschen im Durchschnitt.

Am liebsten essen die Deutschen Fleisch - durchschnittlich 60 Kilogramm im Jahr . Laut "Fleischatlas" ist die Verteilung im Westen und im Osten jedoch sehr unterschiedlich.

(13.01.2016)

VideoAlarm der Fleischbeschauer
Kontrolleure dürfen geschlachtete Schweine nur noch anschauen, nicht mehr anfassen oder aufschneiden.

Kontrolleure dürfen geschlachtete Schweine nur noch anschauen, nicht mehr anfassen oder aufschneiden. Der niedersächsische Landwirtschaftsverband schlägt Alarm - viele Krankheiten blieben unerkannt.

(25.01.2016)

VideoFulltime-Job Bauer
Henning Bauck ist Hahn im Korb

Großkampftag für Bauer Henning Bauck: Es ist Markttag und seine Verkaufswagen müssen rechtzeitig den heimischen Hof verlassen, um pünktlich auf den Wochenmärkten Fleisch und Wurst zu verkaufen.

(31.01.2016)

Die Fastenzeit beginnt, viele Menschen verzichten bis Ostern auf das ein oder andere - oder auch mehrere - Genussmittel. Ein freiwilliger Verzicht auf Fleisch erfreut dabei auch Klimaschützer, reicht ihnen aber nicht. Sie wollen mehr - vor allem von der Politik. 

Umweltschützer rufen die Verbraucher in Deutschland dazu auf, künftig nur noch halb so viel Fleisch zu essen wie bisher. Dies nütze der Gesundheit und auch dem Klimaschutz, sagte die WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran vor Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch. Auch die Bundesregierung müsse das Thema endlich anpacken. "Um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren, sollte die Regierung eine Abgabe für Landwirte auf Stickstoffüberschüsse prüfen, einen sogenannten Gülle-Euro."

Übersättigung der Böden

Zu viel Gülle auf den Feldern führt zur Übersättigung der Böden mit Nährstoffen und verschlechtert die Wasserqualität. Der hohe Fleischkonsum der Deutschen und der nötige Sojaverbrauch für Tierfutter beschleunigen den Ausstoß von Treibhausgasen und den Flächenverbrauch.

Zudem regt die WWF-Expertin an, dass zumindest staatlich betriebenen Kantinen vorgeschrieben werden sollte, fleischarm zu kochen. "Auch könnte die Regierung Informationskampagnen starten, um den Fleischverzehr zu drosseln", sagte sie.

Deutsche essen doppelt so viel Fleisch wie der Welt-Durchschnitt

In Deutschland übersteigt der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch mit 88,3 Kilogramm jährlich den Welt-Durchschnitt um das Doppelte - und den Indiens sogar um das 20-fache. Die Viehhaltung ist global für mehr Treibhausgase verantwortlich als alle Autos, Lkw und Flugzeuge zusammen.

Treibhausgase auf der Weide

Der Kuh-Pups ist schlecht fürs Klima

Kuh Emma pupst im Studio

ZDF-logo-Moderatorin Jennie erklärt, warum weniger Fleisch essen klimafreundlich ist.

Auch SPD und Grüne im Bundestag prangern den Fleischkonsum in Deutschland an. Die Sprecherin der Grünen für Tierschutz und Verbraucherpolitik, Nicole Maisch, sagte , wenn alle Menschen so viel Fleisch äßen wie hierzulande, "bräuchten wir einen zweiten Planeten". Die Exzesse der Massentierhaltung und Dumpingpreise müssten ein Ende haben. "Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro ist pervers."

Der Ruf nach neuen Gesetzen wird laut

Nötig seien schärfere gesetzliche Vorgaben für die Tierhaltung, betonte Maisch. Dies sei aber nicht zum Nulltarif zu haben. Die Preise für Fleischprodukte müssten die soziale und ökologische Wirklichkeit widerspiegeln. Die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Christina Jantz, plädierte für einen "Mix aus gesetzlichen Maßnahmen": zum einen für bessere Haltungsbedingungen, zum anderen zur Unterstützung der Landwirtschaft im Wandlungsprozess.

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Die Referentin für Welternährung bei Oxfam, Marita Wiggerthale, forderte ebenfalls eine Abkehr von der Massentierhaltung: "Nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch, weil die Fleischproduktion viel Land frisst und in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht."

Bei Fleisch gilt die ermäßigte Mehrwertsteuer

Umweltschützer fordern seit längerem, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Fleischprodukte zu streichen. Alle Lebensmittel werden nämlich gleichermaßen mit nur 7 statt 19 Prozent besteuert. Von einer solchen "Fleischsteuer" hält die SPD-Tierschutzbeauftragte Jantz allerdings wenig. Die daraus folgenden höheren Preise könnten zwar die Nachfrage abschwächen. Zu Verbesserungen in der Intensivtierhaltung werde es aber nicht zwangsläufig kommen. Nebeneffekt könnte außerdem mehr soziale Ungleichheit sein. "Während Wohlhabende ihren Fleischkonsum unverändert fortführen können, würden weniger Wohlhabende wesentlich härter von dieser Steuer getroffen."

Der Sprecher der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, verlangte, die artgerechte Tierhaltung von Bio-Höfen als gesetzlichen Standard allen Agrarbetriebe vorzugeben. "Die heutigen Tierfabriken sind eine Qual für Tiere und eine Belastung für die Umwelt - vom Geschmack des Fleisches gar nicht zu reden."

Fleisch: pro und contra

Was steckt Gutes im Fleisch?

Hamburger

Fleisch liefert hochwertiges Eiweiß, essenzielle Aminosäuren sowie die Vitamine B1, B6 und B12. Das Spurenelement Eisen ist wichtig für die Blutbildung. "Fleisch trägt dazu bei, den Protein- und Eisenbedarf zu decken", erläutert der Präsident des Max-Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel, Prof. Gerhard Rechkemmer. "Mit Ausnahme von Vitamin B12 können wir alle essenziellen Nährstoffe aber auch aus pflanzlichen Lebensmitteln bekommen." Wer als Vegetarier Milch und Eier esse, sei nicht automatisch unterversorgt.

Was ist nicht so gut?

Gerade geräuchertes Fleisch und Wurst enthalten relativ viel Salz - wer viel davon isst, überschreitet schnell die empfohlenen Mengen. Nicht schmecken kann man dagegen Rückstände von Antibiotika und resistente Keime. Um den Medikamenten-Einsatz in der Massentierhaltung wird seit langem gerungen. Beanstandet wird aber nur relativ wenig mit Antibiotika belastetes Fleisch, wie aus dem Bericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) von 2012 hervorgeht. Durch verunreinigtes Futter wurde in Fleisch auch schon Quecksilber nachgewiesen. Viren auf Fleisch gelten als schwer nachzuweisen. Der Anteil lebensmittelbedingter Virusinfektionen lässt sich laut DGE nicht abschätzen.

Sind solche Funde auch gesundheitsgefährdend?

Sind Höchstgrenzen überschritten, dürfen Produkte nicht in den Handel gelangen. Verkaufsverbot gilt europaweit auch für Fleisch von Tieren, die mit Wachstumshormonen behandelt wurden. "Der Standard der Lebensmittelsicherung in Deutschland ist so hoch, dass man sich um die Gesundheit keine Sorgen machen muss", sagte der Epidemiologe Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE). Durch resistente Keime auf Fleisch wird allerdings eine Resistenz gegen Antibiotika auch für Krankheitserreger des Menschen befürchtet.

Wie sicher ist weißes Fleisch?

"Zu weißem Fleisch hat man bisher in keiner epidemiologischen Studie einen Zusammenhang mit Krebs gefunden", sagte Boeing. Generell bewertet auch die DGE Geflügel unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger als rotes Fleisch. Aus Angst vor Krebs nun vermehrt auf Geflügel umzuschwenken, ist Boeing zufolge aber nicht der logische Schluss aus der WHO-Empfehlung. Er empfiehlt auch aus ethischen Gründen eine gesündere Menge: "Wir bräuchten ernährungsphysiologisch gar nicht so viel Fleisch." Hinzu kommt: Antibiotika-resistente und andere potenziell krankmachende Keime werden insbesondere auf Geflügel gefunden. Hygiene bei der Zubereitung ist daher wichtig.

Was sollten Vegetarier beachten?

Auf Fleisch kann man gut verzichten, sind sich Experten einig. Vegetarier müssten sich aber mit Nährwerten und abwechslungsreicher Ernährung befassen, um beispielsweise Eisen optimal auszunutzen. Denn Eisen aus Gemüse, Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten kann der Körper nicht so leicht aufnehmen wie tierisches. Kombiniert mit Vitamin C lässt sich die Aufnahme aber verbessern, wie Rechkemmer schildert.

Wer braucht Nahrungsergänzungsmittel?

Vitamin B12 ist für Veganer ein kritischer Nährstoff, weil er nicht in pflanzlichen Quellen vorkommt: Es müsste durch Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel ersetzt werden. Wer zu Pillen greifen will, solle aber gezielt einen Stoff einnehmen, anstatt auf den Streueffekt zu setzen: "Von Multinährstoffpräparaten halte ich gar nichts", sagte Rechkemmer.

Welche schädlichen Seiten hat Fleischkonsum noch?

Massentierhaltung steht schon lange in der Kritik: Viehtransporter und dunkle, enge Ställe voller Tiere - das ist für viele Vegetarier und Veganer Anreiz genug zum Fleischboykott. Aber auch der Verzicht dem Klima zuliebe ist begründet: Die Umweltstiftung WWF etwa sieht hohen Fleischkonsum als "Brandbeschleuniger" für die globale Klimaveränderung. Denn für eine fleischreiche Ernährung sind viel mehr Flächen nötig als für eine pflanzliche. Werden etwa Wälder in Südamerika für den Anbau von Tierfutter wie Soja abgeholzt, wird Kohlendioxid aus Bäumen und Böden freigesetzt.

09.02.2016, Quelle: dpa
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